Medien - Kartelle

Journalismus Meinungsvielfalt oder kontrollierter Einheitsbrei der deutschen Medienzaren?
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In Frankreich ist eine Vielzahl von Geiselnahmen von reputierten Journalisten in Krisengebieten zu verzeichnen. Erst letztes Jahr wurden zwei meiner Kollegen von Reporters sans frontiéres nach 547 Tagen Geiselhaft in Afghanistan befreit. Die Regierung behauptet, dass angeblich kein Lösegled geflossen sei. Ich habe also keine offizielle Bestätigung für meine Behauptung, dass 10 Millionen Euro geflossen sind. Es sind wohl nur Gerüchte!

Hier eine Liste der gedkidnappten französische Journalisten der letzten Jahre:

Ghesquière und Taponier ( France 3) Geiselhaft 18 Monate
Kaufmann (Donnerstag – Journal) Geiselhaft 3 Jahre
Comea (Antenne 2) Geiselhaft 10 Monate
Fleutlaux (Photoreporter) Geiselhaft 255 Tage
Aubenas (Libération) Geiselhaft 157 Tage
Chesnot und Malbrunot (Le Figaro) Geiselhaft 124 Tage
Rochot und Hansen (Antenne 2) Geiselhaft 105 Tage
Le Garrec (France 2) Geiselhaft 74 Tage

Quelle: Reporters sans Frontiéres

Woran liegt es, das ausgerechnet französische Journalisten so oft in die Hände von Terroristen fallen und als Geiseln genommen werden? Sind sie weniger professionell, sind sie zu blauäugig? Sind sie einfach nur Hassardeure, die alles tun, um eine Nachricht zu bekommen, unter Vernachlässigung jeglicher Vorsicht? Das kann es nicht sein, denn alle Reporter waren militärisch gut ausgebildet und verfügten über grosse Erfahrung für die Arbeit in Krisengebieten. Wir werden für unsere Einsätze speziell geschult und mit einem hervorragenden Equipement des französischen Verteidungsministerium ausgerüstet. Wir bekommen Schutzwesten, Stahlhelme, Überlebensset und GPS – Sender.

Es ist unzweifelhaft, dass französische Journalisten hochqualifiziert sind. Die meisten sind Absolventen grosser Universitäten, haben Journalismus, Arabismus und Geschichte studiert. Alle oben genannten Journalisten arbeiten für grosse Sender oder angesehene Zeitungen. Sie wagen sich in die vordersten Krisengebiete in Afrika, im Maghreb, in Libyen, in Ägypten, Sudan, Syrien, Irak, Iran und Afghanistan. Der französische Leser und Zuschauer der Sender wird täglich mit Reportagen aus allen Krisengebieten der Welt aus erster Hand versorgt und kann sich selbst ein Urteil über Sinn und Unsinn eines Kampfeinsatzes oder eines Bürgerkrieges machen.

Auch Deutschland verfügt über mutige und hochkompetente Journalisten. Dr. Antonia Rados ist zwar Österreicherin und lebt in Paris, sie hat sich jedoch noch nie gescheut, in die gefährlichsten Regionen der Welt zu reisen und mitten aus den Kampfgebieten zu berichten. Ihre Reportagen sind jounalistische Leckerbissen. Dafür wurde sie erst neulich ausgezeichnet. Es gibt noch weitere mutige deutsche Journalisten, die ich kenne und sehr schätze. Nicht zu vergessen sind die deutschen Journalisten Tilgner, Gack und einige weitere einsame Rufer in der Medienwüste. Sie alle leiden jedoch oft unter dem Diktat ihrer Chefredakteure, dies zu zeigen und jenes zu unterlassen.

Warum? Weil sich in Deutschland heimlich still und leise eine ungesunde und die Demokratie gefährdende Pressekonzentration vollzogen hat, die nur das berichten darf, was der Konzernchef für politisch opportun hält. Die Medienzaren verfolgen politische Absichten, sind keine Jorunalisten und nur ihrem merkantilen Interesse und ihrer politischen Weltanschauung verpflichtet. Es werden also weniger Fakten berichtet, sondern Meinung gemacht für die eine oder eine andere politische Richtung.

Und nun frage ich das Bundeskartellamt, ob die Medienkonzentration in der Hand von maximal vier bis fünf Konzernen nicht im höchsten Masse wettbewerbsverzerrend ist? Ist diese Konzentration der gesamten veröffentlichten Meinung nicht ein Fall für die Kartellwächter? Müssen die Medienkonzerne nicht zerschlagen werden, um die Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäusserung zu schützen?

Rainer Kahni dit Monsieur Rainer
Journalist und Buchautor
Mitglied von Reporters sans frontières

11:23 19.09.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rainer Kahni

Rainer Kahni besser bekannt unter dem Namen Monsieur Rainer ist Journalist und Buchautor. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières.
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Rainer Kahni

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