Es geht ans Eingemachte

Corona Für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron scheint aufgrund der Krise klar: Die Gesundheitsfürsorge kann man nicht länger dem Markt überlassen
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Es geht ans Eingemachte
Emmanuel Macron

Foto: Ludovic Marin/AFP/Getty Images

Der französische Präsident Macron hat gestern Abend angesichts der Corona-Krise eine bemerkenswerte Rede an das französische Volk gehalten. Darin beschränkt er sich nicht auf die Ankündigung drastischer administrativer Schutzmaßnahmen der Behörden, um die Ausbreitung des Virus‘ einzudämmen, sondern kommt zu überraschenden Schlußfolgerungen grundsätzlicher Art, die das neo-liberale Dogma der letzten Jahrzehnte als Entwicklungsmodell grundsätzlich in Frage stellen, das sich in der gegenwärtigen Gefahr als total untauglich erweise. Hier die betreffende Passage (in eigener Übersetzung), die bislang in den hiesigen Medien mit wenig Aufmerksamkeit bedacht wurde:

„Morgen müssen wir die Lehren ziehen aus dem, was wir gegenwärtig durchmachen, das Entwicklungsmodell hinterfragen, in das sich unsere Welt seit Jahrzehnten verwickelt hat und dessen Mängel nun ans Licht kommen, die Schwächen unserer Demokratien hinterfragen. Eines hat sich durch diese Pandemie schon jetzt herausgestellt: Die kostenlose Gesundheit, unabhängig vom Einkommen, Stellung und Beruf, unser Sozialstaat sind keine Kosten oder Lasten, sondern wertvolle Güter, unverzichtbare Trümpfe, wenn das Schicksal zuschlägt. Diese Pandemie hat jetzt schon deutlich gemacht, daß es Güter und Dienstleistungen gibt, die außerhalb der Marktgesetze gestellt werden müssen. Es ist verrückt, unsere Ernährung, unseren Schutz, die Gestaltungsfähigkeiten unseres Lebensrahmens im Grunde an andere zu delegieren. Wir müssen die Kontrolle darüber zurückgewinnen, mehr noch als bisher ein souveränes Frankreich und Europa errichten, ein Frankreich und Europa, das sein Schicksal fest in die Hand nimmt. Die kommenden Wochen und Monate werden Entscheidungen erfordern, die in diesem Sinne einen Bruch darstellen. Ich werde die Sache in die Hand nehmen.“

(„Il nous faudra demain tirer les leçons du moment que nous traversons, interroger le modèle de développement dans lequel s'est engagé notre monde depuis des décennies et qui dévoile ses failles au grand jour, interroger les faiblesses de nos démocraties. Ce que révèle d'ores et déjà cette pandémie, c'est que la santé gratuite sans condition de revenu, de parcours ou de profession, notre Etat-providence ne sont pas des coûts ou des charges mais des biens précieux, des atouts indispensables quand le destin frappe. Ce que révèle cette pandémie, c'est qu'il est des biens et des services qui doivent être placés en dehors des lois du marché. Déléguer notre alimentation, notre protection, notre capacité à soigner notre cadre de vie au fond à d'autres est une folie. Nous devons en reprendre le contrôle, construire plus encore que nous ne le faisons déjà une France, une Europe souveraine, une France et une Europe qui tiennent fermement leur destin en main. Les prochaines semaines et les prochains mois nécessiteront des décisions de rupture en ce sens. Je les assumerai."

Quelle: Web-Site des Elysée-Palastes

11:09 13.03.2020
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