Ein Dieb ist besser als ein Occupy-Hipster

Polemik Wenn Kapitalismus-Kritik eine Hipster-Party ist, sollte man seinen Ekel nicht unterdrücken.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Viel peinlicher, als die FDP zu wählen ist, im Chor flotte Sprüche gegen den Kapitalismus zu keuchen. Etwas wirklich Pragmatisches kann man von Jugendlichen nicht erwarten, die mit Jutebeutel, Junkiebart und Instant-suppe in einem Zelt zu blasser, weichlicher, weinerlicher Weltschmerzmusik hocken und ein bisschen auf den Kapitalismus schimpfen - immer ein lustiges, cooles Internet-Meme auf einem Pappschild , den ganzen Zirkus fein fotografiert mit dem iPhone (immerhin will man ja auch Leuten, die nicht dabei sein können oder aus moralisch niederträchtigen Motiven nicht dabei sein wollen beweisen, dass man ein Bewusstsein hat für die Probleme der Welt). Wenn es cool und richtig ist, gegen den Kapitalismus zu zelten, das Gesicht bedeckt mit einer Maske aus einem reißerischen Hollywood-Blockbuster, dann reibt sich die dunkle Seite der Macht schon nervös die Hände, wissend dass sie sich das niemals entgehen lassen dürfen und dann gibt es bald eine Occupy-App für 5 Euro, einen Occupy-Beutel, eine ironische Occupy-Plastik-Zwille, drei zum Preis für zwei. Und wenn dann der Stress an der Uni zu viel wird, packen die Hipster ihre Zelte wieder ein und fahren nach Hause, um zu lernen. -

Auf der ICE-Fahrt jammern sie sich dann aber nochmal fein gegenseitig voll, wie ungerecht der Kapitalismus ist, dass es so nicht weiter gehen kann und hey, fuck, wir sind die 99%. Krass ey.

Diese Occupy-Bewegung ist ihnen im Grunde nur eine spannende Party, um Weiber oder Kerle aufzureißen. Es gibt nichts tolleres, als den zukünftigen Partner auf einer politischen Veranstaltung kennen zu lernen. Wenn die Beziehung schon in einer sauberen, rechtwinkligen Eigentumswohnung endet, kann sie wenigstens auf dem Schlachtfeld der gescheiterten Revolution beginnen. - Heute ist das Gefühl, sich nicht wehren zu können, viel unangenehmer als das Gefühl, dass man sich nicht genug wehren kann. Deshalb essen sie auch kein Fleisch - weil wegen Massentierhaltung und so - wir sind alles gleichwertige Wesen. Ohne Prinzipien geht alles zu Grunde. Peace!

Ich finde, es gibt nicht viel Erbärmlicheres, als junge Menschen, die sich wütend und friedlich und selbstsicher aufplustern und den Fetten und Überfetten "da oben" sagen, dass es mal nicht so cool ist, alles für sich zu behalten. Es wird alles nichts bringen - das System wird nicht sagen: "Okay, ihr habt recht! Lasst uns etwas anderes ausdenken." Man vertraut dem Kapitalismus vielleicht nicht mehr so wie früher, aber aus diesem Misstrauen zieht man keine nachhaltigen Konsequenzen. Sie sagen "Gewalt erzeugt immer Gegengewalt", dabei wollen sie sich über die wirkliche Ursache-Wirkung-Folge nicht klar werden - so viel Verantwortung kann eine anonyme, vernetzte, gesichtslose Masse nicht leisten.

Da ist mir ein Dieb lieber, der ohne Scham und ohne viel Aufhebens darum zu machen, das System umgeht und sich sein Essen zusammenklaut. Er verändert alleine auch nicht die Welt, ist aber jedenfalls nicht so verdammt lächerlich. - Dass der Deutsche keine Veränderung will, zeigen die Sonntagsfragen. Die Grünen und die Piraten zu wählen, fühlt sich eben einfach besser, sauberer, ausgeglichener an, als die Linken zu wählen. Die können ja nur über sich streiten, fahren fette Autos und haben Konzepte die nicht finanzierbar sind und einige sollen sogar irgendwas seltsames über die Mauer gesagt haben und das mit der Stasi ist auch so eine Sache.... Nein nein! Man muss realistisch bleiben. Sigmar Gabriel und Claudia Roth sind ein super Team, um gegen die Zustände vorzugehen. Lasst sie endlich wieder ran! Die haben es letztes Mal ziemlich vergeigt, da haben Volker Pispers und Jutta Ditfurth schon Recht... aber was haben wir denn für Alternativen als zu Vertrauen! Wir sind nicht so blauäugig, und stellen das ganze System in Frage! Das ist pubertärer, realitätsferner Quark! Es ist ja ok, gegen den Kapitalismus Party zu machen, aber wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen.

13:35 23.08.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rael

Der Künstler begeht nie einen Mord, er ist feige und schlaff. er kriegt noch nicht mal mit, dass Frühling ist. - Alina Vituchnovskaja
Schreiber 0 Leser 2
Rael

Kommentare 146

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Dieser Kommentar wurde versteckt
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar