Unpolitische Nichtwähler?

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Wenn mich nicht alles täuscht, war dies die erste Bundestagswahl, bei der die "Gruppe" der Nichtwähler zur größten unter den Wahlberechtigten aufstieg - im Verhältnis zu den Ergebnissen der angetretenen Parteien. Wenn die zugegeben zweifelhalften Wanderungsbilanzen der Statistiker nicht völlig falsch sind, waren die relativ meisten davon vorherige Wähler der SPD. Dieser Umstand bietet der Linken trotz des vordergündig guten Ergebnisses wenig Grund zum Jubeln. Die Nichtwähler sind weitgehend identisch mit den Opfern der neoliberalen Zurichtung des Kapitalismus in der jüngeren Vergangenheit, sie glauben mit gutem Grund und aus Erfahrung mit der SPD nicht mehr daran, dass ihre abgegebene Stimme sich durch einen Sachwalter für sie auszahlt.

Was nicht gelungen ist: die Vorwahlzeit zu einer Zeit der politischen und sozialen Auseinandersetzungen zu machen, an denen sich die Opfer des Neoliberalismus auch hätten beteiligen können. Platte Formel vielleicht, aber deshalb wohl doch nicht falsch: viel Wahlwerbung, aber (zu) wenig (Wahl-)Kampf.

11:37 28.09.2009
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Geschrieben von

rama

1953 geboren, Dipl.-Journalist, Redakteur. Aktiver Gewerkschafter, Naturfreund. Was ich an mir selbst am ehesten schätze: noch immer ziemlich neugierig, der Solidarität noch nicht abgeschworen und für das hohe Alter (hoffentlich) noch wenig zynisch.
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