Rainer Wenk

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Surfen statt Arbeiten | 13.05.2011 | 14:48

Die Autorin erweckt den Eindruck, fest angestellte und gut qualifizierte Stellenvermittler in den Jobcentern würden das Problem Arbeitslosigkeit lösen. Einen Hinweis oder Vergleich in der Anzahl der offenen Stellen auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt mit der Anzahl "Suchender Personen" konnte man dem Artikel nicht entnehmen. Dafür ein „weiter so“ in Bürokratie und Verwaltung.
120.000 Vermittlungen von ALG II Empfängern im Jahr 2010 von 40.000 Arbeitsvermittlern in den damaligen Argen.
Quelle: www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=7723504/1ciuk3n/index.html
Wenn nur ein Vermittler einen ALG II Empfänger im Monat vermittelt hat, haben (rechnerisch) 30.000 Vermittler 12 Monate nichts anderes gemacht außer Sanktionen ausgesprochen oder Weiterbildungsmaßnahmen vergeben. Insgesamt wurden über 828.000 Sanktionen im gleichen Zeitraum verhängt. 30.000 Vermittler sitzen also Monat für Monat in den Jobcentern herum, ohne ihrer eigentlichen Tätigkeit der Vermittlung nachzugehen. Daran wird auch die neue Homepage zur Effizienzüberprüfung der Jobcenter nichts ändern. Die aktuellen Zahlen, wie auch die aus der Vergangenheit sprechen doch bereits jetzt schon für sich...

Januar 2011: 6 Millionen 191.519 erwerbsfähige Personen (inklusive erwerbsfähige Nichtleistungsempfänger) im Leistungsbezug des ALG I oder ALG II
Januar 2005: 6 Millionen 160.289 erwerbsfähige Personen im Leistungsbezug des ALG I oder ALG II (Quelle: jeweilige Monatsberichte BA)
Somit gab es im Januar 2011 (6 Jahre nach dem Start der Hartz VI Reformen) 31.230 erwerbsfähige Personen mehr im Leistungsbezug des ALG. Die Anzahl der ALG II Leistungsbezieher und der „vermeintliche“ Erfolg nach 6 Jahren Hartz IV Reform wurde allerdings durch die Wohngeldreform massiv begünstigt. Viele ALG II Empfängerhaushalte/Aufstockerhaushalte haben Wohngeld beantragt und sind somit aus dem ALG II Bezug gefallen:
Am Jahresende 2009 erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Deutschland rund 860.000 Haushalte Wohngeld. (Anzahl 2008: 569.000) Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Empfängerhaushalte um fast die Hälfte (+ 47,2%).
Die Anzahl und Steigerungsrate der Wohngeldempfänger würde nach fast 6 Jahren Hartz IV die Anzahl der Betroffenen ALG II Empfängerhaushalte erheblich erhöhen. Es gibt aktuell mehr Betroffene, welche von staatlichen Leistungen abhängig sind, als zum Start der Hartz IV Reform.

Die vermeintlichen Stellenvermittler in den Jobcenter vermitteln zu über einem Drittel bereits ausschließlich an Zeitarbeitsfirmen. Wozu benötigt man in solchen Fällen eine besondere Qualifikation? Kommentator Nr. 1 hat völlig Recht mit seiner Vermutung. Die BA selbst ist eine „rießige Maßnahme“ für die Angestellten der BA.

40.000 so genannte Stellenvermittler in den Jobcentern stehen aktuell 461.000 freie Stellen auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt bei der BA zur Verfügung. Rechnerisch ergeben sich somit pro Stellenvermittler 11,5 Stellen für die Vermittlung. 30% der Stellen auf der Jobbörse der BA sind dabei gar nicht existent.
Quelle: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html
www.zeit.de/2011/09/Zeitarbeitsfirmen-Leiharbeiter
Es bleiben ca. 8 freie Stellen (inklusive Teilzeit) zur Vermittlung. Weiterhin werden von der BA bereits bis zu 35% nur noch Angebote von Zeitarbeitsfirmen angeboten. Lediglich 7% aller ehemaligen arbeitslosen Zeitarbeiter erreichen durch ihre Tätigkeit eine Festanstellung.
Quelle – Zeitarbeitsangebote: www.sozialticker.com/leiharbeitsboom-forciert-niedriglohnspirale_20100729.html#
Quelle 7 % Festeinstellung für Zeitarbeiter: Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 29.6.2010 - letzter Satz
IAB: „Leiharbeit ist zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung“
www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb1310.aspx
oder Hans-Böckler-Stiftung: Böckler Impuls 06/2011
www.boeckler.de/32014_113504.html

S. 51 aktueller Arbeitsmarktbericht: 831.356 ALG I Empfänger + 4.751.306 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 5.582.662 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht weitere 340.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 5.922.662 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die erwerbsfähigen Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 151.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 6 Millionen 073.662 Personen.
Quelle: statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im April 2011 - Seite 51
Gesamtdeutsches ungefördertes Stellenangebot auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt: 996.200
Quelle: doku.iab.de/grauepap/2011/os1004.pdf
oder aktueller Monatsbericht auf Seite 11
Ungeförderte sozialversicherungspflichtige Stellen bei der BA: 461.000
Quelle: aktueller Monatsbericht BA S. 10

Was machen also 40.000 Angestellte in der Jobvermittlung bei der BA/Jobcenter tagtäglich? Über 90% der "zu betreuenden " Kundschaft kann gar nicht vermittelt werden, da entsprechende Stellen bei der BA gar nicht vorhanden sind. Es bleiben nur Sanktionierungen, Bürokratie und Vermittlung in Ein-Euro-Jobs, Bürgerarbeit oder unnütze Weiterbildungsmaßnahmen/Bewerbungstrainings zur Rechtfertigung des eigenen Arbeitsplatzes. Oder entstehen neue Stellen durch eine bessere Qualifizierung der Mitarbeiter in den Jobcentern?

RE: Die Parallelgesellschaft des Mittelstandes | 18.05.2010 | 23:01

Zum Thema „vertuschte/verfälschte“ Arbeitslosigkeit möchte ich einige Anmerkungen geben.
3.406.000 registrierte Arbeitslose und 1.58 Millionen unterbeschäftigte Personen in Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie 374.000 Nichtleistungsempfänger ergeben ohne große Recherche im großen Zahlenwerk des aktuellen Monatsberichtes der BA 5 Millionen 360.000 Arbeitslose. Schaut man sich Seite 20 etwas genauer an, erkennt man schnell die wirkliche Dimension der realen und dennoch verschleierten Arbeitslosigkeit. Zitat: 3.013.000 Personen oder 51 Prozent bekamen Leistungen, ohne Arbeitslos zu sein. Die Gründe dafür können sein: vorübergehende Arbeitsunfähigkeit, die Teilnahme an Maßnahmen der Arbeitsförderung, die Inanspruchnahme der vorruhestandsähnlichen Regelung des § 428 SGB III, die Ausübung einer Erwerbstätigkeit von mehr als 15 Wochenstunden oder eine zulässige Einschränkung der Verfügbarkeit (z.B. Kindererziehung und Schulbesuch)
S. 50 aktueller Bericht: 1.094.420 ALG I Empfänger + 5.073.954 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 6.168.374 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht auf Seite 20 weitere 374.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 6.542.374 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 890.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 7 Millionen 432.374 Personen. Die 1.868.518 starke Gruppe der nichterwerbsfähigen Sozialgeldempfänger möchte ich in diesem Zusammenhang nur am Rande erwähnen.
Quelle: statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im April 2010 - Seiten 6/9/17/20/50/
Im April hatte die BA für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt 302.000 freie Stellen zur Verfügung. Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) bleiben ca. 211.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt. Dem gegenüber stehen über 6,5 Millionen, welche eine Existenz absichernde Arbeitsstelle suchen! Es gibt ungefähr 35.000 Jobvermittler. Rechnerisch stehen somit jedem Vermittler 6 freie Stellen zur Vermittlungen zur Verfügung. Gleichzeitig wurden im April 65.815 Sanktionen ausgesprochen (z.B. 23.480 wg. Meldeversäumnissen oder 20.378 wg. verspäteter Arbeit suchend Meldung) Somit hat jeder Vermittler rechnerisch 1,8 Sanktionen ausgesprochen. Betrachtet man das Verhältnis, sollte man sich die Frage stellen, wozu die BA eigentlich tätig ist. Um zu sanktionieren, oder zu vermitteln? Den insgesamt gibt es bei der BA ca. 100.000 Angestellte. Es bleiben 2 zu vermittelnde Stellen für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt pro Mitarbeiter bei der BA!
Dafür werden an anderer Stelle neue Stellen innerhalb der BA mit horrenden Vergütungen geschaffen: www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/bundesagentur-fuer-arbeit-gutduenken-und-geschacher_aid_508308.html
Hier bei Interesse eine aktuelle Auswertung für Brandenburg für das Jahr 2009. 24 750 Sanktionen wurden verhängt – und nur 673 wegen einer Job-Verweigerung. Auch hier wird deutlich, dass die Mitarbeiter hauptsächlich nicht der Vermittlung von Jobs (und somit ihrer eigentlichen Tätigkeit) nachgehen: www.neues-deutschland.de/artikel/170929.hartz-iv-betroffene-wollen-arbeiten.html
Selbst der BA Chef Weise hat bereits 2006 eingestanden: "Unser Hauptproblem ist, dass wir nichts im Angebot haben", sagt Weise. "Nichts" heißt hier: keine Arbeit. "Wir können nur mit äußerster Mühe den Mangel verwalten."
www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/05/11/a0102
Bei Interesse lassen sich weitere Zusammenfassungen in den „Geschichten eines Hartz IV Paria“ unter www.xinxii.com/geschichten-eines-hartz-iv-paria-p-318186.html nachlesen.

RE: Mit Null-Euro-Jobs in die falsche Richtung | 18.04.2010 | 21:24

Rund ein Viertel aller ALG II Bezieher werden nach Aussage von Frau Kraft nie wieder einen Job finden? Allein die Anzahl der ALG I Empfänger übersteigt deutlich die Anzahl der vorhandenen Stellen auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt! Nach aktuellen Zahlen gab es im März 1.294.544 ALG I sowie 5.015.824 erwerbsfähige ALG II Empfänger. Weiterhin 395.00 Nichtleistungsempfänger und 890.000 Kurzarbeiter. Ohne Kurzarbeiter sind somit 6 Millionen 705.368 Menschen auf der Suche nach einer Existenzabsichernden Erwerbstätigkeit. Quelle: statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im März 2010 - Seite 20/51
Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 764.000 freien Stellen angegeben.
Quelle: doku.iab.de/grauepap/2010/os0904.pdf
Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 480.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,7 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen! Von denen wird bereits ein großer Teil in Arbeitsgelegenheiten oder Weiterbildungsmaßnahmen „beschäftigt und therapiert“. (z.B. 1,57 Millionen in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme / 288.700 Personen in einer Arbeitsgelegenheit nach § 16d SGB II auch Ein-Euro-Jobs genannt / 3.600 Personen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Seiten 6/32/33 aktueller Monatsbericht der BA) Für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt standen der BA im März lediglich 288.000 freie Stellen zur Verfügung. Mithilfe eines Taschenrechners erkennt man schnell, wann „Sanktionieren und Disziplinieren“ im 21. technologisierten und automatisierten Jahrhundert für die neu kreierte Unterschicht nicht mehr ausreicht. Anstelle der Realität ins Auge zu sehen und entsprechende Konzepte zu erarbeiten, wird im Zusammenhang mit Arbeitslosen generell die würdevolle Arbeit in Altenheimen oder bei Reinigungsarbeiten genannt. Das die Erfinder von „Hartz IV“ damit die Würde eines Menschen gleichsetzen, zeigt das sie nichts dazugelernt haben. Frau Kraft kann gern einmal den würdevollen Umgang mit ALG II Beziehern durch die Argen/BA bei den „Geschichten eines Hartz IV Paria“ unter www.xinxii.com/geschichten-eines-hartz-iv-paria-p-318186.html nachlesen. Aber vielleicht benötigt sie dazu einen Ein-Euro-Jobber als „würdevollen Vorleser“?