RE: Das Mütterliche ist die soziale Grundform | 16.06.2021 | 23:16

Dieses ganze Gerede davon, was "die Gesellschaft" von Müttern angeblich will oder verlangt (es wäre interessant, mal genau zu schauen, wer mit "Gesellschaft" eigentlich gemeint ist: andere Mütter? die Leute in den kommunalen Entscheidungsgremien, die meinen, auch KiGa-Schließungszeiten von 16 Uhr seien "total normal"?), geht mir ein bisschen auf die Nerven. Es fehlt in diesem Artikel ein Bezug auf die Formen der Liebe zwischen Müttern und Kindern und Vätern und Kindern nach Erich Fromm und der Aspekt, dass "das Kind ein Teil der Mutter ist". Dieses Bewusstsein habe ich erst durch die Mutter meiner Kinder erfahren: Das Kind ist ein Teil der Mutter. Das muss man sich als Mann erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Dieser nicht wegzudiskutierende Aspekt fehlt im Text völlig. Was willst Du daran ändern? Woher kommt das Bild vom (neo)liberalen "freien Individuum"? Was hat das mit der Mutter-Kind-Beziehung zu tun?Wer findet das wichtig? Warum sollte eine liebende Mutter sich darüber Gedanken machen? Welches Problem hat sie mit den Meinungen von Leuten, die keine Ahnung vom Muttersein haben? Seit Neuestem ist mir klar, dass die Liebe zwischen Mutter und Kind auch ein Ersatz für die fehlende Liebe zwischen Vater und Mutter sein kann. Erziehung hin oder her: selbst Charakterzüge werden genetisch vererbt (der Vater kann sich so früh verabschieden wie er will, das Kind kriegt ihn nie ganz los). Was mir durch das Buch "Glückliche Scheidungskinder" klar wurde, ist, wie tief die Idee bzw. das Ideal der kleinbürgerlichen Familie in unseren Köpfen verankert ist, obwohl es erst ca. 200 Jahre alt ist. Mütter, die sich aus "Liebe zu ihren Kindern" opfern und jahr(zehnt)elang in einer toxischen Beziehung bleiben. Unglaublich. Sie missbrauchen ihre Kinder emotional, weil sie es als Erwachsene nicht vernünftig hinkriegen. Naja, das nur so nebenbei. Jetzt halte ich mich zurück.

RE: Dein Kind, mein Geld | 29.04.2021 | 21:36

Als ich Ihre Nachricht gelesen habe, war ich betroffen. Es tut mir sehr leid, was Ihnen passiert ist.

RE: Dein Kind, mein Geld | 29.04.2021 | 21:34

Schreibe ich doch noch was? "Schadstofffrei" ist ein schlechtes Gegenbeispiel, oder? Total tendenziös. "Glutenfrei", "wertfrei": es kommt halt auch drauf an, wovon frei. Von Kindern frei sein ist was anderes als von Schadstoffen frei sein. So leicht lasse ich mich von Ihnen nicht abspeisen. Und darüber hinaus können Sie mich mit Ihren Regeln mal. Ich bin doch nicht von 1984. Dennoch: Sie haben recht.

RE: Dein Kind, mein Geld | 23.04.2021 | 11:39

Im Blog der Biologin Meike Stoverock plädieren die Betroffenen für das Wort "kinderfrei", denn im Wort "kinderlos" stecke bereits der "Mangel" und seine negative Bewertung durch einen großen Teil unserer Gesellschaft. Die kinderfreien Frauen erfahren diese Art verbaler Demütigung anscheinend vor allem aus anderem Frauenmund (ich wollte jetzt nicht schreiben: Muttermund), berichten sie zumindest aus persönlicher Erfahrung. Ich habe mich zwischendurch beim Lesen mal gefragt, was eigentlich mit Menschen im Rentenalter ist, die zwar ein Kind großgezogen haben, das dann aber mit 20 oder 30 aufgrund verschiedenster unglücklicher Umstände gestorben ist? Kommt dann zu dieser lebenslangen Trauer auch noch dieser Zusatzbeitrag dazu?

RE: Greif zur Flasche, Frau | 09.04.2021 | 22:32

Praktischer? Ja, für den Vater schon. Aber nicht für die berufstätige Mutter, wenn die (zweijährigen) Kinder nachts alle paar Stunden gestillt werden wollen. Ich kenne eine Mutter, die macht sich damit das Leben viel schwerer, als es sein müsste. Unser zweiter Junge wurde von Anfang an mit der Flasche ernährt, der erste ab dem vierten Monat. Was war das toll! Es ging allen gut! Keiner hatte Hunger, keiner hatte Schmerzen und zum Arzt gehen wir ziemlich selten. Und die Mutter-Kind-Beziehung ist wenigstens kein Ersatz für die möglicherweise fehlende Liebe von seiten des Partners. Einziges Gegenargument: Bisphenol A in den Saugern (müsste aber seit ein paar Jahren verboten sein), das möglicherweise zu Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation führt.

RE: Mehr Gleichheit statt Yoga | 12.03.2021 | 18:00

@ Saloonleft

Ich verbitte mir die Behauptung, dass Kinder "Leidtragende" sind, wenn sie angeblich "zwangsbetreut" werden. Unsere Kinder sind mit 1 1/2 bzw. 1 Jahr in die Kindergrippe gekommen, weil beide Eltern nahezu voll arbeiten, und es geht ihnen gut und den unverheirateten Eltern auch. Das hat unsere Nachbarin inzwischen auch eingesehen, die jahrzehntelang glaubte, dass eine außerhäusliche Betreuung für Unterdreijährige nicht gut sei. Es kommt tendenziell wohl eher auf die Qualität der Betreuung an: die kann zu Hause gut oder schlecht sein, die kann auch in der Kinderkrippe gut oder schlecht sein.

Bei den "Elternzeitmonaten" habe ich auch immer ein statistisches Problem, das viele Journalisten nicht benennen: erfasst werden lediglich die bezahlten Elternzeitmonate, wobei viele Väter eben wirklich nur die zwei bezahlt bekommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nur zwei genommen hätten. Ich kenne mehrere Väter, die mehr Monate Elternzeit genommen haben, aber nur zwei finanziert wurden. Das können sich allerdings nicht wirklich viele Familien leisten.

Überraschendes Ergebnis der Untersuchungen des Soziologen Martin Schröder (Daten aus Dänemark und USA): "So sind Frauen unglücklicher, wenn ihr Partner die meiste Hausarbeit macht." In: Gehirn & Geist Nr. 04/2021, S. 14. und weiter auf S.18f.: "Überholen Frauen ihre Partner in puncto Gehalt . . . greifen Frauen häufiger zu Mitteln gegen Ängste und Schlafprobleme. [...] Sobald Frauen mehr als ihre Partner verdienen, fangen sie an, zusätzlich Hausarbeit zu machen; gleichzeitig sind beide mit ihrer Partnerschaft unzufriendener . . ." Die Rollenbilder und Normen scheinen tiefer in uns verankert zu sein, als wir glauben.

Die Mutter meiner Kinder musste lernen, die Verantwortung für die Kinder ohne schlechtes Gewissen an mich abzugeben. Hat ein paar Monate gedauert. Jetzt kontrolliert sie mich immer noch, nicht nur, wenn ich koche. Dabei bin ich doch ein "good enough father". Wir lesen angeblich zu viel "Winnetou" (zu viele Tote), schlafen morgens zu lang, die Bettwäsche ist zu dreckig, kommen zu dreckig von draußen rein. Können Mütter auch was von Vätern lernen oder ist das gar nicht nötig, wenn beide ihren Elternjob einigermaßen gut machen?

RE: Die Schwäche des Systems ist älter als Corona | 25.02.2021 | 14:17

Liebe Frau Hobrack,

wenn ich auch einen Kommentar wagen darf: Sie vermengen in ihrem kurzen Beitrag gefühlt tausend Aspekte von Schulbildung. "Studierunfähig" und "ausbildungsunfähig" sind Kompetenzstufen. Alle Welt meckert über die Kompetenzorientierung, aber im Prinzip wollen wir doch dahin, dass Schulabgänger etwas können. Jeder so viel und so gut wie möglich. Schon seit langem, selbst lange vor diesem schulpolitischen Paradigmenwechsel.

Sie sprechen von Lernmaterial. Da gibt es (sehr) gutes, aber auch schlechtes. Die Auswahl treffen die Schulen/Fachkonferenzen. Manchmal entscheidet man sich falsch.

Das dreigliedrige Schulsystem selbst scheint nicht die Ursache für fehlende Kompetenzen bei Schulabgängern zu sein. Die meisten Untersuchungen deuten daraufhin, dass die Lehrkraft der entscheidende Faktor für lernwirksamen Unterricht ist. D.h. wir würden (sehr) schlechten Unterricht auch in einem eingliedrigen Schulsystem haben. Es gibt tollen, variablen, sehr lernwirksamen Frontalunterricht, der richtig Spaß macht, und es gibt sehr schlechten Frontalunterricht. Genauso wie alle anderen Sozialformen Vor- und Nachteile haben.

Sowohl viele Lehrer*innen als auch viele Schüler*innen verstehen ihr Tun in und für die Schule als "Job". Viele tun das, was nötig ist, nicht unbedingt mehr. Der Beamtenstatus verleitet viele junge Menschen dazu, Lehrer*in werden zu wollen, obwohl sie dafür weder geeignet noch motiviert sind. Also sollte man ihn abschaffen.

Noten und Lehrpläne sind gesetzliche Vorgaben, daran können Lehrer*innen selbst nur wenig drehen. Ihr jeweiliger Umgang damit ist etwas anderes. Es gibt viel zu wenige Fort- und Weiterbildungen für Lehrer*innen, zu denen sie darüber hinaus auch nicht, zumindest hier in NRW, verpflichtet sind. Eine politische Vorgabe könnte sein, dass jede Lehrkraft mehrere Fortbildungsveranstaltungen pro Jahr besuchen muss. Und zwar gute und lernwirksame Fortbildungen. Unterricht müsste regelmäßig evaluiert werden, damit man ihn verbessern kann. Auch das kann man politisch vorgeben.

Das meiste Geld sollte in die Kindergärten und Grundschulen fließen. Wenn möglichst alle Kinder dort optimal gefördert würden, besonders im Bereich Sprache, dann wäre schon viel gewonnen. Wenn Sie mal in eine Grundschule in der Uckermark schauen, in der 25 Schüler unterschiedlichster Voraussetzungen und kognitiver Fähigkeiten zusammensitzen inkl. einem Schüler mit besonderem Förderbedarf, der Lehrer aber selbst in der Pausenaufsicht nicht mal eine Minute Ruhe hat, weil ihm die Kinder am Rockzipfel hängen, dann kann man verstehen, wie extrem schwierig das Unterrichten in Grundschulklassen ist und dort leider zahlreiche Schüler nicht ausreichend alphabetisiert werden, womit ihnen auch jede Möglichkeit auf weiteres erfolgreiches Lernen verwehrt wird. Sie haben nicht die kleinsten Schulerfolge, außer vielleicht beim Fußballspielen.

Sie sprechen den Umgang mit Fehlern an (misslungene Experimente). Dieser Umgang mit Misserfolg oder Fehlern ändert sich nicht zwangsläufig in einem anderen System, sondern scheint in einer Art Kultur verwurzelt zu sein. Es könnte sein, dass sich System und Fehlerkultur gegenseitig beeinflussen, dennoch wird auch in diesem System an einer Verbesserung der "Fehlerkultur" gearbeitet.

Was ich sagen will: innerhalb unseres Bildungssystem sind Veränderungen notwendig und möglich, aber das heißt noch lange nicht, dass man es gleich abschaffen oder radikal umbauen müsste.

Viele Grüße von Golo Wind