Terrence Malick, Chauffeur Martin Heideggers?

Terrence Malick In einem FAZ-Artikel behauptet Thilo Komma-Pöllath, dass Terrence Malick der Chauffeur Martin Heideggers gewesen sei.
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Den 1. März 1970 soll ein weißer Ford Mustang an der Universität Heidelberg, die mitnichten die älteste deutsche Universität ist, das ist vielmehr die Prager Universität, vorgefahren sein. In dem Wagen sollen der Philosoph Martin Heidegger, der in diesem vorgerückten Alter keinen „trachtartigen Anzug“ mehr trägt, und Terrence Malick, ein 1943 geborener US-amerikanischer Filmregisseur, der anfangs Philosophie an der Harvard University (1965 Undergraduate Bachelor’s thesis bei Stanley Cavell „The concept of horizon in Husserl and Heidegger“) zu studieren begann, sodann an die Oxford University wechselte, an der er bei Gilbert Ryle studierte, sitzen. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit Ryle musste Malick seine Dissertation über Heideggers Philosophie (The concept of world in Heidegger, das mit Gilbert Ryles »The concept of mind« aus dem Jahr 1949 kollidierte) abbrechen. Er gab nach seinem Studienabbruch noch das Buch »The essence of reasons« (A bilingual edition, incorporating the German text of Vom Wesen des Grundes. With a translator’s preface. Northwestern University studies in phenomenology and existential philosophy. Evanston Illinois 1969. XVIII, 114 p.) heraus, dann widmete er sich wieder dem Filmemachen. Cavell erinnert sich mehr als zehn Jahre später in seinem Buch »The world viewed« (Reflections on the ontology of film. Enlarged ed. Harvard film studies. Cambridge Massachusetts 1979. XXVI, 254 p.) an seinen begabten Studenten.

Heidegger, wie der damalige 1947 in Palermo geborene Heidelberger Jurastudent Leoluca Orlando in seinem letztes Jahr erschienenen Buch »Il tempo dell’ elefante« geschrieben haben soll, soll an diesem besagten 1. März 1970 von Terrence Malick nach Heidelberg chauffiert worden sein, an dessen Universität sein ältester Schüler Hans-Georg Gadamer seine Abschiedsvorlesung gehalten haben soll, die er in Wirklichkeit ein Jahr zuvor hielt. „Als Martin Heidegger 1969 anlässlich der Abschiedsvorlesung von Hans-Georg Gadamer Heidelberg besuchte“, schreibt der 1947 geborene Politologe Hans Günter Brauch in seinem Nachruf über Jacob Frederik Martinus Arends, der in den späten neunziger Jahren eine bedeutende Studie über Platons »Politeia« (Die Einheit der Polis. Eine Studie über Platons ‚Staat‘. Leiden 1988. XXIV, 482 S.) erscheinen ließ. „Als Heidegger 1969 zu Gadamers Abschiedsvorlesung nach Heidelberg kommt“, schreibt Henning Ritter in seiner in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« erschienenen Rezension über das Buch Jean Grondins »Hans-Georg Gadamer« (Eine Biographie. Tübingen 1999. XII, 438 S.).

Dass Terrence Malick in gar keiner Weise, wie Leoluca Orlando behauptete, jemals der Chauffeur Martin Heideggers gewesen sein kann, belegen 1. Martin Woessner in seinem Aufsatz „What is Heideggerian cinema?“ (Film, philosophy, and cultural mobility. In: New German critique. An interdisciplinary journal of German studies. Ed. Joshua Derman. Vol. 38. Durham North Carolina 2011. No. 2. pp. 129–157), 2. Natasha Hay: Cosmic mourning. The birth of transcendence in Terrence Malick’s Tree of life. In: Trans. Revue de littérature générale et comparée. Numéro 18: La référence. 2014 und 3. A critical companion to Terrence Malick. Ed. by Joshua Sikora. Critical companions to contemporary directors. Lanham Maryland 2020. Part one: A path of philosophy. pp. 3–60.

17:32 11.03.2021
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Geschrieben von

Das Katechon

Wer meint, Carl Schmitt sei tot, irrt. Eben sah ich ihn in einer Dortmunder Trinkhalle stehen und eine Bouteille Château Lafite-Rothschild trinken.
Das Katechon

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