Phantome der Jobbörse

Scheinvakanzen Oft können Bewerber den Konkurrenzkampf um eine ausgeschriebene Vakanz gar nicht gewinnen. Einfach, weil die Stelle nicht existiert. Ergebnisse einer Internetrecherche
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Phantome der Jobbörse

Foto: Joe Raedle/ AFP/ Getty Images

Es gibt Stellen, die gibt es gar nicht. Seit einer Weile scheint es einen Trend zu geben, demzufolge Stellen auch nach mehreren 100 eingegangenen Bewerbungen (und vermutlich einer Masse von Absagen) erneut ausgeschrieben werden. Laut Internetforen und themenbezogenen Online-Artikeln gibt es mehrere mögliche Gründe, die Unternehmen dazu bringen, Vakanzen mehrmals „auf den (Arbeits-) Markt zu werfen“.

Die Unternehmen haben wirklich nicht „den Mann“ oder „die Frau“ für den Job gefunden.

So unwahrscheinlich das aus statistischer Sicht klingt, kommt das tatsächlich noch vor. Oft lässt es sich auch damit erklären, dass Firmen im Zuge zunehmender Rationalisierung Mitarbeiter bevorzugen, die alles sehr gut und nichts nicht können. Das Toyota-Motto hat offenbar längst auch den Arbeitsmarkt erreicht: Nichts ist unmöglich. So zumindest die Utopie manches Arbeitgebers, der in einem Heuhaufen spezialisierter Kandidaten nach der Alleskönner-Stecknadel sucht. So auch nach dem idealen Volontär, der genaugenommen schon alle Fähigkeiten mitbringen soll, die er ordnungsgemäß erlernen und vertiefen müsste.

Was wird also gesucht? Voll verantwortliche Mitarbeiter, um nicht manchmal zu sagen, angehende Führungskräfte mit Azubistatus und natürlich einem verringerten Ausbildungsgehalt. Dieser Umstand ist denen, die in die Medienbranche wollen, bereits hinreichend bekannt. Wichtig ist nur: Manche Betriebe stellen Inserate ein zweites oder drittes Mal ein, weil sie keinen passenden Deckel für ihren Topf gefunden haben und deswegen ansonsten in Teufelsküche kommen. De facto liegt es aber mindestens zur Hälfte auch an den Personalverantwortlichen, die anstatt eines gut ausgebildeten, realistisch bewanderten Mitarbeiters die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“ wollen- und sonst niemanden.

Es handelt sich um eine sogenannte „Phantom-Ausschreibung“.

Es wäre zu scharfzüngig, diese Art von Anzeige sofort als billige Replik abzutun. Immerhin klingen sogenannte „Phantom-Ausschreibungen“ sogar oft sehr realistisch und ansprechend. Der einzige Haken: Es macht nichts, ob die eingereichten Bewerbungsunterlagen so perfekt wie möglich gestaltet wurden, ob der Fokus im Anschreiben exakt korrekt gewichtet ist oder wie viele Bewerber um einen Platz konkurrieren – die bittere Wahrheit ist, dass keiner den Job wirklich bekommen kann.

Abgesehen davon, dass mancher Arbeitgeber nur die brandaktuellen iPhones will, wenn selbst der talentierteste Bewerber eher den Status eines weniger angesagten Smartphones einnimmt, gibt es genügend Gründe, keinen einzigen Kandidaten als geeignet einzustufen. Hier eine kurze Übersicht der Optionen, die ich im World Wide Web finden konnte.

Es gab Missverständnisse innerhalb der Personalabteilung oder zwischen Abteilungen einer Firma. Das ist noch die akzeptabelste Variante, da noch die menschlichste. So kann es sein, dass Abteilung A einmal oder mehrmals inseriert, weil Abteilung B und C nicht rechtzeitig mitgeteilt haben, dass schon intern Anwärter zur Verfügung stehen.

Es stand schon intern ein Anwärter fest oder die Stelle wurde exakt für einen existierenden Kandidaten geschaffen. Trotzdem besteht eine Verpflichtung zum offenen Wettbewerb. Was nun, sprach der Personalchef, und gab kurzerhand vor, es gäbe eine Vakanz, die dringend besetzt werden müsse. Seltsam nur, dass dann trotz hoher Bewerberanzahl die Eile dann doch vielleicht nicht so extrem groß ist…

Die Personaler wollen Daten möglicher zukünftiger Arbeitskräfte erhalten, um bei Bedarf darauf zurückzugreifen. An sich ist das nicht die schlechteste Option, allerdings von Arbeitnehmerseite nicht unbedingt die profitabelste, wenn es doch noch einmal zu einem Zweitkontakt kommt. Möglicherweise wird nämlich auch ausgelotet, wie tief Bewerber bei der Entlohnung von sich aus sinken können.

Das Unternehmen braucht einfach die Werbung. Welche bessere Werbung könnte es schon geben, als das Signal, tolle Jobs für exzellente Bewerber stets verfügbar zu haben? Allerdings muss man sich als Arbeitnehmer im Suchmodus bei dieser Art von Firmenbewerbung auch nicht wundern, wenn die Reaktionen der anderen Seite gleich Null sind oder man einer Massenabfertigung von Absagen aufsitzt.

Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen werden häufig einfach erneut eingestellt, weil es technische Bugs in der Webseitenprogrammierung gab. Der Fehlerteufel macht eben auch vor der zuverlässigsten Stellenbörse nicht halt.

Wie kann man sich als Bewerber davor schützen, noch lange vergeblich auf eine Zusage zu hoffen? Vermutlich leider gar nicht. Es lohnt sich aber, immer mal wieder einen Blick in die Jobbörse zu schauen, ob die ausgewählten Unternehmen noch eine laufende Bewerbungsfrist haben, diese schon abgelaufen ist oder ob sie gar schon zum zweiten oder dritten Mal den gleichen Posten eingestellt haben. Jedenfalls kann man sich sicher sein, dass eine Absage oder absolut freche Ignoranz seitens der Personaler nicht zwingend mit der eigenen Bewerbung zu tun haben.

Anna Katherina Ibeling

17:39 25.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

rebelcat86

- Master of Desaster ...äh Arts in Komparatistik - Kind der "Generation Praktikum" - Ironie on!
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 5

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community