"Sommer der Männerbewegung" startet mit Verschwörungstheorie

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Abberufung von Monika Ebeling (geschiedene Dittmer) am 17. Mai von ihrem Posten als Gleichstellungsbeauftragte in Goslar fand ein breites Medien-Echo. Überwiegender Tenor des Mainstreams: hier sei eine "Männerversteherin" von "Alt-Feministinnen" grundlos "geschlachtet" worden.

Die dem Antrag und der darauffolgenden Abwahl zugrunde liegende Kritik wird allgemein eher unspezifisch dargestellt. Zu wenig Engagement für Frauen und mangelnde Teamfähigkeit, bzw. zu viel ideologische Polemik im Kampf gegen Männer-Benachteiligung wurde der KITA-Leiterin vorgeworfen. Konkret schien es vorrangig um Punkte wie die Verlinkung der offiziellen Seite mit dem "Väternotruf" (und dortigen, inzwischen gelöschten Passagen), die Weigerung mit dem "Bundesforum Männer" zusammenzuarbeiten oder die Nicht-Unterstützung einer Ausstellung und einer Brötchen-Tüten-Aktionen gegen häusliche Gewalt zu gehen.

Die eigentliche Provinzposse, die von Arne Hoffmann seit geraumer Zeit als "Schlacht um Goslar" getaggt wurde (inzwischen zum "Schlachtfest" gesteigert), kommt wie gerufen für die Veranstalter des zweiten internationalen Antifeministen-Treffen in der Schweiz (zu dem natürlich auch Frau Ebeling wieder anreisen will). Scheint es doch so, als ob der Begriff "Gleichstellungsbeauftragte" sich als Etikettenschwindel erwiesen hätte und eigentlich doch nur "Frauenbeauftragte" gemeint sei.

Frau Ebeling verkündete wiederholt, sie würde ihre Kräfte insgesamt gleichmäßig auf die Geschlechter verteilen, und nachdem es mir unmöglich ist, die tatsächliche Ausgewogenheit ihrer praktischen Arbeit als Halbtags-Gleichstellungsbeauftragte irgendwie zu beurteilen, möchte ich - aus meiner Sicht - inhaltlich-problematische Stellen einzelner Wortbeiträge zum besseren Verständnis der etwaigen Hintergründe für den Widerstand gegen ihre Sicht- und Arbeitsweise anführen.

Einzig die Süddeutsche erwähnte die Tretmine, mit der Frau Ebeling sich vor dem Stadtrat u.a. gegen die Amtsaberkennung verteidigte (die gesamte Rede hier) :

"Da ist der Vater, der Zweifel an seiner biologischen Vaterschaft hat. Er braucht aber für den notwendigen DNA-Test die Zustimmung der Mutter oder einen richterlichen Beschluss. Jeden Hundehaufen kann man problemloser seinem Erzeuger zuordnen."

Abgesehen vom sachlich-falschen & auf Skandal angelegten Vergleich ist fraglich, was genau Frau Ebeling an der Stelle verändert sehen will. Zweifelnde Väter haben, wie sie richtigerweise sagt, inzwischen die Möglichkeit mit gerichtlicher Hilfe auch gegen den Wunsch der Mutter einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen. Verboten bleibt der DNS-Klau von Mutter und Kind bzw. die Verwertbarkeit eines heimlich im Ausland durchgeführten Gentests vor deutschen Gerichten. Das ist u.a. deshalb richtig so, weil bei diesen Tests (die faktisch weiterhin für knappe 200 Euro in Auftrag gegeben werden) nicht garantiert ist, dass die eingereichten Proben auch tatsächlich von den angegebenen Personen stammen.

Mit solchen Feinheiten beschäftigt sich Frau Ebeling bisher scheinbar nicht, ihre Marschrichtung bleibt hier und an anderen Stellen diffus. Aber schön, dass wir mal drüber geredet haben...

In einem Blog-Beitrag versucht sie sich als Märchen-Tante (zum besseren Verständnis empfehle ich der Verlinkung zu folgen und den gesamten Text zu lesen):

"In diesem Märchen wird eine männliche Jungfrau des sexuellem Mißbrauchs eines entjungfernten weiblichen Kindes bezichtigt. Ein junger Mann kann ungestraft einvernehmlich Sex mit einem „Kind“ haben, während ein fast gleichaltriger in die Zange genommen wird, wenn SIE ihre Meinung, vielleicht sogar im Nachhinhein oder ohne Vorankündigung ändert?"

Grotesk, wenn Frau Ebeling nicht der Ansicht sein sollte, dass es (auch) einer männlichen, gleichaltrigen Jungfrau möglich ist gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht eines bereits entjungferten Mädchens zu verstossen (zur Klarstellung: ein einmaliger Griff in die Seiten ist imho natürlich nicht strafwürdig), aber auch wenn die Annäherung zwischen zwei Menschen schon mal weiter war, darf SIE ihre Meinung auch ohne Vorankündigung ändern. Und wenn SIE das deutlich kundtut - so wie im Beispiel – ist es prinzipiell auch nicht zu viel verlangt IHM zuzumuten, SIE (je nach Schwere des Angriffs) um Entschuldigung zu bitten.

Selbstredend ist der - ob der Dramatik des Märchens nachfolgende - gewalttätige Angriff durch ihren Freund mindestens genauso schlimm wie ein angetatscht-werden wider Willen. Aber liegt die brutale Reaktion des wesentlich älteren Freundes wirklich in IHREM Verantwortungsbereich? SIE war doch immerhin auch erst 13 - also jünger als der übergriffige, angegriffene Junge!

"Was sagen eigentlich die Eltern dieses weiblichen Kindes dazu, dass ihre Tochter raucht, einen „festen“ Freund hat und Geschlechtsverkehr?"

Wenn das nicht nach Prüderie klingt...

Was sollten ihre Eltern denn machen, Frau Ebeling?

Und was sollten die Eltern des männlichen Kindes machen, wenn der Vorwurf laut wird, er erkenne und/oder wahre die Grenzen seines (in dem Fall) weiblichen Gegenübers nicht ausreichend?

Und glauben Sie mal nicht, es sei selten, dass Mädels in DEM Alter an/in Brust, Hintern und Scham - von Gleichaltrigen und Älteren – gekniffen & betatscht werden.

Wo genau hab ich ihre Empathie DAFÜR überlesen?

Was außer einem konstruierten Märchen haben sie denn tatsächlich zur Debatte um sexuelle Gewalt beizutragen?

Und wie ist das mit dem Kapitel häusliche Gewalt?

Voll auf Anti-feministischer Linie behauptet Frau Ebeling, dass Frauen diese Art von Gewalt im selben Masse anwenden.“

Es ist müßig darauf hinweisen zu müssen, dass beispielsweise Polizeistatistiken diesen Schluß (aktuell noch nicht) zulassen. Die Einschätzung der (möglichen) Folgen einer Tat müssen eine Rolle bei der Bewertung spielen & eine gewalttätige Frau ist nicht „unnatürlicher“, problematischer und therapiebedürftiger als ein gewalttätiger Mann.

Frau Ebeling argumentiert auch gegen die Frauenquote, unterstützt die Idee, die mehr als 300 Frauenhäuser abzuschaffen und hat die Logik hinter dem Satz aus dem Grundsatzprogramm ihrer Partei: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ offenbar nicht verstanden.

So aufgezählt klingt das in der Tat recht einseitig und wird ihr wohl auch nicht gerecht. Irgendwelche echten Fehler habe sie nicht gemacht, urteilten manche gar.

Sie hätte ihren Posten vermutlich lieber behalten, der im Anschluss an die Abwahl direkt von einer Halbtagsstelle umgewandelt wurde in ein Ehrenamt. Nun allerdings kann sie zur “Märtyrerin” hochstilisiert werden.

Die Anti-Feministen können sich demnach uneingeschränkt freuen: die Pfründe schwinden & sie bekommen massig PR - Dank Frauen, die gegen Frauen in die Schlacht ziehen und für (vermeintliche) Männerrechte ihren Kopf riskieren...

Frage ans Publikum: Gibt es hier eigentlich bekennende Anhänger einer Theorie der "feministischen Verschwörung"?

13:03 26.05.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

redfox

Krieg oder Feminismus?
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