Die Linke und der rechte Gott in der Kita

Religionskritik Lose Gedanken über die Idee der NRW Linke, den Martinstag umzubenennen, damit niemand diskriminiert wird
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Um gleich vorwegzuschicken: ich bin weder Mitglied der Linken noch hab ich sie gewählt noch würde ich mich als (demokratischer) Sozialist bezeichnen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Vorschlag auch im West-Teil der Links-Partei nicht auf breite Zustimmung treffen wird. Aber man kann den Gedanken doch mal anbringen, ohne gleich von allen Seiten ausgelacht und bespuckt zu werden. Es geht um die Gestaltung unserer Kultur. Ich finde an den Linken schon immer positiv, dass sie deutliche Schritte wagen, diese Gesellschaft zu verändern.

Die meisten Leute die sich so ekelhaft über die Idee der Umbenennung aufregen (s. z.B. Kommentare unter dem fürchterlichen RTL-Kommentar: https://www.facebook.com/photo.php?v=10202559368732059 ), haben überhaupt keinen religiösen Bezug zum Christentum. Sie haben nur Angst, dass die Muselmänner oder Leute der unliebsamen Linkspartei ihnen etwas wegnehmen wollen.e Zustimmung treffen wird. Aber man kann den Gedanken doch mal anbringen, ohne gleich von allen Seiten ausgelacht und bespuckt zu werden. Es geht um die Gestaltung unserer Kultur. Ich finde an den Linken schon immer positiv, dass sie deutliche Schritte wagen, diese Gesellschaft zu verändern.

http://www.leitkultur-humanismus.de/leitkulturkl.jpg

Alle Feiertage sind immer von oben aufgedrängelt und gehören niemandem. Man sollte sämtliche religiösen Feiertage aus dem öffentlichen Leben verbannen. Glauben ist eine Privatsache und hat absolut nichts in Kindergärten oder Schulen zu suchen. Wenn man den Menschen einfach mehr Zeit für Urlaub gibt, können die sich selbst aussuchen, wann und wie lang sie zu Hause sitzen und beten oder Braten essen oder Geschenke auspacken oder sowas. Jeder soll in sich reinstopfen, was er will und wann er es will und warum auch immer er will. Dazu braucht es keine Feiertage von oben.

Wir "aufgeklärten Europäer" sollten mehr darum bemüht sein, die Trennung von Staat und Gott zu Ende zu bringen. Privat kann wie gesagt ja jeder denken und glauben und fühlen und wissen was er will. Aber Kindergärten und Schulen sollen sich von dem ganzen Jahrtausende-alten Plunder befreien. Das Morgenland mag nicht so liberal denken, aber das ist ja kein Argument, an einer deutschen christlichen Leitkultur festzuhalten. Wir sind doch weiter, oder?

Statt an irgendeiner Staatsreligion festzuhalten (die seit vielen Jahrzehnten nicht mehr mehrheitsfähig ist - auch wenn eine *C*DU an der Macht ist), sollte man lieber nicht-religiöse Alternativen kultivieren. - Eine deutsche, christliche Leitkultur finde ich jedenfalls sehr sehr ekelhaft.
Eine Alternative zu der ganzen political-correctness-Umbenennerei wäre natürlich, jeder Religion gleichermaßen Geltung in Schulen und Kitas zu verschaffen. Jedes Kind, jeder Schüler lernt die Feste aller Religionen kennen und kann sich dann aussuchen, was ihm am ehesten liegt. Aber ich finde, der Aufwand lohnt sich nicht. Man kann im Unterricht die verschiedenen Religionen behandeln, ohne sie gleich zelebrieren zu müssen.

Ich finde es idiotisch, starr an vorgegebene Festtage festzuhalten. Und ich finde es auch schlimm, wenn Leute einen Teil ihrer Identität darauf aufbauen.

Es ist wichtig zu unterscheiden, was die Leitkultur vorgibt und was die "eigene Identität" ausmacht.

Eine Leitkultur unterdrückt nur das Individuum (was auch - zugegeben - nicht von allen Individuen als schlimm empfunden wird).

Gerade Kinder sind sehr empfänglich für diese religiösen Märchengeschichten und können nicht klar differenzieren und sich einen eigenen Standpunkt bilden. Sie sollten von diesen tiefen, religiösen, mittelalterlichen "Empfindungen" verschont bleiben! Ich glaube, wenn man weltweit erst mit 18 Jahren an etwas glauben darf, wäre die Menschheit moralisch und technisch viel weiter fortgeschritten. Welcher aufgeklärte, gebildete Mensch würde sich dann eine Religion aussuchen, die auf Schuld und Sünde beruht?

Kinder müssen Werte lernen, aber braucht man dafür ein christliches Märchen? Man kann einfach seine Kinder an die Hand nehmen und durch die Stadt gehen und einem Penner ein bisschen Geld geben und sagen: "Manche Menschen haben nichts und damit die nicht verhungern, geben wir ihnen was." Aber das wäre ja zu viel verlangt... Also schön weiter die Laternen basteln und hinter den Bauch in McDonalds vollfressen.

Die Kinder sollten gerade lernen, warum man teilen muss. Sie müssen die größeren Zusammenhänge sehen. Es ist nicht viel getan, wenn man sagt: "Da gab es mal einen ganz frommen Christen, der den Armen gegeben hat. Schön oder?"


Oft wird den Linken (und auch den Grünen) vorgeworfen, vor dem Islam zu kriechen. Was für eine infame Übertreibung. Es geht lediglich darum, jeder Art von deutscher Leitkultur entgegenzuwirken.

Jemand, der die christliche Leitkultur und auch eine christlich geprägte Pädagogik für gut hält, brachte die Metapher mit einem Teddy: "(Fast) jedes Kind nimmt einen Teddy oder Puppe unter den Arm, wenn es durch das große unheimliche dunkle Haus geht. Wie nennt man einen Erwachsenen, der ihm erklärt, dass der Teddy gegen die Dunkelheit gar nicht hilft? Aufklärer oder Idiot?"
Aufklärer natürlich. - Alle diese Schrebergarten-Deutschen halten sich an ihrem Leitkultur-Teddy fest und hoffen, dass sie damit vor der großen feindlichen Übernahme der dreckigen Muselmänner geschützt sind. Jemand der sagt, dass die Gefahr gar nicht besteht, ist alles andere als ein Idiot.

Ein Volk ist auf keine Leitkultur angewiesen. Man schürt nationalistische Ressentiments, wenn man Leute als Volksverräter bezeichnest, die die traditionelle Leitkultur ablehnen. - Nur weil sich bestimmte Leute an Festlichkeiten und Rituale festhalten musst, um zu wissen wer sie sind, heißt das nicht, dass alle Leute, die das nicht brauchen, nicht zu ihrem schönen guten Heimatland gehören.

Dass die meisten Menschen ihre Sicherheiten und Gewohnheiten brauchen, so wie alte Leute ihr Kreuzworträtsel, ihre Heizdecke und ihre Kukident, das ist vorallem ein bildungspolitisches Problem. Niemand ist von Natur aus so piefig-spießig wie die Leute, die sich darüber aufregen, dass man an ihren Traditionen sägt. Traditionen sind nur wichtig für Leute, die nichts aus sich selbst schöpfen können und die nicht frei und mündig ihren Platz im Leben finden können - weil sie es nicht gelernt haben. Sie sind alt und kalt und fangen wie wild an zu schäumen und die Augen zu verrenken, wenn man ihre Comfort Zone in Frage stellt. Es bleibt ihnen, um sich nicht alt und schäbig zu fühlen, nichts anderes übrig, als alle, die nicht ihr Welt- und Menschenbild teilen, als unrealistische Spinner zu bezeichnen.

Vielen, die diese Festlichkeiten verteidigen (auch Atheisten), geht es auch gar nicht um eine deutsche Leitkultur, sie verbinden mit bestimmten Traditionen einfach schöne Erinnerungen. Ihre Nostalgie in allen Ehren, aber sie soll bitte nicht staatstragend werden/bleiben! Ich sehe nicht, inwieweit solche Festlichkeiten einen nennenswerten Nutzen für die Kultur hätten... bloß aus ökonomischen Gründen mag sowas sinnvoll sein, da vor Feiertagen besonders viel gekauft wird (so ist auch logisch, dass Fernsehsender, die sich ausschließlich mit Werbung finanzieren, einen so ekelhaften Kommentar senden wie der oben verlinkte von RTL).

Heute geht es bei solchen Festen doch sowieso nur um Konsum. "Haben will, haben will, haben will!!" Oder denkt ein Kind, dass sich zu einem Feiertag Kuchen reinstopft, über die Bedeutung dieses Festes nach? Ob zu Weihnachten oder Ostern oder sonst einem Fest... Die Leute sitzen zusammen und saufen und fressen und schauen Trash im Fernsehen und freuen sich dass sie mal nicht arbeiten müssen... Na ok, Lady Gaga hat eine Weihnachtsmann-Mütze aus vergoldeten Tierkadavern auf und schaut besinnlich in die Kamera und ruft dazu auf, den armen Schwarzen in Afrika Geld zu spenden. Was wären wir nur ohne sinn- und identitätsstiftende Leitkultur, Halleluja!

In einem 5-minütigen Beitrag der Sendung mit der Maus kann man übers Jahr verteilt viele tolle Botschaften vermitteln. Da braucht es keine religiösen Feste. - Entweder die Kinder sind bei solchen Ritualen total gleichgültig oder sie nehmen es als bare Münze und beginnen den fürchterlichen Druck von Sünde, Schuld, Himmel, Hölle, gut und böse zu spüren. Religion gängelt die Menschen und wenn Kinder damit unreflektiert in Berührung kommen, schadet es ihnen. Deshalb müssen Kindergärten und Schulen radikal neutral sein.

Den Hinweis, man möge doch wegziehen, wenn es einem hier nicht gefällt, bekommt jeder zu hören, der erklärt, sich mit der Politik oder Leitkultur nicht identifizieren zu können. Also entweder mitmachen oder abhauen - vor dieser Wahl steht man.

Für alle, die glauben, dass eine Gesellschaft mit der Abschaffung aller religiöser Feiertage kollektiven Kultursuizid begeht, hier ein ausgedachtes Zitat von Emil Cioran:
"Wenn die christliche Kultur am Strick hängt, kann die Menschheit endlich aufatmen."

Diesen Text habe ich aus mehreren Kommentaren zusammengeklebt, die ich unter einer Facebook-Diskussion zum Thema geschrieben habe.... https://www.facebook.com/dkultur/posts/686246601386951

13:53 06.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rael

Der Künstler begeht nie einen Mord, er ist feige und schlaff. er kriegt noch nicht mal mit, dass Frühling ist. - Alina Vituchnovskaja
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Rael

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