Ed Snowden, die NSA und Märchengeschichten

Snowden und die NSA Dieser Beitrag wurde im Juni 20 von John Rappoport auf seiner Webseite veröffentlicht und gibt dem immer noch aktuellen NSA-"Skandal" einen gänzlich anderen Hintergrund.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Edward Snowden, die NSA und Märchengeschichten, die sogar ein Kind erkennen könnte

Manchmal läutet die kognitive Dissonanz, die man früher schlicht Widerspruch nannte, mit einen so lauten Gong, daß sie uns regelrecht vom Stuhl wirft.

Aber wenn Sie ein Android sind in dieser wunderbaren Welt aus synthetischer Realität, stehen Sie auf, mit einem Lächeln in Ihrem Gesicht und stapfen davon...

Mal sehen. Die NSA ist die eindruckvollste Spionage-Agentur, die jemals auf dieser Welt ersonnen wurde. Wenn Sie die Straße in Podunk, irgendwo in den USA, an einem Dienstag Nachmittag im Juli überqueren, um eine Eis Soda zu kaufen, wissen SIE es.

SIE wissen, wenn Sie am Tresen sitzen und diese Soda trinken oder diese aufnehmen und zum einzig leeren Tisch im Laden gehen. SIE wissen, ob Sie den Schaum mit der Zunge von der Spitze des Glases lecken oder ob Sie den Schaum mit einem Strohalm aufnehmen und dann ablecken.

SIE wissen, ob Sie die Quittung für die Soda mitnehmen oder diese auf dem Tresen liegen lassen.

SIE wissen, ob Sie feste Schuhe oder Slipper tragen. SIE kennen die Marke Ihrer Unterwäsche. SIE kennen Ihre Rasiercreme und aus exakt welchem Behälter diese kam.
Aber diese Agentur, mit all ihren unglaublichen Fähigkeiten und Geld...

Kann einen der Ihren nicht ausfindig machen, ein Mann, der jeden Tag zur Arbeit kam, ein Mann, der sich eine Geschichte über eine nötige Behandlung von Epilespie in Hong Kong ausgedacht hat und dann das Land verließ.
Er ist einfach nicht zu finden.

Er ist nicht zu finden in Hong Kong, wo er Glenn Greenwald vom Guardian ein Sit-down Intereview gibt. Das „Sichere Haus“ oder das „Hotel“, in er dem sich aufhält, ist ein­fach nicht zu finden.

Nein, einfach nicht zu finden. Seine Gespräche während seines Aufenthalts in Hong Kong können nicht ausspioniert werden. Es läßt sich einfach nicht herausfinden, daß er einen Flug nach Russland gebucht hat. Er kann nicht am Flughafen abgefangen werden, bevor er mit Russland als Ziel den Ort verläßt. Zu schwierig.

Und dieser Mann, dieser Mitarbeiter, läuft mit vier Laptops herum, auf denen sich die Sclüssel zum gesamten geheimen Spionage-Wissen des uns bekannten Kosmos befin­den.

Diese Laptops können einfach nicht aufgespürt werden. Sie können einfach nicht gehackt werden, um herauszufinden, was da drauf ist. Die Laptops oder die Daten lassen sich einfach nicht aufspüren. Die allerklügsten technischen Köpfe dieser oder irgendeiner anderen Generation können einen Computer in der äußeren Mogolei wäh­rend eines Wirbelstrums finden, aber diese umherlaufenden Computer in Hong Kong sind irgendwie außerhalb ihrer Reichweite.

Und bevor dieser Mann, Snowden, dieser Mitarbeiter, Hawaii übersprang, war er in der Lage, auf das Layout des gesamten US-Geheimdienstnetzwerks zuzugreifen. Ja, er war in der Lage, dafür einen USB-Stick zu benutzen.

Er ging zur Arbeit mit einem USB-Stick, klickte sich ein und stahl...Alles. Er stahl genug, um an einem einzigen Nachmittag „das gesamte US Spionage-Netzwerk herunterzu­laden“.

Nicht nur das, sondern jeder, der als Analytiker, als ein Vorgesetzter System-Analytiker für diese Super-Agentur arbeitete, hätte dasselbe tun können, hätte den Schlüssel zum Königreich stehlen können.

Aus diesem Grunde haben sich jetzt Genies mit Intelligenzquotienten über 180 - mitten in der Snowden-Affäre - dazu entschlossen, „engere Regulierungen und Prozessab­läufe“ für ihre Mitarbeiter zu erlassen. Genau.

Jetzt werden ein paar Elemente interner Sicherheit eingeführt, von denen sie vorher nicht annahmen, daß sie nötig sein würden.

Es handelt sich hierbei, lassen Sie mich daran erinnern, um die geheimste Spionage-Agentur der Welt. Die reichste Spionage-Agentur. Die befähigste Spionage-Agen­tur.

Aber - über die Jahre - haben sie irgendwie diesen Aspekt ihrer eigenen Sicherheit übersehen. Sie haben eine Tür offenstehen lassen, sadaß irgendeiner ihrer eigenen Analysten alles stehlen konnte.

Er konnte Alles mitnehmen. Er konnte es einfach nehmen, kopieren und alles auf ein paar Computern speichern.

Aber jetzt, ja jetzt, da wir uns jetzt der Verwundbarkeit bewußt geworden ist, wird die Agentur Verbesserungen vornehmen.

Genau.

Und Reporter von Elite US-Medien finden all dies zu schwierig, um es zu schlucken.

Ein gescheiter Sechst-Klässler könnte diesen Turm von fabrizierten Unsinn in einer Minute durchschauen, aber ergraute, gestandene Reporter begreifen es nicht.

Letzte Nacht, bei Charley Rose, in einer Episode, die mich atemlos zurückließ, warnte eine Schar von Experten/Nachrichten-Menschen davor, daß Ed Snowden, der mit diesen vier Laptops herumläuft, ein leichtes Ziel für chinesische oder russische Spione sein könnte, die Zugang zu den Daten auf diesen Computern bekommen könnten. Die Spione könnten sich einfach hineinhacken.

Aber nein, die NSA kann‘s nicht. Die NSA kann herausfinden, was Snowden hat, sie können nur spekulieren.
Es sind Scharaden von Scharaden.

Diese ganze Snowden-Affaire ist ein OP. Es ist die Art von OP, die deshalb funktio­niert, weil Menschen darauf vorbereitet wurden, alles zu glauben.

Die geschlossenste, stärkste, reichste und intelligenteste Spionage-Agentur auf der Welt kann einen ihrer eigenen Mitarbeiter nicht finden. Sie sind mit Aufspürung befasst und können ihn nicht finden.

Sie sind mit Sicherheit befasst und sie können ihre eigenen Daten nicht vor ihren Mitarbeitern schützen.

Falls Sie dies glauben, habe ich Zeitanteile im schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße zu verkaufen.

In früheren Artikeln (siehe Spygate auf diesem Blog), habe ich zum Fall Snowden ausgeführt, daß er ein CIA-Mitarbeiter ist, der weiterhin für seinen ehemaligen Arbeitgeber arbeitet. Ihm wurde vom CIA ein Haufen von NSA-Daten übergeben. Er hat überhaupt nichts gestohlen Die CIA möchte ein Loch in die NSA schlagen. Man nennt es „Interner Revierkrieg“. Dies läuft schon genauso lange, wie diese beiden Agenturen nebeneinander existieren.

Nehmen wir zum Beispiel...das Geld.

Wired Magazine, in seiner Ausgabe vom Juni 2013. James Bramford, Autor dreier Bücher über die NSA, schreibt:
„Als Teil seiner Budget-Forderungen für 2014, ersuchte das Pentagon (dem die NSA untersteht) den Kongress im April um zusätzliche 4,7 Milliarden Dollar für zunehmende „Cyberspace Oparationen“, fast 1 Milliarde mehr als die Bereitstellungen für 2013. Zur selben Zeit wurden die Budgets für die CIA und andere Spionage-Agenturen um mehr als 4,4 Milliarden Dollar gekürzt. Ein Teil des Geldes, das zur...(NSA) geht, wird dazu benutzt, um 13 Cyberattac-Teams aufzubauen.

Dies sind Spionage-Gelder. Viel mehr für die NSA, viel weniger für die CIA.

Interner Revierkrieg.

Aber wir wollen uns in diesem Artikel auf die Märchengeschichten fokussieren, die jene Titelgeschichten bilden, welche zur Presse, der Öffentlichkeit und zu den Politikern fließen.

Wir haben Reporter bei der Washington Post und beim Guardian. Wir haben Julian Assange, den Kopf von Wikileaks. Sie alle sprechen mit Snowden. Die NSA kann sie nicht ausspionieren. Richtig? Sie kann ihre Telefongespräche nicht abhören, ihre Emails nicht lesen und sie kann ihre Notizen nicht hacken. Ich meine so, wie Personen die Arbeit und die Heimcomputer von Sharyl Attkisson, der investigativen Star-Reporterin von CBS, gehackt haben.

Aber die NSA kann all diese Spionage nicht durchführen und sie dann benutzen, um Snowden zu finden. Sie kriegen es einfach nicht hin.

Nun...Jeder auf der Welt mit einem Computer besitzt Passwörter. Die NSA kann sie durchschneiden wie ein Schwert durch heiße Butter. Aber Assange, die Washington Post, der Guardian und Snowden müssen super-spezielle Passwörter haben.

Sie haben diese Passwörter dadurch erhalten, daß sie einen frankierten Rückumschlags, zusammen mit 25 Cent und einigen Müsli-Resten an einen „Lone Ranger“ gesendet haben. Diese Passwörter sind durch atomare Wolken aufgeladen, die die menschlichen Gedanken verdecken, sadaß sie nicht sehen oder spionieren können. Sie sind unsterblich und unverwundbar.

Die NSA kann jeden auf der Welt ausspionieren, aber sie können keinen Fuß in die Tür bekommen, wenn es um die Washington Post, den Guardian und Assange geht.
Und falls Snowden in Equador auftauchen sollte, ist auch dies ein unüberwindbares Rätsel.

„Nee, wir wissen nicht, wo es ist. Er ist verschwunden. Equador hat einen römischen Schild um sich herum. Die Verhüllungs-Technologie ist einfach zu weit entwickelt“.
Vielleicht erinnern Sie sich, daß Snowden zu Beginn dieses Skandals behauptete, daß er jeden in den USA ausspionieren könne, auch einen Bundesrichters oder sogar den Präsidenten, falls er deren Email-Adresse hat.

Oh, oh. Aber alle Talente der NSA zusammengenommen, können Snowden nicht ausspionieren. Ich schätze, sie können einfach seine Email-Adresse nicht finden.
Snowden ist nicht das einzige sichere Computer-Kind im Lande. Es muß zumindest eine Million Menschen geben, die Email-Adressen auskochen können, welche sich dem Zugriff der NSA entziehen. Richtig?

Was wir hier haben, sind Widersprüche, die sich über Widersprüche auftürmen, die auf Lügen beruhen.

Und mittendrin sagt eine ganze Schar von Menschen: „Schau nicht zu genau hin. Snowden ist ein Held, er hat die NSA entlarvt und das ist eine wunderbare Sache“.

Und eine ganze Schar anderer Menschen sagt: „Snowden ist ein Verräter und er sollte wegen Verrat angeklagt oder im Ausland getötet werden. Das ist alles, was Sie wissen müssen“.

Die Wahrheit? Nun, die Wahrheit - wie man sagt - ist das erste Opfer in einem Krieg. Aber im Spionage-Geschäft war die Wahrheit von Anfang an nicht inbegriffen. Dies ist eine der Notwendigkeiten dieser Industrie.

„Junge, falls Du gedacht hast, daß Du jemals gelogen hast, hast Du gar nichts begriffen. Wir werden Dir beibringen, Dinge zu tun, die Dir Deinen Kopf zum Rotieren bringen. Das ist das Spiel, in dem wir uns befinden. Wir werden Dich dazu bringen, Lügen zu erzählen, während Du schläfst.“

Und dies sind die Leute, denen die Öffentlichkeit glaubt.
Es ist eine wunderschöne Sache, wirklich. Die Märchengeschichten sind aus Zucker und Öffentlichkeit gemacht; die Presse und die Leute essen sie. Und dann wollen sie mehr davon.

John Rappoport
(Übersetzung: Detlef Reimers)

Original-Artikel:
http://jonrappoport.wordpress.com/2013/06/25/ed-snowden-nsa-and-fairy-tales-a-child-could-see-through/

John Rappoport war Journalist für verschiedene bekannte Zeitungen und Magazine, er wurde für seine Arbeit für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen.

Aufgrund zunehmender Einschränkung der Meinungsfreiheit in den Medien wurde er freier, investigativer Journalist und Autor verschiedener Bücher und betreibt seine eigene Webseite <http://www.nomorefakenews.com>.

Autor: John Rappoport, 2013; Übersetzung: Detlef Reimers, 2014
20:47 03.02.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Reimers

Blues Musiker und politisch interessierter Bürger.
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