asapreta

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RE: Danksagung | 07.11.2011 | 04:23

Lieber h.yuren,
es ist sicher ein lobenswertes, aber vermutlich unergiebiges Unterfangen sich mit einem Klimawandel-Skeptiker auseinanderzusetzen. Vielleicht sollte man zunächst seine Zeit besser darin investieren, dieses besondere Phänomen der Degradierung der "Wissenschaft" zum Unwort zu analysieren, das in zahllosen diesbezüglichen Forenbeiträgen der Klimawandel-Skeptiker massiv zum Ausdruck kommt. Sieht man einmal von der immer vorzufindenden Fraktion ab, deren Beiträge einem zwanghaften Äußerungsbedürfnis zu allem und jedem zugrunde liegen, so erstaunt mich immer wieder die Flut von Kommentaren, die mit einem fragmentarischem "jetzt-mach-ich-mich-schnell-mal-im-Internet-schlau"-Halbwissen die Aussagen von Klimatologen zu widerlegen beabsichtigen. Natürlich ist wissenschaftliche Materie äußerst anspruchsvoll - und daher dem nicht wissenschaftlich ausgebildeten Bürger, allein schon auf Grund der fachsprachlichen Verklausulierung, auch in bester Absicht kaum vermittelbar. Dieses Manko wurde jedoch bisher aufgehoben durch wissenschaftliche Autorität - eine personelle Qualität, die mühsam durch Studium und jahrelanger Forschungspraxis erworben wurde. Wenn man heute am Beispiel der Klima-Skeptiker den gesellschaftlichen Trend erkennt, diese Autorität zu leugnen, so sehe ich als Ursache hierfür einerseits - und dies paradoxerweise - die starke Fokusierung der öffentlichen Kommunikationsmedien auf populärwissenschaftliche Thematik, die manchem interessierten Bürger glauben lässt, nun auch als "Fachmann" sich auf gleicher Augenhöhe mit dieser Autorität auseinandersetzen zu können und sie somit anzweifeln zu können. Zum anderen pflegen viele Wissenschafts-Skeptiker einen, wohl auch unbewußten, Groll gegenüber der Tatsache, dass Expertenwissen zwangsläufig von einem Hermetismus begleitet wird. Da sich Expertenwissen nicht demokratisch an jedermann verteilen lässt, wird der Wissenschaftler zur Unperson degradiert. Er ist natürlich nur bedacht Forschungsgelder für sich zu mobilisieren, er neigt zur Geheimbündelei und Verschwörung, oder ist wenigstens ein Betrüger - wie dies als typische Qualifizierung in zahlreichen Beiträgen zum Ausdruck kommt. Presseberichte von Forschungsbetrug (tatsächlich ein lächerlich geringer Anteil an "schwarzen Schafen", gemessen an der Zahl der in der Wissenschaft tätigen Personen, auch im Vergleich mit anderen Berufssparten, die sich nicht in dem Maße der Wahrhaftigkeit verschrieben haben, wie dies nun einmal bei der Wissenschaft Grundsatz ist) werden begierig aufgenommen und als Beweis der bösen Absicht herausgestellt.
Das massive Infragestellen wissenschaftlicher Autorität kann nicht einfach mit dem Hinweis auf mehr oder weniger ausgeprägte Primitivität abgetan werden. Hier sind einschlägige Studien von soziologischer und psychologischer Seite gefordert, damit Strategien entwickelt werden können, Misstrauen eines großen Anteils der Gesellschaft gegenüber der Wissenschaft abzubauen. In einer Situation existentieller Bedrohung durch Klimawandel ist Konsens Voraussetzung, damit die weltweit zunehmende politische Angststarre in eine von der Gesellschaft mitgetragene Handlung verwandelt wird. Die massive Leugnung wissenschaftlicher Autorität ist hierbei eine fatale Entwicklung.

Dr. rer. nat. R. H. Z.
(Hinweis für Klimawandel-Skeptiker: als Wissenschaftler, und somit finsterer Verschwörer steht mir Anonymität zu. Mein äußeres seriöses Erscheinungsbild als Normalbürger und steuerzahlender Familienvater ist natürlich nur Tarnung).