Den Planeten durch unser Essverhalten retten?

Klimawandel Ich lese wirklich gerne. Auf Arbeit in der Mittagspause und abends im Bett. Neulich habe ich ein Buch entdeckt, über das ich mich wirklich aufgeregt habe
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Den Planeten durch unser Essverhalten retten?
Was den Klimawandel am allermeisten beeinflusst? Es ist unser Fleischkonsum.

Foto: Philip Pacheco /AFP/Getty Images

Ich lese wirklich gerne. Wenn ich länger unterwegs bin. Auf Arbeit in der Mittagspause und abends im Bett. Neulich habe ich ein Buch entdeckt, über das ich mich wirklich aufgeregt habe. Und zwar, weil es so gut ist. Weil der Autor den Nagel auf den Kopf trifft, um mal im Handwerksjargon zu bleiben. In „Wir sind das Klima“ führt uns Jonathan Safran Foer vor Augen, wie wir leben. Und dass unser Lebensstil die Hauptursache für den Klimawandel ist.

Nun, ist es ja kein Geheimnis, dass vieles von dem, was unseren Alltag ausmacht, uns das Leben so angenehm macht, negative Auswirkungen auf die Umwelt hat. Der menschengemachte Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren. CO²-Vermeidung heißt das Zauberwort. Und so erhalten wir täglich neue Ratschläge von Klimaexperten, Aktivisten, Politikern und anderen sogenannten Fachleuten darüber, wie wir uns verantwortungsvoll verhalten können. Wir sollten weniger Auto fahren beziehungsweise auf E-Autos umsteigen. Aufs Fliegen verzichten und alternative Energien nutzen. Kreuzfahrten und vor allem Plastik vermeiden. Möglichst regional und bio kaufen und essen. Aber reicht das wirklich?

Wissen Sie, was den Klimawandel am allermeisten beeinflusst? Es ist unser Fleischkonsum! Die oben erwähnten Faktoren spielen alle eine Rolle, aber der größte Feind des Klimas ist die industrielle Massentierhaltung. Hier werden Unmengen von CO² freigesetzt. Wir nehmen einfach zu viele tierische Produkte zu uns. Dazu gehört auch der Verzehr von Käse und anderen Milchprodukten. Ja, ich war auch schockiert. Erzählen Sie das mal einem Handwerker. Für mich als Rohrreiniger gehörten bisher die tägliche Bockwurst, ein Steak oder die Bulette zu den Grundnahrungsmitteln. Gerade wer körperlich arbeitet, muss schließlich auch gut essen. Mit einem Salat oder einer Portion Hummus kommen Sie da nicht weit. Aber ich muss zugeben, mir wurden die Augen geöffnet.

Fleischverzicht rettet Leben

Sie können mir glauben, meine Begeisterung für Fleisch ist beim Lesen erheblich gesunken. Und das lag daran, dass ich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Essgewohnheiten bekam. Was Jonathan Safran Foer beschreibt, ist alles andere als lustig. Es ist bedrohlich. Durch die Erderwärmung, ausgelöst letztlich zu einem erheblichen Prozentsatz durch unseren Fleischkonsum, wird sich unsere Welt, wie wir sie bisher kennen, völlig verändern. Zwei Grad Erderwärmung klingt im ersten Moment nicht nach so viel, aber die Auswirkungen sind katastrophal und lebensbedrohlich.

Der Meeresspiegel steigt um eine halben Meter. Ganze Küstenregionen werden untergehen. Städte unbewohnbar gemacht. Rund 150 Millionen Menschen werden vor dem Wasser flüchten müssen. Hitzewellen werden Wasser- und Hungersnöte, Krankheiten und Seuchen befördern. Hunderte von Millionen von Menschen daran zugrunde gehen. Die Ernten werden weltweit drastisch sinken. Gerade in ärmeren Regionen steigt die Gefahr von bewaffneten Konflikten um die knappen Ressourcen.

Der Klimawandel ist für Mensch und Natur gleichermaßen eine Katastrophe. Die Gletscher und die für das biologische Gleichgewicht lebenswichtigen Eisreserven schmelzen. Circa 30 Prozent des Amazonas werden zerstört. 99 Prozent der Korallenriffe für immer vernichtet; die Hälfte aller Tierarten und 60 Prozent der Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sein. Und das alles geschieht nicht in irgendeiner fernen Zukunft. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird uns dieses Schicksal ereilen, wenn wir nicht alle aktiv dagegen an wirken.

Was tut die Politik?

Kurz gesagt: viel zu wenig! Der Klimawandel ist zweifelsohne die größte Herausforderung, derer sich die Menschheit jemals stellten musste. Nun, abgesehen von einigen verbohrten Ewiggestrigen, ist das auch den Allermeisten bewusst. Vor allem junge Menschen gehen weltweit auf die Straßen und fordern einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten, damit auch künftige Generationen darauf leben können. Der Druck auf die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik wächst. Die Bundesregierung hat jetzt sogar ihr umstrittenes Klimapaket nachgebessert, weil sie Angst um Wählerstimmen hat. Es ist wie immer. Die Politik bewegt sich erst, wenn sie muss! Dabei ist es höchste Zeit. Uns – oder besser gesagt unserem Planeten – läuft die Zeit davon. Die Erderwärmung steigt unentwegt und ließe sich nur noch durch radikale Sofortmaßnahmen aufhalten. Und die wichtigste wäre, die Massentierhaltung einzugrenzen. Oder besser noch, abzuschaffen!

Doch die Politik denkt in Sachen Klimawandel eher mittel- bis langfristig. Und die Massentierhaltung spielt in den Überlegungen nur ein randläufige Rolle. Ja, Deutschland steigt aus der Braun- und Steinkohle aus, macht die AKWs dicht und stellt auf alternative Energie um. Aber das dauert viel zu lange. 2035 ist definitiv zu spät. Und vor allem reicht das nicht aus! Alle Experten sind sich einig, dass die Politik, und das gilt für Deutschland als auch dem Rest der Welt, zu wenig macht. Die Politik will den Bürgern nicht vorschreiben, was sie zu essen haben und was nicht. Sie setzt auf die Vernunft der Menschen statt auf Verbote. Doch in diesem Fall ist gezieltes Handeln überlebenswichtig. Von der Industrie und der Wirtschaft ist ebenfalls wenig zu erwarten. Hier zählt in erster Linie der Profit.

Was kann ich tun?

Jonathan Safran Foer sagt, wenn wir unseren Planeten retten wollen, müssen wir deutlich weniger Tierprodukte konsumieren. Es liegt also an jedem Einzelnen von uns, selbst die Initiative zu ergreifen. Durch unsere Handlungen zwingen wir die Politik und die Industrie zum Umdenken. Wenn wir weniger tierische Produkte kaufen und essen, wird auch weniger produziert. Die Massentierhaltung muss unbedingt radikal eingedämmt werden. Dabei verlangt ja niemand von uns, völlig auf Fleisch, Käse und Eier zu verzichten. Es geht um einen maßvollen und verantwortungsvollen Umgang mit diesen Lebensmitteln.

Foer plädiert in seinem Buch dafür, bis zum Abendessen auf tierische Produkte zu verzichten. Die meisten von uns sind Fleischjunkies. Der Autor selbst schildert, wie schwer es ihm auch noch nach Jahren als Vegetarier fällt, kein Fleisch zu essen. Und er immer wieder Rückfälle erlebt. Wir sind es gewohnt, Fleisch zu konsumieren. Der Geschmack macht süchtig. Vergleichbar mit dem Genuss von Alkohol und Zigaretten. Man kommt einfach schwer davon los. Um uns nicht unnötig quälen zu müssen, können wir ruhig abends zum Steak greifen. Wenn alle Menschen so vernünftig wären und ihren Fleischkonsum derart reduzieren, wäre das eine unglaubliche Einsparung von CO². Und unser Planet hätte tatsächlich eine Chance, sich von dem Raubbau durch den Menschen zu erholen.

Ich war ja auch zuerst skeptisch. Habe mir eingeredet, dass ich Fleisch und Käse zum Überleben brauche. Aber das ist natürlich Quatsch. Die Methode, die Jonathan Safran Foer in „Wir sind das Klima“ beschreibt, funktioniert. Der Mensch gewöhnt sich an vieles und es ist wirklich nicht schwierig, tagsüber auf andere Lebensmittel zurückzugreifen. Ich nehme jetzt viel Obst und Pasta mit auf die Arbeit. Und abends gönne ich mir immer noch mein Schinkenbrot. Ich möchte nämlich nicht irgendwann meinen Enkelkindern erklären müssen, warum wir unseren Planeten zerstört haben!

10:44 18.01.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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