Reiner Körver

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RE: Zwischen Pandemie und Diskriminierung | 11.04.2010 | 20:25

Sehr geehrte Frau Zinkant,
mit Interesse habe ich Ihre Entgegnung zur Kenntnis genommen und möchte ebenfalls einige mißverständliche Dinge klarstellen.
Es ist selbstverständlich nicht bestreitbar, dass Rauchen tödlich enden kann, was auch das Netzwerk Rauchen meines Wissens nie bestritten hat, und es ist auch nicht bestreitbar, dass Schweinegrippe ansteckend ist. Fraglich ist aber, ob man aus diesen unbestreitbaren Fakten eine Kampagne starten darf, in der man bewusst Gefahren überdramatisiert, um durch das Erzeugen von Angst und Schrecken in der Bevölkerung beabsichtigte Veränderungen durchzusetzen.
Im stimme Ihnen in dem Punkt zu, dass man die Diskussion über die Dinge versachlichen sollte. Unzweifelhaft wäre es redlicher darüber zu diskutieren, ob man Rauchen verbieten soll oder nicht. Hierbei müsste dann eine Abwägung durgeführt werden, ob die gesundheitlichen Problematiken so groß sind, dass ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, der hier ohne Zweifel vorliegen würde, gerechtfertigt ist. Das ist aber nach derzeitiger Rechtsauffassung nur dann möglich, wenn die Persönlichkeitsrechte Dritter gefährdet sind. Aus diesem Grund ist dann aber eben von der Weltorganisation die bereits mehrfach erwähnte Passivrauchstudie entstanden. Damit stellt sich aber der Sachverhalt so dar, dass nach dem Prinzip 'Der Zweck heiligt die Mittel' die Fakten so verändern wurden, dass der Gesetzgeber Handlungsbedarf sieht. Diese auch aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbare Vorgehensweise ist der Kritikpunkt in diesem Fall an der WHO.
Was hier beim Thema Rauchen geschehen ist, ist leider auch bei der Schweinegrippe zu beobachten. Das die Infektion ansteckend ist und man sich davor schützen sollte, wird von keinem vernünftigen Menschen bestritten. Das hier aber die Parameter für die Pandemie (hohe Sterblichkeit wurde laut Jefferson als Kriterium für eine Pandamie entfernt) verändert wurden, widerspricht jeder wissenschaftlichen Methodik. Man kann nicht willkürlich die Kriterien ändern, um zu gewünschten Ergenissen zu gelangen. Da in diesem Fall die Wahrung wirtschaftliche Interessen als Triebfeder nicht ausschließbar ist, verstehe ich in der Tat nicht, warum das nicht der Prüfung durch eine unabhängige wissenschaftliche Kommission unterzogen wird. Eine Institution wie die WHO sollte im Punkt Glaubwürdigkeit über jeden Zweifel erhaben sein, da sie ansonsten der Vorsorge für die Gesundheit einen Bärendienst erweist.
Es ist unter anderem Ihnen, Frau Zinkant, mit Ihren informativen und qualifizierten Beiträgen zu verdanken, dass man auch als Laie in die Lage versetzt wird, die Legionen an Studien im medizinischen Bereich selbst bewerten zu können. Zumindest ich greife gerne darauf zurück, da in objektiver Weise die Fakten verständlich dargestellt werden, ohne zu beschönigen, aber auch ohne überzudramatisieren. Bei den Informationen der WHO hat man dagegen mittlerweile den Eindruckt, dass nicht die Ergebnisse aus den Fakten abgeleitet werden, sondern die Fakten den gewünschten Ergebnissen angepasst werden.
Diese Vorgehensweise ist unwissenschaftlich und sollte auch angeprangert werden, damit eine eigentlich wichtige Organisation nicht zur Handlangerin der Interessen von Pharmaindustrie und anderer interessierten Gruppen verkommt.
Mit freundlichen Grüßen
Reiner Körver

RE: Zwischen Pandemie und Diskriminierung | 07.04.2010 | 21:37

Sehr geehrte Frau Zinkant,
im Allgemeinen bin ich Fan Ihrer fundiert begründeten Artikel. Im diesem Fall frage ich mich aber, ob Sie hier nur zwischen Tür und Angel einen Seitenfüller produziert haben.
Die von Ihnen angegriffene Organisation Netzwerk Rauchen, mit einer religiösen Sekte zu vergleichen, entbehrt jeder Sachlichkeit. Obwohl ich selbst seit über zehn Jahren Nichtraucher und deshalb auch nicht Mitglied in diesem Netzwerk bin, lese ich doch regelmäßig die Beiträge in deren Forum und habe stets den Eindruck, dass dort differenziert und intelligent Zeitthemen besprochen wurden. Umso mehr bin ich über Ihre Aussage verwundert, da Sie, wenn ich mich recht erinnere, selbst in den Anfängen der Raucherdiskriminierung eine Studie des Krebsforschungszentrums in der 'Zeit' widerlegt haben und dafür die geballte Wut der neuen Tugendwächter in unserem Land, der Nichtraucherorganisationen, ausgesetzt waren. Die von Ihnen in Ihrem Artikel grundlos ins Lächerliche gezogenen Organisation, hat sich lediglich zu jener Zeit als Gegenpol zur Propaganda dieser Organisationen psychosomatisch auffälliger Fanatiker gegründet. Im Gegensatz zu diesen wurde dort immer sehr leidenschaftlich aber auch kontrovers und fundiert argumentiert. Dabei hat sich der Konsens gebildet, dass man derzeit wissenschaftliche Untersuchungen insbesondere in der Medizin mehr einer ideologischen Propaganda verpflichtet sieht als wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse. Hier sieht die Organisation meiner Ansicht nach sehr zu Recht eine Parallele zwischen Raucherdiskriminierung und der Pandemie Panik, die im letzen Jahr ausgelöst wurde.
Dass die WHO in dieser Weise verfährt, ist meines Wissens von Ihnen vor einigen Jahren noch selbst so gesehen worden, indem Sie damals feststellten, dass keine noch so gute Absicht eine Unwahrheit rechtfertigt. Warum Sie nun diese Einsicht als Lächerlichkeit diffamieren, ist nicht nachvollziehbar.
Allerdings muss ich zugeben, dass Sie sich hier natürlich in bester Gesellschaft mit Ihren Kollegen/innen der Presse befinden. So wurde unter anderem in der Frankfurter Rundschau seiner Zeit eine Demonstration von mehreren hundert Gastwirten in Frankfurt in dieser Weise kommentiert, als ob ein paar zerlumpte Bettler und Tagediebe ihre schlechten Angewohnheiten verteidigen wollten. Was macht Ihresgleichen eigentlich so sicher, dass Sie das moralische Recht haben, Menschen die unter harten Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen, dermassen abfällig herabzuwürdigen. Die Betroffenen standen und stehen vor ihrem beruflichen Aus . Dies ist im übrigen in den Ländern, in denen es angeblich doch soviel besser klappt, z.B. Frankreich und England, umso mehr der Fall. Tausende Bistrots und Pubs mussten sich schon den Realitäten beugen und schließen.
Es wird mir nie einleuchten, warum Menschen glauben, dass alle in der gleichen Art zu leben hätten, wie sie es für richtig halten. Möglicherweise gibt es ja welche, die sich lieber in der keimfreien Umgebung einer rauchfreien Lounge erholen. Ich und andere, seien es Raucher oder Nichtraucher, ziehen es halt vor, sich nicht zu langweilen, sondern in einer Umgebung mit weniger Sterilität zu amüsieren. Wer das lächerlich findet, darf gerne draußen bleiben. Sich selbst aber im Recht zu wähnen, anderen die Lebensweise vorschreiben zu dürfen, folgt keinem intellektuellen Höhenflug sondern unterliegt lediglich kleinbürgerlicher bourgeoiser Arroganz.