Die Katze ist aus dem Sack

Koalitionsaussage Mit dem Rauswurf Jürgen Trittins aus möglichen Koalitionsverhandlungen der Grünen legt sich Katrin Göring-Eckardt auf Jamaica fest
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„Herr Trittin wird in möglichen Koalitionsverhandlungen keine Rolle spielen.“ Dies hat Katrin Göring-Eckardt, die weibliche Hälfte der grünen Doppelspitze zu den Bundestagswahlen, letzten Dienstag in der „Rheinischen Post“ verkündet, nicht ohne oberlehrerhaft-herablassend einzuräumen, wie sehr sie „ihn als klugen Kopf“ schätze. Mit ihrem offensichtlich monokratischen Dekret über die Zusammensetzung der Unterhändler der Grünen in möglichen Koalitionsverhandlungen verteilt Frau KGE nicht nur das Fell, noch ehe der Bär erlegt ist, sondern bestimmt auch schon mal, die Meinung der Parteibasis in eigener Machtvollkommenheit souverän vorwegnehmend, die Wahl des Koalitionspartners, denn Jürgen Trittin und die Linksgrünen vom Floß zu schupsen macht nur Sinn bei Verhandlungen ausschließlich mit den Schwarzen und Gelben. Mit dieser eindeutigen Koalitionsaussage ist nun die Katze aus dem grünen Sack und die Wähler wissen wenigstens, was sie erwartet.

Sie ist ganz im Sinne des Elder Statesman Joseph Fischer, wie er aus dem FUTURZWEI-Gespräch (1/2017) zu entnehmen ist, in der Taz-Wiedergabe leider nur als Basta-Text, also ohne Kommentarfunktion. Dieses Interview ist ein sehr treffender Widerschein der wundersamen Mutation der Grünen von einer einst pazifistischen und gesellschaftsalternativen politischen Kraft hin zu Olivgrünen und Müsli-Liberalen. Wie bequem es sich die Grünen im traditionellen konservativ-liberalen Lager bereits gemacht haben, belegt Fischer sehr treffend mit seiner Aneinanderreihung deutscher Tragödien, die jeden FKA-Anhänger in der CDU zu Freudentränen rühren dürften: „Tragödien unserer jüngeren Geschichte, zwei Weltkriege, der Verlust von einem Drittel des Staatsgebietes, die deutsche Teilung, der Kommunismus in der DDR, all das hat ja elitenzerstörend gewirkt, weshalb Deutschland sehr viel egalitärer strukturiert ist als Frankreich, Großbritannien oder Italien.“ Mit diesem Satz betrauert Fischer die Zerstörung der deutschen Eliten, als ob sie nicht die Hauptschuld an all den aufgeführten Tragödien träfe. Den daraus resultierenden Kollateralnutzen einer vermeintlich größeren sozialen Egalität hierzulande - im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien oder Italien - muß er dann logischerweise für eine nicht minder große Tragödie halten. Willkommen im Klub der Elitisten.


12:55 24.08.2017
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