Ramon Schack

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RE: Das Tor weit aufgestoßen | 23.02.2009 | 18:45

Sehr geehrter Herr Herden,

mit Verlaub, Ihr Artikel klingt etwas schwülstig, als wäre Ihnen eine altes Nachrichtenblatt- der Aktuellen Kamera-beim Schreiben in die Hände gefallen.

"Venezuela zeigt, eine Politik gegen Armut, Korruption und chronische Instabilität ist erfolgreich und glaubwürdig, weil sie im Interesse einer Mehrheit stattfindet, die sich dann auch als politische Mehrheit artikuliert, wenn sie – wie bei diesem Referendum – gefragt wird. "

Liefern Sie bitte doch einmal einen Beweis für Ihre kühne These. Diese angeblich erfolgreiche Politik ist bei der rekordverdächtigen Kriminalitätsrate in Venezuela nicht zu erkennen. Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Was ist eigentlich das Interesse einer Mehrheit? So etwas wie das "Gesunde Volksempfinden"?

"Sie kommen von Leuten, die hierzulande den Nachweis ihrer politischen Existenzberechtigung schuldig bleiben: Weil sie außerstande sind oder sein wollen, eine Widerstandsfront gegen eine Regierung zu formieren, die den freigiebigen Konkursverwalter einer Diktatur des Finanzkapitals gibt"

Ich bitte Sie. Man wird doch noch einmal Ihr politisches Idol kritisieren dürfen, ohne gleich die politische Existenzberechtigung zu verlieren,oder?

"Man wünschte sich, Merkel hätte nur einen Hauch der Autorität und Gestaltungskraft eines Hugo Chávez, um die politischen Entscheidungen zu treffen, zu denen sie ihr Amtseid verpflichtet"

An was haben Sie hierbei gedacht? An eine Art Merkelsche Prätorianer-Garde, als "Kampfreserve der Partei"?An Fackelzüge durch das Brandenburger Tor, einen Staatsstreich? Persönlich kann ich auf die politische Methodik des Hugo Chàvez gerne verzichten.

"Die Bolivarische Revolution bezeugt, welche Kraft ein Bewusstseinswandel auszulösen vermag, der nicht nur über die Grenzen des kapitalistischen Systems hinausweist, sondern dieselben sprengt. Möge das dieser Revolution auch künftig die Überlebenskraft verschaffen, die sie braucht."

Also das klingt nur wirklich etwas zu pathetisch, um nicht zu schreiben, Ihre Worte sind von einer gewissen religiösen Heilserwartung getragen..

Vielleicht hoffen Sie auch, dass Chavez, 20 Jahre nach deren Zusammenbruch, die "poststalinistischen Regime" Europas nachträglich legitimiert, um der eigenen Biographie einen tieferen Sinn zu verleihen?

Wenn ja, dann wären die psychologischen Motive für diesen Artikel erkennbar. Eine journalistische Motivation, im besten Sinne dieses Wortes, kann ich in Ihrem Artikel leider nicht erkennen.

MfG
Ramon Schack

www.ramon-schack.de