Sexualpolitische Männeranliegen

Schweizer Jungs Gestern sorgte der erste Männerbeauftragte für Schlagzeilen. Grund: ein Positionspapier vom Oktober, das als Forderung nach mehr Pornos im Klassenzimmer verstanden wurde
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In der aktuellen EMMA wird dem ersten Schweizer Männerbeauftragten Markus Theunert eine Plattform geboten um sich als moderner, der Gleichberechtigung verpflichteter Mann darzustellen, und nun – gerade mal 2 Wochen nach Aufnahme seiner Tätigkeit – bricht auch schon der erste Skandal über ihn herein.

Die Vorschläge, die Theunert in seiner Erstfunktion als Männer.ch-Präsident zur Diskussion stellte, begründete er 20 Minuten Online gegenüber folgendermaßen:

Markus Theunert*, gehört die Legalisierung von Fäkalpornos tatsächlich zu den dringendsten Anliegen der Schweizer Männer?
Das sind erst Grundsatzüberlegungen. Ob und was politisch verfolgt werden soll, diskutieren wir im September. Uns geht es darum, fachlich fundierte Sexualpolitik zu machen, die sich nicht durch Moral, sondern durch Schutzinteressen definiert.
...

Das Zeigen von Pornofilmen an Schulen ist eine weitere Forderung. Was soll dies bringen?
Es geht um die Begleitung durch Eltern und Fachleute. Ein Grossteil der Jugendlichen hat Pornoerfahrung. Wir ­sollten sie damit nicht allein ­lassen.

In der Richtigstellung der (online nicht gefundenen) NZZ- bzw. der (oben verlinkten) 20 Minuten-Meldung wird noch einmal präzisiert:

männer.ch fordert, im Rahmen der vorliegenden StGB-Revision den Art. 197 StGB dahingehend zu lockern (oder die Auslegung des geltenden Rechts ggf. dahingehend zu klären), dass Eltern und geschulte Fachleute sich nicht strafbar machen, wenn sie mit klarem pädagogischem Ziel innerhalb eines sorgfältig gewählten und klar definierten Settings pornografische Darbietungen unter 16-Jährigen zugänglich machen. Dabei muss in jedem Fall das Selbstbestimmungsrecht der Kinder und Jugendlichen gewahrt werden, so dass sie nicht wider ihren Willen mit pornografischem Material konfrontiert werden.»

Wir weisen damit in erster Linie auf einen Widerspruch zwischen Gesetz und Realität hin: Die Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz hat schon Pornografie angeschaut, zum grössten Teil im Internet. Gleichzeitig ist es aufgrund des geltenden Art. 197 StGB generell verboten, unter 16-Jährigen pornografische Erzeugnisse zu zeigen, anzubieten oder zugänglich zu machen. Dies gilt auch für die Inhaber der elterlichen Obhut. Trotz repressiv geprägtem Jugendschutz konsumieren Jugendliche also Pornografie. Aber wegen des repressiven Jugendschutzes ist es auch den Eltern verunmöglicht, die unter 16-jährigen Jugendlichen in verantwortungsvoller Weise beim Erkunden dieses Terrains zu begleiten. Hier braucht es aus Sicht von männer.ch eine Anpassung der Gesetzgebung an die sich wandelnden Verhältnisse und die technologie-bedingt immer leichtere Verfügbarkeit von pornographischen Erzeugnissen. Jugendliche sollten mit diesen Erfahrungen nicht allein gelassen, sondern begleitet und in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden, auch und gerade Jugendliche aus eher bildungsferneren Milieus. Deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur die Eltern vom Verbot des Zugänglichmachens von Pornografie auszunehmen, sondern auch geschulten Fachpersonen (Sexualpädagogen) zu ermöglichen, das Thema im Rahmen spezieller Unterrichtseinheiten alters- und geschlechtergerecht zu behandeln.

Zuletzt muss unterstrichen werden, dass die sexualpolitischen Positionen von Männer.ch nichts mit dem Engagement des Männer.ch-Präsidenten als Männerbeauftragter des Kantons Zürich (Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann) zu tun haben. Diese Fragen sind weder Teil des Aufgabengebiets des Männerbeauftragten noch der Fachstelle für Gleichstellung.


Halten wir fest:

Es handelt sich hierbei also um das private Engagement als Vereinspräsident, dem die schädliche Prüderie seines Landes sauer aufstösst.

Dieses richtet sich allerdings nicht - wie frau erwarten könnte - gegen das geplante Verbot von Minderjährigenprostitution, die in der Schweiz (europaweit einzigartig) legal ist, ja, nicht einmal gegen die in diesen Fällen angedachte Freierbestrafung per se .

Wenn man einer aktuellen Leser-Umfrage der Basler Zeitung Glauben schenkt, ist der Veränderungswille Theunerts da größer als der der Mehrheit.

Wichtig ist männer.ch allerdings der Schutz der Freier Minderjähriger Prostituierter, denn:

Die Verurteilung wegen unerlaubter Handlungen mit Minderjährigen ruiniert Familien und Existenzen. Der Gesetzgeber hat hier eine besondere Sorgfaltspflicht. Deshalb schlagen wir vor, auf Gesetzesstufe das Vorliegen eines Vorsatzes zu verlangen.


Bezogen auf den "Schulstoff Porno" sei Herrn Theunert und seinen Kumpanen an dieser Stelle ein Kontakt mit dem Autor Christoph Pahl empfohlen. Der spricht nämlich bereits mit Schülern und Eltern über Pornographie (und ihre Auswirkungen).

Ob den “Männerrechtlern” die Stoßrichtung dieser unbebilderten Aufklärung jedoch gefällt?

12:25 16.07.2012
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Geschrieben von

redfox

Krieg oder Feminismus?
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