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SCHWANGERSCHAFTSBERATUNG Deutesche Bischöfe in der zwickmühle

Gleichzeitig aus- und einzusteigen, ist nach allgemeiner Logik so gut wie unmöglich. 71 katholische Bischöfe wollen es dennoch versuchen. Denn der Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung, die Voraussetzung für zwar nicht legale, aber straffreie Abtreibung ist, wäre ein Schritt gegen die Mehrheit der Katholikinnen dieses Landes und ein Verlust an Einfluß. Dabei geht es nicht um die Fürsorge für die »Mühseligen und Beladenen«. Es geht um das System der Beratung in Deutschland überhaupt. Ein jahrelang umstrittener, dann endlich ausgehandelter politischer Kompromiß müßte über das päpstliche Veto ins Wanken gebracht werden. Bei einer Bevölkerung, deren Bindung an Kirche eher locker ist, kann das zum Bumerang werden. Eine Änderung der Gesetzeslage im Gefolge einer Anweisung aus Rom ist nach dem Regierungswechsel unwahrscheinlicher denn je. Bliebe der Ausstieg, der das Mitspracherecht aufgäbe. Also versucht die Bischofskonferenz die Quadratur des Kreises: Mitmachen, ohne dabei zu sein. Sie setzte eine Arbeitsgruppe ein, die das Kunststück vorbereitete und tatsächlich zu Ergebnissen kam. Den in Not geratenen Frauen wird Betreuung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes angeboten, Hilfe bei der Suche nach Arbeit ... Die Kirche setzt dort an, wo die Gesellschaft gegenüber Schwangeren und Frauen mit Kindern versagt. Der Vorwurf, sich des ungeborenen Lebens anzunehmen, ohne das geborene ausreichend zu schützen, wird dann schwerer zu führen sein. Bleibt als Konfliktstoff: Das Gespräch soll dokumentiert und - daran ändert sich nichts - als Voraussetzung für eine Unterbrechung benutzt werden können. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Lehmann deutete vor der viertägigen Klausur Schwierigkeiten an, - Bischof Dyba hat jede Form von Beratung bereits untersagt - und auch der Papst wird in der anvisierten Lösung nur schwer die Umsetzung seiner Weisung erkennen. Bleibt: Hoffen auf ein Wunder.

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