"Bikini can wait!"

Beach-Body Ein ironisches Selbstgeständnis über das böse Erwachen aus dem Beach-Body- Traum(a), das sich ständig wiederholt. Und jährlich grüßt die Bikinisaison …
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"Bikini can wait!"

Foto: Gianni Ferrari/ AFP/ Getty Images

Laut gängigen Internetseiten und Frauenmagazinen ist die Bikinisaison schon seit Monaten eröffnet – an mir und vielen anderen schwer beschäftigten Frauen geht sie aber gnadenlos vorbei. Neben den Alltagspflichten findet sich kaum Zeit, um sich im Freibad eine sanfte Sommerbräune zuzulegen. An Urlaub war bislang nicht zu denken. Nicht zu reden von dem langen deutschen Winter, der uns bis Mai nicht wirklich verlassen hat!

Der einen oder anderen von uns erscheint das womöglich aber auch als 'Gnadenfrist' in puncto Bikini. Nicht jede fühlte sich schließlich im Alltagsstress berufen, nebenher noch exzessiv an ihrem „Beach- Body“ zu feilen (wobei man dem „Beach“ sowieso meist nur im Urlaub begegnet, wo niemand wirklich daran gedacht hat, diesen Programmpunkt in der täglichen Stressagenda zu berücksichtigen). Seien wir mal ehrlich zu uns selbst – die allermeisten Damen packt doch das (im wahrsten Sinn des Wortes) nackte Grauen, wenn sie nach einem langen Winter, ob mit Winterschlafbäuchlein oder nicht, zum ersten Mal wieder ihren Bikini vom Vorjahr anprobieren. Irgendwie sah das in unseren Wunschträumen anders aus... und sieht es auch auf den Werbeplakaten all derer, die dieses wundervolle, sexy Kleidungsstück anbieten. In unserem Kopf stellen wir uns bunte Farben oder edles Schwarz auf knackig-gebräunter und ultrastraffer Haut vor, doch wenn wir dann den ersten Selbsttest starten, schlägt die Realität mit voller Härte zu. Reality-b**** hardcore! Waren unsere Beine schon immer so blass und käsig, und hatten wir auch letzten Sommer schon dieses abscheuliche, aufdringliche Muttermal am Oberschenkel? Und wenn wir schon bei den Oberschenkeln sind, war das schon immer so eine verdammte Mondlandschaft mit Mini-Kometeneinschlagslöchern? Überhaupt, sollte der Bauchnabel nicht etwas höher sitzen, und schwimmt es sich nicht ohne kleinere und größere Rettungsringe besser, sagen wir, sexier?

Nein, ich schreibe das hier nicht, weil ich mich über all die vielen Opfer der knallharten, fehlerhaften Realität erheben möchte oder mich gar über sie lustig machen, wo kämen wir denn da hin, mich selbst traf dieser Schlag in der Vergangenheit auch oft genug – mitten in die... Magengrube. Denn die eigentliche Frage dahinter ist doch: Können wir uns am Strand oder im Freibad überhaupt so blicken lassen, so dellig und käsig, so sommersprossig, mit Hautrötungen und sichtbaren Adern und einfach so... unperfekt? Oder sollten wir nicht doch mit dem ersten Freibadbesuch oder dem Urlaub warten, bis wir einen oder mehreren der gefühlten Millionen Schritte gegangen sind, zu denen uns Frauen immer alle Medien raten? Mal eben noch mit xy – Diät (Beliebiges hier einsetzen) noch ein paar Kilos purzeln lassen, die trendigsten Workouts für die „perfect shape“ ausprobieren, den letzten Schrei der Anti-Cellulite-Kosmetik bestellen und cremen, bis der Arzt kommt? Schließlich funktioniert das in der Werbung ja auch immer und Starlet xy (auch hier Beliebiges einsetzen) schwört seit Jahren darauf, um ihre Linie zu halten.... Aber SO im Freibad liegen und dabei wahrscheinlich noch mit gutem Gewissen ein Eis mit Schokoüberzug genießen, wenn noch alle dabei zugucken und einen vielleicht dabei noch weniger sexy finden?

Ach, wie gut, dass Freibad und Urlaub auf sich warten lassen... denkt sich dann wahrscheinlich manche und stellt noch einen Diät- und Workout-Plan auf, die dem Drill der Army gleichkommen... Aber wozu eigentlich? Hier müsste die Selbstachtung einmal laut „STOPP“ brüllen. Denn wozu sind Freibad und weiße Strände im Urlaub denn da? Bingo, Relaxen. Nicht, um von irgendwelchen Fremden angeglotzt und bewertet zu werden... die sollen sich doch bitte schön an ihre eigene krumme Nase oder ihren sorgfältig angezüchteten Bierbauch fassen, bevor sie auch nur die Lippen zu einem dummen Spruch über die natürlichen Eigenschaften eines Frauenkörpers formen. Der hat nämlich auch durchaus wichtigere Aufgaben, als Männerfantasien mit Leben zu füllen und in einem sowieso allzu knappen Zweiteiler makellos auszusehen. Der Sprung ins kalte (Freibad-)Wasser lohnt sich, denn dort treffen wir mit Sicherheit Menschen, die genauso sind wie wir – mit allen Zweifeln und 'Schönheitsfehlern'. Originale eben, die man nicht kopieren kann.

Hoffen wir also, dass die Urlaubssaison doch noch beginnt. „Bikini can wait“ - und, meine Güte, wenn ich eben keine Lust dazu habe, mich pornomäßig halbnackt auf dem Präsentierteller zu räkeln und die Blicke auf wunde Punkte des Körpers zu lenken, nehm ich halt den Tankini- oder den Badeanzug!

Katherina Ibeling

Dieser Text ist keinesfalls streng wissenschaftlich gemeint und dient allein der Satire und Unterhaltung. Da dies meine erste Veröffentlichung hier ist, bitte ich um milde Kritik- vielen Dank im Voraus :)

21:36 18.07.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

rebelcat86

- Master of Desaster ...äh Arts in Komparatistik - Kind der "Generation Praktikum" - Ironie on!
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