Fortsetzung folgt

KOMMENTAR Kandidaten-Reigen in der Union

Die Eitelkeit springt ihnen aus dem Gesicht, den Herren Merz und Stoiber. Und so trafen sie sich ganz allein (in Bayern selbstverständlich und verstanden gar nicht, dass die Presse darin einen Affront gegen Angela Merkel sah), denn sie stellten sich doch nur dreimal täglich vor den Spiegel und fragten wie im Märchen "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Beste ...?" - "Meine Herren, Ihr seid die Besten", antwortet es, "aber die Merkel von den ungeliebten Zwergen, die ist auch noch ..." Das wurmte. Da im Moment sowieso nicht zählt, wer einen Politikentwurf präsentieren kann oder die gute Opposition betreibt, (von erfolgreicher Politik mit substanziellen Gegenvorschlägen zur Regierungsbank ganz zu schweigen), sondern nur noch, wer am häufigsten und einigermaßen fotogen in die Kameras "Nein, nein, nein" schreit und sich selbst zum künftigen Spitzenmann kürt, meinen die Herren, es reiche, die eigene Parteivorsitzende auf diesem Gebiet zu überflügeln. Das ist nicht ganz einfach, denn auch Merkel hat ihre Ankündigung, Regierungspolitik auf der Basis besserer Ideen auszuhebeln, nicht einmal ansatzweise umgesetzt. Der geneigte Seher, Hörer, Leser erfährt nur das eine, man habe die besseren Entwürfe und demnächst werde man ...

Das Parteivolk aber lechzt nach großer Politik und ein paar Strohhalmen, an das es sich klammern kann. Und so findet der in Baden-Württemberg eben wahlkämpfende Erwin Teufel das notorisch unscharfe Bild aus Berlin bedrohlich für die Landespartei und die Personaldebatte quälend, der saarländische Ministerpräsident Müller kritisiert die Doppelspitze und der abgeklärte Rüttgers sagt, Debatte überflüssig, man kann sowieso nichts ändern, derweil Kaiser Kurt in Sachsen seine CDU selber schneidert. Der regierende SPD-Gegenpart hat dafür nur Häme, obwohl die desolat Hü und Hott schreienden sozialdemokratischen Politiker noch in aller Gedächtnis sind und die Regierungspolitik nur deshalb glatt durchgeht, weil die Beißorgien der CDU so viel Zeit kosten.

Eigentlich wäre bei der SPD Dankbarkeit angesagt. Die großen Namen und bestechenden Entwürfe liegen auch bei ihr schon eine Weile zurück. Das Entsetzen in der CDU über eine Politik, bei der es scheinbar nur noch um Persönliches und nicht mehr um Politik oder Partei gehe, ist allerdings einigermaßen befremdlich: Hat die Partei unter dem jahrelang aufpolierten Glanz des Übervaters Kohl tatsächlich vergessen, wie der einst die Linien begradigte? Mitbewerber an die Seite oder über den Rand schob? Was also wirft sie den jungen Neuen vor? Das Ungeschick, mit dem sie agieren? Wohl eher die Unattraktivität, die sie allesamt ausstrahlen und den Dilettantismus, mit dem sie im Vorwärtsspurt einreißen, was sie aufbauen wollen. Eine Front, die gegen die SPD hält. Es gehört nicht viel Vorausschau dazu, die Fortsetzung der Querelen anzukündigen. Egal, wie oft die Vorsitzende das Ende der Kandidaten-Debatte verkündet.

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