Der Meister des bitteren Humors

Don Hertzfeldt 24 Strichmännchen pro Sekunde - mehr braucht der Schöpfer ironisch-düsterer Zeichentrickwelten nicht. Und es ist doch hohe Kunst.
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Eigenen Angaben zufolge kennt Don Hertzfeldt keine brotlose Kunst. Der 35-jährige Kalifornier behauptet, seit jeher ausschließlich mittels seiner Kunst seinen Lebensunterhalt bestritten zu haben. Dass das nicht immer ein Zuckerschlecken ist, nimmt er in Kauf - immerhin geht es in den Kurzfilmen, die er seit Mitte der 90er Jahre produziert, auch nicht um's Schlaraffenland oder süßen Brei, der aus dem Topf quillt.

Ganz im Gegenteil, wenn etwas fließt oder spritzt, ist es meist Blut. Gedärme dürfen auch mal purzeln. Aber langsam, der Reihe nach!

Zum einen muss man wissen, dass bei Dreharbeiten eines Don Hertzfeldt niemand zu Schaden kommt, außer vielleicht viele, viele Bogen Papier oder der Regisseur selbst, wenn er mal wieder die Nächte durchmacht. Und für sämtliche Stunts sind seine Markenzeichen, die rudimentären Strichmännchen, zuständig. Hertzfeldt macht nämlich Animationsfilme. Auch, wenn er selbst das mal wieder nicht so stehen lassen würde. Ihm geht's um eine gut gemachte Geschichte und sein Medium ist nunmal eben die Zeichnung. Punkt.

In Zeiten von CGI zählt er damit zu den Hardlinern im Gewerbe, doch man täte ihm gewaltiges Unrecht, wenn man seinen Werken lediglich das Label "Old School" anheften wollte. Jemandem, der Filme mit Titeln wie Ah, L'Amour oder The Meaning of Life (letzterer wurde bereits verglichen mit Kubricks 2001) produziert, der führt doch was im Schilde. In Rejected, einer Sammlung vermeintlicher Werbespots beispielsweise, wird nicht nur ordentlich die Konsumgesellschaft angezweifelt, sondern auch der gesunde Menschenverstand, bis die Cartoonwelt krachend auseinanderfliegt. Und was soll dann das Gemetzel? Nun, seinen eigenen Humor hat er auch. Einen bitteren eben. Und der funktioniert gerade dann, wenn's scheinbar nix mehr zu Lachen gibt.

Was der Meister ebenso beherrscht, ist ein feines Gespür für leichte Irritation, Unannehmlichkeiten und die Widrigkeiten des Alltäglichen. Auch und vor allem in Liebesdingen, wo Kommunikation mitunter kläglich leise scheitert, wie der frühe Film Lily and Jim von 1997 beweist:

So ein Talent bleibt natürlich nicht unbemerkt. In mehr als zehn Jahren heimste Hertzfeldt in den USA diverse Festivalpreise ein, erlangte jeweils eine Nominierung für die Filmfestspiele in Cannes und die Oscars und erfreut sich inzwischen einer eingefleischten Fangemeinde rund um den Globus.

Derzeit arbeitet Hertzfeldt übrigens am dritten Teil einer 2006 begonnenen Kurzfilm-Trilogie rund um den Antihelden Bill, dessen Kopf beinahe in einer kleinen Rakete um die Erde gekreist wäre. An dieser Stelle sei aber auf seine Homepage verwiesen.

04:27 29.02.2012
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