Reyes Carrillo
03.02.2016 | 11:39 50

"Die Linken sind auch Rassisten"

Eine Polemik Wie im Internet ein altes Schauer-Märchen als echt neu auftaucht

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Reyes Carrillo

"Die Linken sind auch Rassisten"

"Man könnte wiehern und gleichzeitig weinen"

Bild: Johannes Simon/Getty Images

Innerhalb der aufgeklärten, sich zu Teilen dezidiert links verstehenden Gegenöffentlichkeit im Internet mit ihren Portalen und Blogs, setzt sich in einem nicht irrelevanten Teil spätestens seit den Silvester-Ereignissen in Köln eine Sichtweise durch, die Anlass zur Sorge geben sollte: Das Linken-Bashing neuer Qualität. Die alte, stets treu und zuverlässig eingehaltene Tradition, dass sich Linke am liebsten gegenseitig madig machen und in die Fresse hauen, hat Gott sei Dank wieder eine neue Runde eingeläutet. Es wäre ja auch langweilig geworden.

Neu dabei ist eine sich so noch nicht gezeigt habende Links-Rechts(außen)-Koalition mit allen ihren Variablen. Es ist dies ein naturbedingt widersprüchliches Lager, das sich aber vor allem in der Bewertung des us-amerikanischen NATO-Imperialismus, der positiven Rezeption russischer Außenpolitik und in der Analyse der von den USA und in seinen jeweiligen Vasallenstaaten gesteuerten Medien weitgehend einig ist. Weiterhin gemein ist ihm, den massiven, nach wie vor ungeregelten Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland einseitig zu katastrophisieren und darüber das dramatische ausländerfeindliche Potential in diesem Land durch ein völlig unverantwortliches, seltsames Verständnis gegenüber Pegida und Co. zu bagatellisieren und damit geradezu zu legitimieren.

Diese „Fraktion“ arbeitet sich u.a. an einer von ihr so erkannten „Rot-grünen-Community“ ab, einer Art linksgrünen Gutmenschentums, dem ein „Links-Rassismus“ unterstellt wird, „…der bis heute als Überreaktion auf die NS-Geschichte zu werten ist…“ (Ken Jebsen), und ein anderes Blog, die Propagandaschau, weiß, dass „…der naive „linke“ Rassismus die Augen selbst dann [verschließt], wenn die anti-sozialsten Subjekte unter den Migranten sich schwerster Straftaten schuldig machen. In beiden Fällen ist eine oftmals ideologisch motivierte, mangelnde Bereitschaft zur Differenzierung die Ursache.“ Frauen, die es wagen, anlässlich der Kölner Ereignisse auf die allenthalben in Deutschland grassierende sexuelle Gewalt gegen Frauen zu verweisen, die es ablehnen, sexuelle Gewalt zu ethnisieren, gar zu islamisieren und die plötzlich überall aus den Gullis heraufsteigenden Frauenrechtler hinterfragen, werden lächerlich gemacht.

Frauen, die es – zugegeben nicht ganz unproblematisch - wagen, auf das „Oktoberfest“ als ein Synonym für ihre Argumentationslinie hinzuweisen, gehören dann in die Freakshow des lustigen Naivseins eines „…mit dem rot-grünen Spektrum eng verbandelten Gender-Feminismus“. (Sebastian Müller/Le Bohémien). Der Herausgeber dieses im eigenen Selbstverständnis intellektuellen, linken Edel-Blogs macht dann in seinem Feminismus-Bashing sogar den berüchtigten Islamophobiker Hamed Abdel-Samad mit der Verlinkung zu einem Artikel des Genannten ausgerechnet im „Cicero“ zum Zeugen seiner chauvinistischen Anklage. Richtig, Abdel-Samad, das war der Beifahrer in Henryk M. Broders einst unsäglicher TV-Deutschland-Safari.

Es wird suggeriert, dass es tatsächlich eine mehr als relevante Zahl linker Naivlinge mit pathologisch übersensibel eingestelltem Rechts-Trigger in diesem Land gäbe, die ideologisch ferngesteuert dafür plädierten, jedem Nicht-Deutschen eine strafrechtliche Sonderbehandlung angedeihen zu lassen, mehr noch, zu leugnen, dass es überhaupt Straftäter mit „Migrationshintergrund“ geben könne oder gar meinten, Nicht-Deutsche seien per se die besseren Menschen. Wer kennt bloß solche Linke? Ich nicht.

Ken Jebsen kennt sie aber und weiß nach numerisch aufwändigen Doppelblindstudien die Fachwelt aufzuschrecken: "Anders als der rechte Rassist unterstellt der linke Rassist dem Ausländer nicht ab Werk, ein Schurke zu sein, er leugnet bei ihm die Fähigkeit dazu. Aus Angst vor der Realität, die in den eigenen Kreisen kaum laut auszusprechen ist ohne extrem schief angeschaut zu werden“, notiert er in sein öffentliches Tagebuch. Man fasst es kaum, Jebsen muss offenbar den Begriff Doppelblindstudien wörtlich verstanden haben. Aber keine Sorge, der Wahrnehmungscrash ist noch steigerbar: "Wer in Deutschland offen über die existierende Kriminalität bei Nicht-Deutschen spricht, bekommt schnell von den deutschen Leitmedien einen Maulkorb verpasst.“

Bitte, nicht böse sein, wenn jetzt die Tränen aus dem lachenden und dem weinenden Auge gleichzeitig kullern: Das muss man sich wirklich langsam auf der Zunge zergehen lassen nach gefühlten viertausendsiebenhundertundzwei Talkshows zum Thema Zuwanderung/Multikulti/Integration/Islamismus, in denen eine immergleiche, geradezu an systemische Familienaufstellungen erinnernde Regie im Verbund mit der passenden Gästeliste dafür sorgte und sorgt, den Nicht-Deutschen in der Regel zum determinierten Symptomträger zu pathologisieren. Auch die weiteren vierhundertzwölf Quatschbuden mit und ohne Thilo Sarrazin über dessen das Land spaltende phobische Thesen können Ken Jebsen nicht von seiner verqueren Perzeption erlösen.

Sebastian Müller ergänzt jedenfalls kongenial in seinem Blog „Le Bohémien“: “Mit den Stigmatisierungen und dem in “die rechte Ecke stellen”, trägt der linksgrüne Generalkonsens maßgeblich zum Erfolg des Rechtspopulismus bei. Denn wer in “die rechte Ecke gestellt” wird, kann mitunter auch von rechts abgeholt werden.“ Was für eine grandiose Ausblendung der Realitäten! Er blubbert weiter: „Dass man sich zwar die Bekämpfung von Faschismus und Patriarchalismus auf die Fahnen schreibt, diesen aber nicht im Islamismus zu erkennen imstande oder willens ist, zeugt im Übrigen von einem blinden Fleck im linken Denken.“ Mit der Frage nach dem „blinden Fleck“ wäre ich an der Stelle von Sebastian Müller angesichts solcher Gesichte ganz zurückhaltend. Wie kann man als doch halbwegs kluger politischer Beobachter zu solch einer völlig verzerrten Wahrnehmung kommen? Unglaublich.

Es sind dies dieselben Deeskalierungs-Basher, die dann (wie oben schon angesprochen), vor allem ist hier die Propagandaschau an führender Stelle tätig, dem deutschen Rechtspopulismus (u.a. eben Pegida u. Co.) mit einem eigenartig-warmen Verständnis gegenüberstehen. Xenophob begründete Übergriffe auf Flüchtlinge werden in dieser einseitig konditionierten Wahrnehmungswelt zwar nicht gebilligt, aber doch mit einem gefährlichen, nachfühlenden Verständnis begleitet.

Die Propagandaschau schreibt deshalb im vergangenen Oktober einfühlsam: „Politische Gewalt resultiert immer aus Ohnmacht des Individuums oder einer Gruppe, eigene für besonders bedeutsam erachtete Ziele mit gesellschaftlich konformen Mitteln durchzusetzen. Wenn die Bürger in Kommunen – aus welchen Gründen auch immer – mehrheitlich nicht wollen, dass dort Flüchtlinge untergebracht werden und wenn ihnen keine legitimen Mittel zur Verfügung stehen, ihren Willen durchzusetzen, dann ist der Schritt zur Gewalt nicht weit.“

Im November meldet sie zur medialen Rezeption des bekannt gewordenen „Galgen“ innerhalb einer Pegida-Demonstration: „Es geht in Dresden darum, friedlichen Protest zu skandalisieren und ihm Gewalt anzudichten, um weitere Bürger davon abzuhalten, gegen die eigene Regierung auf die Straße zu gehen.“ Propagandistisch wird der Versuch unternommen, den inzwischen überall anzutreffenden „Ich bin kein Rassist, aber…“-Bürger“ vom Vorwurf einer ausländerfeindlicher Schlagseite zu befreien und die allgemeine Rechtskonditionierung in Deutschland auf eine klar zuzuordnende und überschaubare Rassisten- und/oder Nazi-Nische zu reduzieren – es sei denn, der ohnmächtige Bürger fühlt sich zur Gewalt getrieben. Die bei Pegida und ähnlichen Bewegungen zum Vorschein kommende latente Xenophobie und Islamophobie wird entweder bestritten oder zur berechtigten Gegenwehr einer gegen das Wohl der Bürger durchgesetzten Flüchtlingspolitik erhoben; die latente, also von nachvollziehbaren Kausalitäten befreite Xenophobie auf diese Weise gefährlich kaschiert und damit ignoriert. Die überproportionale Xenophobie in den östlichen Bundesländern bei gerade einem Bruchteil des Ausländeranteils im Vergleich zu den Westländern zeigt deutlich, dass die hier ausgegebenen und mit mitunter auch rührender Empathie aufgeladenen Kausalketten völlig einseitiger und damit propagandistischer Natur sind.

Der Hintergrund all dieser Ausblendungen ist der übel gärende Nährboden, aus dem das gegenwärtige Flüchtlingsdrama als „Migrationswaffe“ herausrülpst, womöglich gesteuert von der globalen Finanzelite und inszeniert als Merkels „Refugees Welcome“, um schließlich das Land zu überfremden, zu islamisieren und damit seinen inneren Frieden nachhaltig zu zerstören. An dieser Stelle wird unfreiwillig Horst Seehofer geradezu zum Retter des Abendlandes und selbst Bestsellerautor Thilo S. konnte nicht ahnen, dass seine kruden Szenarien schon bald von ihre Hüte mit Alupapier umwickelnden Hutträgern, also noch weit bescheuerteren Theorienverschwörer derart getoppt werden würden. Wunderbar, ausgerechnet die Finanzmafia zielt auf das Chaos im neoliberalsten Land Europas!

Das alle einende Band, das diese Protagonisten miteinander verknüpft, mit oder ohne Aluhüte, mehr oder weniger rechts-bagatellisierend, verwirrter oder weniger verwirrt, ist das lächerliche Selbstbild eines geradezu totalen Durchblickens, des Eindrucks, Teil einer Elite von intellektuellen Überfliegern zu sein oder eines erlauchten Kreises von Meta-Ebenen-Kraxlern. Man könnte wiehern und gleichzeitig weinen.

Natürlich gibt es sie, die Scheuklappen tragenden Links-Romantiker - und seltsame Feministinnen gibt es auch. Und natürlich gibt es die, die in Köln eine „Inszenierung“ erkennen wollen, die sich als hauptamtliche Faschisten- bzw. Rechts-Jäger mit Mengenrabatt wähnen und die, die die Herausforderung dieser massiven Flüchtlingswelle nicht sehen wollen oder können. Natürlich ist die verzögerte Bericht- oder besser Nicht-Berichterstattung der so genannten „Qualitätsmedien“ zu den Kölner Ereignissen in den ersten Tagen schlicht und einfach propagandistisch zu nennen. Und natürlich ist es mehr als problematisch, die gegenwärtige Politik gegen große Teile der Bevölkerung durchzusetzen. Andererseits: Ginge es nach dem Volk, hätten wir morgen die Todesstrafe und übermorgen keinen einzigen Ausländer mehr im Land – außer Franco, den Pizzabäcker und Ali von der Dönerbude gegenüber natürlich. Diese Debatten um die Aushöhlung der Demokratie ausgerechnet in der Flüchtlingsfrage triefen nur so von doppelten Standards und Verbiegungen.

Es gibt natürlich den schönen Propagandatrick, mit geradezu auffälliger, bemerkenswerter Stringenz Ursache und Wirkung aufzuzeigen, wieder und wieder, nichts zu verschweigen, nichts zu beschönigen – um dann plötzlich, holterdiepolter, doch den Rollladen herunterzulassen und die Wirkung von der Ursache zu entkoppeln. Von der redlichen Schonungslosigkeit bleibt ja sicher was hängen… Deshalb nochmals: Dieses Land ist zu einem großen Teil dafür verantwortlich, warum diese Flüchtlinge hierher fliehen. Über die Grenzen gehen jene, deren Existenzgrundlage von den gewählten deutschen Regierungen mitverantwortlich zerstört wurde und weiterhin zerstört wird. Wer also auch nur die Lippen zu einem scheiß Halbsatz zum Thema Flüchtlinge spitzt, ohne diese Ursachenlage in sich auf Dauer-Plus geschaltet zu haben, der soll die Fresse halten! Pardòn.

Fazit: Eine Debatte über die Flüchtlingspolitik, die sich nicht gleichzeitig mit dem deutschen rechten Mob auseinandersetzt, sich aber leidenschaftlich ihrem ausgemachten, als Links-Rassisten diffamierten Gegner widmet, ist geradezu lächerlich. Der Versuch, die Flüchtlingsproblematik, also die Wirkung, allein der gegenwärtigen Regierungspolitik, ihren medial verbreiteten Sprachregelungen und einer Rotgrünen-Gutmenschen-Community anzuhängen, ist dümmlicher oder ganz bewusster Unsinn. In Deutschland gibt es deshalb zwei Brennpunkte: Die Flüchtlingskrise UND die Rechtskonditionierung der bürgerlichen Schichten. Wer diese Rechtskonditionierung nur in der Kausalität der Flüchtlingsproblematik sehen will und dieser Konditionierung sogar mit wohlwollendem Verständnis begegnet, der hat nichts begriffen und spielt jenen rechten Dumpfbacken in die Hände, die längst die Kommentarspalten vieler Blogs für sich erobert haben. Der wohlfeile Ruf, so berechtigt er auch ist, nach einer längst fälligen Neutralität im Umgang mit Nicht-Deutschen auf jeder Ebene, der Ruf nach der völligen Gleichbehandlung ist nichts weiter als ein akademischer Appell an das Phantom einer Normalität und Neutralität, die es in diesem Land nie gab, nicht gibt und auf lange Zeit nicht geben wird. Denn nichts ist normal im Zusammenleben zwischen völkischen Deutschen und „dem Ausländer“.

Die Schuld an einer nie existierenden Integrationspolitik, die diesen Namen verdient hätte, lastet auf vielen Schultern. Ausgerechnet das rotgrüne Spektrum besonders dafür verantwortlich zu machen, diskreditiert diejenigen, die so etwas behaupten, zu eitlen Plappermäulern. Solange die (fiktive) Meldung im (ebenso fiktiven) Berchtesgadener Heimatboten „Omar A., ein Flüchtling syrischer Herkunft stahl dem Koch das Ei…und Sepp F., gebürtiger Moosbacher, stahl dem Koch das andere Ei… - jetzt ist er eierlos“ nicht in völliger Normalität und mit annähernd gleich niedrigschwelliger Leseremotion aufgenommen wird, solange geht noch viel eitles, wohlfeiles und als megalomaner Meta-Durchblick verkauftes Gelaber ins Land.

Selbstverständlich ist unbedingt darauf hinzuweisen, dass die hier Genannten und auch nicht Genannten überwiegend eine sehr gute und wichtige aufklärerische Arbeit leisten, der Dank gebührt. Sakrosankt ist sie deshalb nicht.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (50)

Magda 03.02.2016 | 13:51

Rumms - klasse. Mir sehr einleuchtende Diagnose.

Also mein Gefühl ist ähnlich, nämlich, dass "Linke" - oder solche, für die das ganze Rechts-Links-Dings nicht mehr wichtig scheint - wenn sie sich zur Flüchtlingsfrage äußern, über die finsteren Pläne des Kapitalismus sinnieren, die ihre Aufnahme hier bewerkstelligt haben und über die Regierungspoliitk, die deren Marionette ist. Und - dass hinter allem ein böser Plan steckt, den wir alle nicht durchschauen nur die Universalplan-Versteher sind dazu in der Lage. Von lebendigen Menschen handelt die Linke im Moment nicht. Aber das haben Sie hier vel besser geschrieben.

Das alle einende Band, das diese Protagonisten miteinander verknüpft, mit oder ohne Aluhüte, mehr oder weniger rechts-bagatellisierend, verwirrter oder weniger verwirrt, ist das lächerliche Selbstbild eines geradezu totalen Durchblickens, des Eindrucks, Teil einer Elite von intellektuellen Überfliegern zu sein oder eines erlauchten Kreises von Meta-Ebenen-Kraxlern. Man könnte wiehern und gleichzeitig weinen.

Ich frage mich genau wie Sie, ob die nicht alle einen Sparren haben.

Es verdeckt - aus meiner Sicht - vor allem, die Unfähigkeit von Leuten, die sich als links verstehen zur Solidarität mit den Flüchtlingen und - bitteschön - zur kritischen Solidarität mit einer Regierung, die erstmal fertig werden muss mit enormen Problemen statt die Demokratie weiter auszuhöhlen - vielleicht noch mit "klammheimlicher Freude".

Es gibt natürlich den schönen Propagandatrick, mit geradezu auffälliger, bemerkenswerter Stringenz Ursache und Wirkung aufzuzeigen, wieder und wieder, nichts zu verschweigen, nichts zu beschönigen – um dann plötzlich, holterdiepolter, doch den Rollladen herunterzulassen und die Wirkung von der Ursache zu entkoppeln.

Wissen Sie, was mir da einfällt. Die schönen Lehrsätze von Professor Mausfeld, der in seinem "Schweigen der Lämmer" zu den Instrumenten der Manipulation in diesen Zeiten das Fragmentieren von Darstellungen zählt. Mir scheint manchmal, manche Rechts-Links-Welterklärer verwenden dieses Muster in ähnlicher Weise. Vielleicht bejubeln sie ihn deshalb so sehr.

iDog 03.02.2016 | 17:56

Kann es sein, dass der "linke Rassist" ein Oxymeron ist und daher nur ein ideologisches Konstrukt im Krieg der Worte, psychotisches Wahngebilde. Einen "Linken"oder eine "Linke", der/die gleichzeitig Rassist/in ist , ist nicht links - kann nicht links sein. Punkt.

Mit anderen Worten hieße das: Wenn hier einer von "linken Rassisten" redet, meint er dann Rassisten, die sich als Linke ausgeben ? Oder versucht er Linke zu diskreditieren, und wenn dann welche? Es geht ja nur um Rechte in dieser Scheindebatte. Sollen Rechte in Linke umgedeutet werden?

Anders betrachtet ist es wichtig festzuhalten, dass die allgemeine Heuchelei faktisch keine Grenzen kennt. In dem Zusammenhang sind alle, wie sie da sind, nicht links, liebäugeln allenfalls mit linkem Gedankengut, können es aber mitnichten in die Praxis umsetzen. Wie auch? Es gibt keine Möglichkeit sich dem Zwangscharakter der kapitalistischen Herrschaft zu entziehen. Wir dienen ihr alle, ob wir wollen oder nicht, uns links nennen oder nicht.

Der tragische Witz dabei ist, und das haben wir von denen gelernt , die unter Rassismus wirklich litten ( MelcolmX zB.), dass der Kapitalismus ohne diesen gar nicht existieren könnte. Kapitalismus ist auf Ausgrenzung systematisch angewiesen und wäre ohne diesen nicht das geworden, was er ist, denn er ist ein auf Konkurrenz beruhendes Auschlussprinzip. Dieses wird, um ein strategisches "Teile und Herrsche" zu applizieren auch gern über die Animation des latenten Fremdenhasses organisiert, vor allem dann, wenn die sozialen Spannungen durch extreme, kapitalistische Aktivitäten (hier neoliberler Umverteilungsturbo) Höhepunkte erreichen. Da kommt es manchen dann leicht so vor, als kämen die geflüchteten Fremden wie gerufen, um diesen Pseude-Konflikt am kochen zu halten und um zu verhindern, dass die immer zahlreicher werden Verlierer sich nicht gegen die Herrschaften wenden, sondern untereinander beharken, ohne freilich zu merken, dass sie die eigenen Leidensgenossen im Extremfall abschlachten anstatt die elitäre Konkurrenz, von der sie alle kalkuliert ins Prekariat abgedrängt wurde, seien das nun lokale oder gerade erst angekommene "Neuarme" ...

Wer also das pseudodemokratisch inszenierte Links-Recht-Schema befeuert, das nichts als eine weitere Variante dieser selben miesen Scharade, dieses selben Aufbockers ist, diese nicht kritisch zu hinterfragen weiß, sitzt mit denen im selben Boot, die sich "linke Rassisten" ausdenken.

Das alte Links-Rechts-Schema ist zur theoretischen Karteileiche des Klassenkampfes verkommen in einem sich totalitär und antidemokratisch durchsetzenden Turbokapitalismus. Es wird also höchste Zeit sich für den Klassenkampf eine neue Strategie auszudenken, jenseits von Links-Rechts und vor allem jenseits von ”Teile und Herrsche” und dem Futtertroggerangel der etablierter Salonrevolutionäre und anderen institutionalisierten Ablenkungsmanövern. Und das, weil es faktisch keine ”Linke” gibt, die auch nur irgend etwas zu melden hätte. Nur daher wird der rassistische rechte Rand medialisiert wie schon lange nicht mehr, denn der bedient den Neoliberalismus mit dem, was ihm am meisten nützt: Entsolidarisierung. Und es ist keine Linke zur Stelle , die sich glaubhafte Gehör verschafft hätte.

Die dann folgende Kritik an der nicht vorhandene Linken wird vor allem von denen abgelehnt, die sich nur als Linke gerne sähe, ohne aber reaktionsfähig oder links zu sein. Eine reichlich absurde Situation, das, in der man nun praktisch darum streitet wer oder was denn nun "links" sei, wer sich dieses geheuchelte Mäntelchen nun anziehen darf oder nicht. Die herrenschde eliet reibts sich derweil die Hände, weil sie unbelästigt davon kommt mit jedem Afront, jeder Affaire, und sei die noch so anmaßend und willkürlich.

Mission accomplished, nennt man das wohl. So wird da nie echter Widerstand draus. Auf keinen Fall, und gegen was denn auch? Das bleibt in all der staatlich unterstützten, rechten Vernebelung verborgen.

Es steht aber fest: Es gibt gute Gründe für einen aktiven Widerstand und es gibt falsche Gründe dafür und dagegen. Aber mit der sogenannten "Querfront" Debatte oder mit der ähnlich dümmblöden zu "linken Rassisten" wird das nix ...

MaggieStone 03.02.2016 | 19:00

Ich beobachte eher:

1. Die einen von uns rufen "Pegida-Versteher", die anderen "Islamisten-Versteher" und beide rufen sich zu "Kenne ich nicht". Wie wärs mit bei-der-Sache-bleiben anstatt rhetorisch aufzurüsten? (wobei ich Emotionen durchaus begrüße,aber das ist etwas anderes, als jemandem "halt die Fresse" zuzurufen.)

2. Sogenannte "Linke" verabschieden sich zunehmend von einem ihrer Grundprinzipien, der Kritik (im strengen Sinne) und Analyse der kapitalistischen Verhältnisse, und tendieren immer mehr zu einer Art "Gesinnungskritik". Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum Magda von "finsteren Plänen des Kapitalismus" spricht, wo es offensichtlich ist, dass alle genannten Punkte in direktem Zusammenhang mit dem Kapitalismus stehen.

Nun verurteile ich diese Art von Diskussion nicht, denn Kapitalismuskritik ohne Wertediskussion und Selbstkritik führt in den Abgrund, aber ebenso limitiert bleibt jede Diskussion über Flüchtlinge, Rassismus, Kitas oder die EU ohne die Frage nach den tieferliegenden Voraussetzungen (sodass jede Kritik am US-Imperialismus absolut unterstützenswert, aber gleichzeitig begrenzt ist, da, wer Bush und Obama wählt, davon ausgehen muss, dass er Big (Military) Business wählt.)

Reyes Carrillo 03.02.2016 | 19:30

Ich finde Ihre Analysen im Großen und Ganzen richtig – und wenn nicht so zwingend richtig, dann mindestens nachvollziehbar. Trotzdem bleibe ich bei oder in Ihrem Text irgendwie stecken. Das mag aber vor allem daran liegen, dass ich nicht zwingend eine Freundin der „großen Analyse“ bin, also des Adlerfluges. Wahrscheinlich rührt das daher, dass ich das selbst nicht gut kann und diejenigen neidisch bewundere, die es können. Ich bin deshalb eher in der Maulwurf-Ebene zu Hause.

Heftig widersprechen indes tue ich der wie eine Krake um sich greifenden Sicht, Links und Rechts hätten sich als Kategorien überholt (ich weiß, dass Sie das Thema weit differenzierter behandeln). Cui bono? Natürlich dem Neoliberalismus. Ich bin überzeugt davon, dass diese Posaune von den sich verwischenden Grenzen der Ideologien eine Propaganda-Posaune aus der neoliberalen Agenda ist. Links, völlig egal, in welchem mentalen, visionären und revolutionären Aggregatzustand auch immer, hat nach wie vor ein Menschen- und Gesellschaftsbild vor Augen, das sich diametral von allen anderen politischen Ideen und Imaginationen unterscheidet. Eigentlich würde ich an dieser Stelle sagen: Für heute Basta! Ich glaub’, ich tu’s auch.

Magda 03.02.2016 | 19:50

Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum Magda von "finsteren Plänen des Kapitalismus" spricht, wo es offensichtlich ist, dass alle genannten Punkte in direktem Zusammenhang mit dem Kapitalismus stehen.

"Finstere Pläne" war eher ironisch gemeint. Auch ich sehe durchaus, dass es Ursachen und Wirkungen gibt. Sehe aber auch, dass sich damit für viele, die kapitalismuskritisch sind, die Analyse schon wieder erledigt hat.

Es steht alles immer im Zusammenhang mit dem Kapitalismus. Oder besser: Es steht - auch - im Zusammenhang mit dem Kapitalismus, hat aber - hin und wieder - auch noch andere Ursachen.

MaggieStone 03.02.2016 | 20:41

Dann habe ich den Satz falsch verstanden. Es liest sich nämlich so, als wundern Sie sich darüber, dass Leute über den Kapitalismus als Grundlage der Flüchtlingskrise "sinnieren".

Ich glaube, dass es unerlässlich ist, den Unterschied zu ziehen zwischen Marionetten mit geheimen Plänen (was nicht selten auf eine antisemitische Verschwörungstheorie hinausläuft) und solchen ohne Plan, wozu ich die tonangebenden Regierungen, nicht nur der EU, zählen würde.

Ein Blick auf das Thema Migration von der Bertelsmann-Stiftung:

Der Arbeitsmarkt braucht künftig mehr Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten, um das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg.

Nach den unterschiedlichen Szenarien in der Studie benötigt Deutschland bis 2050 pro Jahr zwischen 276.000 und 491.000 Menschen aus Nicht-EU-Staaten.

Die Experten rechnen bis 2050 im Jahresdurchschnitt nur noch mit bis zu 70.000 Einwanderern aus EU-Staaten. Daher sollten die Bemühungen um qualifizierte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten intensiviert werden.

Ich will mich jetzt nicht zu irgendwelchen Behauptungen versteigen, aber die Kritik an den offenen Grenzen kommt heute kaum noch von links, was so nachvollziehbar wie gefährlich ist, denn die offenen Grenzen propagieren, allen voran, die Verfechter der "freien" Märkte.

JR's China Blog 03.02.2016 | 21:32

Mir scheint manchmal, manche Rechts-Links-Welterklärer verwenden dieses Muster in ähnlicher Weise.

Die Versuchung zum spin-doctoring ist tatsächlich nicht nur bei Berufspolitikern groß. Dabei könnte sich gerade ein Normalbürger durchaus ein Leben ohne manipulative Trickkiste leisten.

Ein Schmutzfink ist, wer nicht bedenkt,

sprach der Systemkritiker und warf seinen Matschmolli.

Magda 03.02.2016 | 21:57

Es ist bei Zusammenhängen immer die Frage, wo man anfängt, sie zu sehen und da wo sie konstruiert sind. Die Bemühung um Arbeitskräfte aus Ländern der Dritten Welt finden doch seit Jahrzehnten statt. "Braindraining" heißt das Stichwort dazu. Wenn aber die Idee aufkommt, irgendeine imperiale Macht habe das alles inszeniert um - am Ende der Entwicklung - "Manpower" zur Verfügung zu haben, dann ist die Beweiskette zu lang. Ich hoffe, ich habe mich verständlich gemacht. Flüchtlinge können immer eine Waffe sein. Im Moment sind sie eine in der Hand der Türkei. Sie können einkalkuliert werden, aber sie sind kein "Endziel". Das meine ich.

Reinhold Schramm 03.02.2016 | 22:00

Die Linke steht für die sozial-ökonomisch-ökologische und gesellschaftspolitische Gleichheit; keine "Gleichmacherei".

Gleichheit: unabhängig von der [ursprünglichen sozioökonomischen] Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe.

Die Linke steht für die reale Gleichstellung der Frau, für die gesamtgesellschaftliche (humanistische) Emanzipation.

Die Linke steht für die Überwindung der Entfremdung von Mensch, Umwelt und Natur.

Für die sozialrevolutionäre Überwindung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Und als entscheidende gesellschaftspolitische und sozialökonomische Voraussetzung hierfür: für die Aufhebung des Privateigentums an gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmitteln (einschließlich Grund und Boden, Rohstoffe und Bodenschätze, Wasser und Luft, Tier -Natur- und Pflanzenwelt etc.).

Für die weltweite Überführung der gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmittel in Gemeineigentum [der gesamten Menschheit].

Für die weltweite Überwindung und ein Ende der Klassengesellschaft.

Für die sozial-revolutionäre und sozial-humanistische Beseitigung des Kapitalismus und Imperialismus.

Für eine hochwertige, qualitative und sozial-ökonomisch-ökologische Kreislaufwirtschaft, weltweit! -- im Zukunftsinteresse aller (-- zukünftig gleichberechtigten --) Menschen!

Aus diesen Positionen heraus bestimmt sich die (heutige) Beurteilung einer gesellschaftspolitischen Stellung für die Linke, -- weltweit!

MaggieStone 03.02.2016 | 23:35

Von einer einzigen, großen Inszenierung spreche ich nicht und von einem Endziel schon gar nicht. Das wäre auch naiv, weil die Angelegenheit Kapitalismus dafür etwas zu groß ist resp. sich verselbstständigt hat. Alle Versuche der Geldpolitik - ob in Tokio, Washington oder Brüssel - zeigen doch, was sie eigentlich sind: Ausdruck schierer Panik. Ein Nobelpreisträger will uns darauf vorbereiten, dass es halt mal "die eine oder andere Blase geben wird".

Was ich denke, ist, dass große Entwicklungen entweder gestoppt oder gefördert (auch durch Krieg) werden – immer im Hinblick auf kapitalistische Sachzwänge. Die Beweislast liegt wirklich bei denen, die behaupten, Flüchtlingspolitik könnte überhaupt noch ohne "den Markt" gemacht werden. Frau Merkel ist ja nicht Rosa Luxemburg. Dass sie, im stillen Kämmerchen, ein größeres Herz für Flüchtlinge als Erdogan hat? Mag sein, spielt aber effektiv keine Rolle.

Ich denke, Flüchtlinge können in diesem Zusammenhang sowohl die Rolle der billigen resp. gut ausgebildeten Arbeitskraft als auch die Rolle einer Drohung für alle längst Abgehängten übernehmen (Zetsche: "Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land."), je nach Bedarf und Wirtschaftslage.

Deswegen muss man ja nicht gleich unterschlagen, dass es, in unserer Zeit, ohne Elende keine Seligen gibt, wie auch die meisten Seligen nur glauben, dass sie welche sind, während sie längst zu den Elenden gehören:

https://www.youtube.com/watch?v=QPKKQnijnsM

iDog 04.02.2016 | 10:47

Danke der Nachfrage. Ich denke selber.

Vielleicht habe ich mich unprezise ausgedrückt. Mich interessiert was Sie für "noch andere Ursachen" halten. Sie persönlich. Das ist meistens der Sinn einer Frage, die der eine Forist an den anderen stellt.

Ich frag hier also ausdrücklich nicht nach vermeintlichen Allgemeinplätzen, von denen man ausgehen könnte, sondern nach dem Ergebnis ihres Denkens, das sie in Ihrem Kommentar weiter oben angedeutet hatten. Danke.

Charlie Schulze 04.02.2016 | 16:46

Guter Beitrag. Allerdings, bei aller Richtigkeit der Schlussfolgerungen: Das (verwandte) Phänomen positiver Rassismus existiert ja durchaus: Juden seien überdurchschittlich intelligent, diese und jene Volksgruppe habe "den Rhythmus im Blut", Asiaten vertrügen genetisch bedingt keinen Alkohol, Indianer seien schwindelfrei, haben wir alle schon mal gehört, und nie genau hinterfragt, wie viel Anteile Statistik, Wissenschaft, Legende dem zugrunde liegen und wie individuell zutreffend das dann wirklich ist ... Und weil positiver Rassismus nicht so direkt destruktiv zu Buche schlägt, schleicht sich möglicherweise auch öfter das Gefühl ein, er ließe sich sogar irgendwie ausgleichend anwenden... Dem Individuum gegenüber, das sich zu diesen Behauptungen verhalten muss, bleibt es aber Rassismus.

denkzone8 04.02.2016 | 17:20

"kapitalismus ist auf ausgrenzung systematisch angewiesen." ..gehts noch? kapitalismus ist weder rassistisch noch anti-rassistisch. er beruht auf erweiterter kapital-reproduktion durch ausnutzung des arbeits-vermögens über dessen reproduktions-kosten hinaus. öl-gesellschaften akzeptieren sogar wahabitische feudal-herren, wenns dem gewinn dient. großkonzerne verkaufen auch gelben oder schwarzen konsum-güter, richten sogar ihre werbung drauf-ein, ihre gewinne zu realisieren. das, was kapital eliminiert, ausgrenzt, ist kapital-schwache(damit technologie-schwache) konkurrenz, solche, die um am markt mithalten zu können, gewinn-abstriche inkauf-nimmt.

chinesische kapitalisten(marx spricht von funktionären des kapitals,charakter-masken) machen ein freundliches gesicht zu geschäfts-leuten jeder art.

das rassismus-schema,teile-und-herrsche-strategien sind älter als das k-system, daß allerdings traditionen nicht prioritär auf-löst, manchmal sich ihrer bedient. ..vergessen?

iDog 04.02.2016 | 21:25

versteh was sie meinen, gebe aber zu bedenken , dass der entsprechende Diskurs der afroamerikanischen Bürger dazu auch nicht zu vernachlässigen ist - bezog mich in sofern auf MelcolmX - haben sie sicher gesehen. Die Reden diese Mannes sind lesenswert.

Die koloniale Vergangenheit und neokoloniale Gegewart des Kapitalismus ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. - zumal in Bezug auf die ursprügliche Bereicherung.

Hierbei sei auch auf den Beginn der Globalsierung seit Kolumbus verwiesen (siehe dazu zB. Sloterdyk). Die Conquista sah amerikanische, indigene Bevölkerung nicht mal als Menschen an. Das auch diese Zeit durchaus schon unter schuldengetriebenen Kaptalismus fällt, kann man heute in entsprechende wissenschaftlichen bzw. anthropologischen oder soziologischen Untersuchungen nachlesen, unter anderem bei David Graeber.

Dass Geld nie den Respekt vor Geld verliert, was Sie hier ja vorbringen, ist systemimmanent logisch. Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, sagt man. In dem Fall , und nur in dem redet man wohl eher von Konkurrenz , Geschäftsmodellen oder wenn es hart auf hart kommt von Feindschaft und Krieg. Was allerdings letztendlich alles aufs selber hinausläuft: Auf erstrebte Niederlage, Übernahme, Enteignung und Ausgrenzung. ... anstatt auf Kooperation oder gar Solidarität.

Was wir hier nun noch nicht berührt haben, ist die Koherenz von Kapitalismus, Eigentum bzw. Privatisiation und Patriarchat. Dazu gibt es heute auch reichlich Sachkunde und Kompetenz. Und damit ist man dann auch bei der systematischen Ausgrenzung eines gesamten Geschlechts, der Frauen, angelangt, auf deren unbezahlte oder schlechter bezahlte Arbeit und Leistung sich heute zum Teil der Kapitalismus noch stützt, stützen muss, und ohne den er kaum existieren könnte. Dazu ist vor allem der sogenannte "Bielefelder Ansatz" enpfehlenswert.

Jetzt werden sie sagen : aber das ist doch kein Rassisimus. Kann man so sehen, wenn man will. Die Varianten der systmatischen Ausgrenzung sind zwar verschieden kategorisiert , laufen aber immer auf das selbe Prinzip und Ergebnis hinaus. Auch Fremdenhass hatt immer ökonomische Ursachen - auch wenn dieser nur deligiert und/oder über die "soziale Leiter" nach unten durchgereicht wird.

Diese ganze Prinzip sollten wir aufgeben.

Sebastian Hartig 05.02.2016 | 01:37

Ich halte diesen text für entsetzlich. Ich bin froh, dass es diese Stimmen gibt, die Sie kritisieren. Sonst hätten die Rechten, Konservativen und auch die antideutschen Linken, die sich teilweise kaum noch von den Neocons unterscheiden, noch leichteres Spiel, die traditionellen und anti-imperialistischen Linken als unkritisch gegenüber dem Islam oder gar als Verbündete der Islamisten zu diffamieren.

Gerade sah ich auch dieses Interview mit Wojna von der "Bandbreite", der davor warnt, die Mitläufer von Pegida & Co pauschal zu diffamieren, weil sie das nur in ihrem Feindbild bestärken wird: https://www.youtube.com/watch?v=uHvpyAmKJC0&index=1&list=LLwAKyXXnr0IWTQNIBZhtE1A

Mattis 05.02.2016 | 19:20

"Xenophob begründete Übergriffe auf Flüchtlinge werden in dieser einseitig konditionierten Wahrnehmungswelt zwar nicht gebilligt, aber doch mit einem gefährlichen, nachfühlenden Verständnis begleitet."

So ist es - während abgesehen von dieser einen Ausnahme ansonsten jede Form von nachfühlendem Verständnis immer als naives Gutmenschentum abqualifiziert wird.

Interessant ist auch, wie beschrieben, die andauernde Beschwörung, dass für die Hinwendung nach rechts die Linke schuld ist, die einfach brave Bürger in die rechte Ecke stellt, wo sie doch ganz und gar nicht hingehören, niemals nicht - und jetzt sind sie dort, weil die Linke es so wollte ... wow, soviel Macht soll die Linke haben?

Dass man lange Zeit Ausländerkriminalität nicht groß herausgestellt hat - außer immer schon in einschlägigen Bild-Zeitungen - hatte 1. den Grund, dass diese nicht höher ist als die deutsche, und 2. dass man verständlicherweise vermeiden wollte, dass noch mehr Ausländer zusammengeschlagen und Heime angezündet werden.

Wenn es um das Außmaß rechter Gewalt geht, legt man seitens der Linken-Basher plötzlich gar nicht soviel wert auf "schonungslose" Statistiken. Denn das sind natürlich alles nur Einzeltäter ...

Reyes Carrillo 06.02.2016 | 06:54

Sie haben völlig Recht: Es leben die doppelten Standards!

Lesenswert innerhalb dieser Kontexte das Interview von Jens Wernicke mit Jürgen Roth gestern in den NDS über dessen neues Buch "Der tiefe Staat". http://www.nachdenkseiten.de/?p=30905

Der Witz dabei: In der Analyse sind sich Roth und die intellektuellen Überflieger der Propagandaschau, Ken Jebsen inkl. des eigentlich hochgeschätzten Dirk Pohlmann, der Härings Norbert und natürlich auch der (Stichwort: Ukraine) von vielen Linken gefeierte Wimmers Willy usw. völlig einig, in der Diagnose und den Konsequenzen jedoch biegen genannte "Aufklärer" dann plötzlich rechts ab. Roth aber behält den klaren Überblick und legt den Finger tief in das faschistoide, fremdenfeindliche Erbe (er nennt es den "politischen Fingerabdruck") der Deutschen. Und hier muss wirklich haarklein aufgepasst werden: Bis zu einem wirklich verblüffend hohen Grad gibt es zwischen diesen beiden "Lagern" Gemeinsamkeiten von der Neoliberalismuskritik über TTIP, Hartz IV und Demokratieabbau angefangen bis hin zu den nahezu identischen Ursachenanalysen der Fluchtbewegungen. Und plötzlich ist da eben diese eine, alles entscheidende Abzweigung: Rechts oder Links? (Man höre bitte mit dem verschleiernden Geschwafel vom Verschwimmen der ideologischen Grenzen auf! Denn diese Verschleierung dient im vorliegenden Fall einzig dem Zweck, die Rechtskonditionierung aus der eigenen Haltung tilgen und anstelle dessen eine selbstdefinierte amorphe Meta-Ebene etablieren zu wollen – bewusst oder unbewusst.) Wie gesagt, das muss klarer und präziser denn je erkannt werden: Was hier und heute geradezu als „gesundes Volksempfinden“ verkauft werden soll, ist der alte, braune Fingerabdruck, von dem Roth spricht. So lange diese Brandstifter in ihren medialen Auswürfen nicht täglich in derselben Klarheit ebenso detailliert von den, richtig: täglichen Anschlägen auf Ausländer/Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte berichten, so lange entziehen sie sich selbst jede Glaubwürdigkeit und Seriosität, vor allem aber werden sie freiwillig oder unfreiwillig, bewusst oder unbewusst zu Kollaborateuren genau der Eliten, die sie bekämpfen wollen. Diese immer wieder nett gesetzten, automatisiert wirkenden Plattitüden von der Ablehnung jeglicher Gewalt gegenüber Fremden ist gleichzeitig die Negation einer geradezu „strukturellen“ Xenophobie und macht die Sache nur schlimmer.

An dieser Stelle nochmals, da es hier immer wieder Missverständnisse gibt: Die aufklärerische wichtige, gute und auch sehr gute Arbeit der hier Aufgezählten soll mit dieser aktuellen Kritik keineswegs negiert werden!

Mattis 06.02.2016 | 10:11

Die "Alternative" zur "Lügenpresse" wird dann wohl die Wahrheitspresse sein, herausgegeben vom Wahrheits-Ministerium, Orwells 1984 lässt grüßen.

Einseitige Berichterstattung wird dann noch eine gigantische Untertreibung sein. Dann wird alles wahrwerden, was die Rechten jetzt der Linken vorwerfen, aber natürlich wird dann - bei umgedrehten Vorzeichen - alles gerechtfertigt sein: totale Kontrolle der Öffentlichkeit, ja klar, aber doch nur, um die Nation zu retten, Verfolgung der Linken, ja klar, aber doch nur, um das deutsche Volk vor deren Gutmenschentum zu bewahren, Abbau des Sozialen, ja klar, aber doch nur, um die Schmarotzer kaltzustellen und alle Arbeitskraft ganz in den Dienst Deutschlands zu stellen.

Das Thalheimer-Zitat auf den Nachdenkseiten ist wirklich erschreckend; wenn man sich klarmacht, dass dieser Mann das schon 1929 gesagt hat, etliche Jahre vor Hitlers Machtergreifung:

„Die Diktatur ist noch nicht da. Sind aber die Bedingungen geschaffen, so wird sich die nötige Figur irgendwie und irgendwo finden."

Dann werden Linke, und nicht nur die, wieder aus Deutschland fliehen müssen.

denkzone8 06.02.2016 | 18:46

das alte braune erbe..könnte man doch ausschlagen.

es kommt aber darauf an, die aktuellen systemischen kräfte zu erkennen, die das wieder-beleben. die re-animation oder das offenbar-werden dieses widerstands, daß sich von zer-bröselnden sozial-staat-illusionen und vaterlands-hoffnungen nährt, das zurückbleiben gegen die aufnahme der flüchtlinge wütend bemerk-bar macht....s.u.

denkzone8 06.02.2016 | 18:59

august thalheimer hat mit der anwendung der marxschen bonapartimus-these nicht nur eine historisch-spezifische anwendung geleistet, sondern eine systemische analyse der damals aktuellen klassen/schichtungs-verhältnisse im kapitalistischen krisen-staat.

der verweis auf irgendwelches rechte erbe verdeckt die analyse von interessen, mentalitäten, aversionen, die im eiapopeia der medien und gut-willigen(aber (betriebs-)blinden, moral-ge-powerten) nur ab-gelehnt, nicht begriffen werden. wer sich um verständnis(nicht ein-verständnis) bemüht, ist auf der scheinbar gestrigen seite.

mymind 07.02.2016 | 01:09

Neu dabei ist eine sich so noch nicht gezeigt habende Links-Rechts(außen)-Koalition mit allen ihren Variablen. Es ist dies ein naturbedingt widersprüchliches Lager, das sich aber vor allem in der Bewertung des us-amerikanischen NATO-Imperialismus, der positiven Rezeption russischer Außenpolitik und in der Analyse der von den USA und in seinen jeweiligen Vasallenstaaten gesteuerten Medien weitgehend einig ist. Weiterhin gemein ist ihm, den massiven, nach wie vor ungeregelten Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland einseitig zu katastrophisieren und darüber das dramatische ausländerfeindliche Potential in diesem Land durch ein völlig unverantwortliches, seltsames Verständnis gegenüber Pegida und Co. zu bagatellisieren und damit geradezu zu legitimieren…

Sorry Reyes Carrillo_ sie basteln sich da aus sämtlichen Kritiken | kritischen Einstellungen ein Zeug zusammen, & schmieden daraus eine recht-linke Koalition, die es so gar nicht gibt. Ich frage mich, was sie dazu bewegt….

Die Kritik an der imperialistischen Geopolitik des kapitalistischen Westens war immer ein Hauptbestandteil linker Politik & wurde aus der rechten Ecke nie vernommen _ I.Ü. auch nicht aus der etablierten, ehem. linken Riege à la SPD. Bei den Grünen versandete die Debatte Dank Personalwechsel an der Spitze & verhalf diesen Parteigranden damit auch zu einer Regierungsbeteiligung. Na ja, alles hat seinen Preis, warum nicht auch ein grünes Gewissen…

Ich frage mich auch, welche recht-linke oder links-rechte Fraktion Sie meinen, die sich an einer Rot-grünen-Community oder einer Art linksgrünen Gutmenschentums abarbeitet & denen einen Links-Rassismus unterstellt. Sie benennen in Ihren Beitrag ein paar Namen _ nur kann ich aus diesen einzelnen Protagonisten weder eine Zugehörigkeit einer Koalition noch Fraktion erkennen.

Kann es sein, dass Sie einfach mal ein bischen hier & dort etwas aufgeschnappt haben & das alles mal just for fun zu einem Beitragssüppchen kochen wollten _ egal ob die Zutaten passen?

denkzone8 07.02.2016 | 04:56

.."solidarität mit einer regierung, die erstmal fertig werden muß mit enormen problemen statt die demokratie weiter auszuhöhlen."(=läßt sich prima miß-verstehen)

keine angst, trotz der enormen probleme wird die regierung weiterhin, simultan, die demokratie weiter aus-höhlen. und die schrauben weiter anziehen, weil ja widerstand aus diesen enormen problemen erwächst.

der wohlfeile abscheu gegen übergriffe des us-imperialismus macht noch keinen linken, oder? und Ist die Linke links? wie die gut-willigen in der spd? frau merkel? unzufriedenheit mit diesem und jenem, mängel-rügen wegen abweichung von moralischen idealen? was heute auf dem polit-markt als links sich ettikettiert, hat nichts zu befürchten....ein un-trügliches zeichen für kompatible integration.

Reyes Carrillo 07.02.2016 | 09:47

Ich bin zwar nicht @magda, aber...

Sie haben völlig Recht, liebe Denkzone8, da gibt es wirklich ein buntes Völkchen von sich als irgendwie links wahrnehmenden Zeitgenossen. In der Tat: Manche davon sind sogar ziemlich schwer erträglich, aber immerhin irgendwie erträglich. Gänzlich unerträglich indes sind die Genossen von der dogmatischen Marxismus-Fraktion, die es zuverlässig (um es aufs Virtuelle zu beschränken) in jedem Forum und in jedem Blog gibt. Ihr Auftreten ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das sind dann jeweils diese selbsternannten Blog-Politehrer. Jeder kennt diesen Berufsstand: Nichts ist vor ihrem im Blut der singulären Wahrheit geschärften Urteil sicher und es gibt natürlich nichts, das vor ihren Augen standhielte. Der Umgang mit diesen Besserwissenslehrern ist zwar nicht immer einfach, aber mit der Zeit weiß man dann doch, welch scharfe Böen öfter auch durch die Ritzen solcher Links-Autoritäten pfeifen.

Ach ja, kennen Sie eigentlich auch so jemanden?

denkzone8 07.02.2016 | 10:32

wenn sie meinen,daß besseres wissen versteckt gehört, schwammigkeit prämiert, des-orientierung zum öffentlichen schwätzen dazu-gehört: bin ich dagegen. daß sich das mit dem einräumen vom recht auf irrtum, recht auf wissens-lücken verträgt, könnten sie in meinen kommentaren des letzten jahres erkennen.

der kinder-psychologin verständlich zu sein: die geduld, die man ausdrucks-gehemmten kindern zugestehen muß, halte ich bei einer medial so präsenten stimme nicht für angebracht: sie weiß ja meist, sich abzudecken. wo sie m.e. unsägliches exponiert, erlaub ich mir ab und zu: gegenzuhalten.

in zeiten, in denen das wahl-volk durch selbst-verschaffte klarheit sich und anderen einiges ersparen könnte, das öffentlich-wirksame denken die einzige waffe gegen über-mächtige system-interessen ist, unterstütze ich jeden versuch, zu-mutungen widerstand entgegen-zusetzen.

die groko, ihre personage und ihre journalistischen helfer gehören für mich nicht zum schützens-werten. anderes, macht-loseres zu bemängeln, fehlt mir meistens die kraft.

Reyes Carrillo 07.02.2016 | 15:56

Dass Sie natürlich entsprechend retournieren, habe ich mir selbst eingebrockt, klar. Ich habe hinsichtlich der Spezies der (gern auch universitären) Marxismus-Theoretiker einfach ein recht zuverlässiges Frühwarnsystem entwickelt. Aber auch dieses System ist freilich nicht vor menschlichem Versagen geschützt. Sollte ich mich bei Ihnen also getäuscht haben und Sie verfügen tatsächlich über die raren Tugenden des Selbstzweifels und des Irrtums, dann entschuldige ich mich gern. Schauen Sie, wenn ich auf meinem Kontinent, aber vor allem auf Kuba mit Marxisten diskutiere, dann ist das eine Wohltat und weitet meine politische Seele. In Deutschland jedoch habe ich mir das schnell abgewöhnt, denn nirgendwo auf dieser Erde habe ich je solch „bibeltreue“, also sture, eitle, narzisstische und eben vor allem unerträglich besserwisserische Marxisten kennengelernt wie in diesem Land. (Angesichts der jüngeren Geschichte ja auch nicht ganz überraschend.) Und auch dies werden die meisten Blogger bestätigen können: Wirklich jeder – irgendwie linke – Blog hat seinen marxistischen Hauslehrer, der sich berufen fühlt, anderen doofen Linken Nachhilfeunterricht zu erteilen. Das ist einfach so, und wäre es nicht so, wäre es erstens sehr verdächtig und zweitens würde dann etwas fehlen. Wie gesagt, wenn Sie’s nicht sind, dann wirklich sorry. Bin ja noch neu hier.

Dies hier würde ich aber gern noch genauer wissen:

der kinder-psychologin verständlich zu sein: die geduld, die man ausdrucks-gehemmten kindern zugestehen muß, halte ich bei einer medial so präsenten stimme nicht für angebracht: sie weiß ja meist, sich abzudecken. wo sie m.e. unsägliches exponiert, erlaub ich mir ab und zu: gegenzuhalten.

Was oder wen meinen Sie damit? Am End’ mich?

Mattis 07.02.2016 | 18:37

"Wirklich jeder – irgendwie linke – Blog hat seinen marxistischen Hauslehrer, der sich berufen fühlt, anderen doofen Linken Nachhilfeunterricht zu erteilen."

Vielen Dank für diesen pauschalen Nachhilfeunterricht an die irgendwie Linken. Da muss ich jetzt doch mal intervenieren.

Es ist doch keine angemessene Kritik, anderen vorzuwerfen, 1. sie würden sich an irgendeinem Theoretiker oder Praktiker orientieren, und 2. sie wären sich nicht einig, sondern würden offene Auseinandersetzungen führen, und 3. jemand der einen Blog aufzieht, würde darin doch tatsächlich seine eigenen Positionen vertreten ...

Urteilen Sie über die Demokraten der etablierten Parteien genauso? Über die Konservativen, die Liberalen, die Sozialdemokraten? Und über die Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen und Kirchen? Oder kennen Sie die dazugehörigen Blogs und Zeitungen nicht?

Glauben Sie, es gibt irgend jemanden - außer Ihnen? -, der keine Vorbilder hat, an denen er/sie sich orientiert, in der Meinung, diese hätten eben was Richtiges, Bedenkenswertes und Lehrreiches von sich gegeben, auf das man aufbauen könnte?

Offensichtlich ist es so, dass die Linken eben ihre Differenzen nicht zudecken, sondern offen diskutieren, nicht weil sie das so toll finden, sondern weil es halt notwendig ist, wenn man starke Differenzen hat.

Was wäre eigentlich, die Linke würde sich unter einer Einheitsfahne sammeln und alle internen Widersprüche überdecken? Damit nach außen ein Eindruck der Geschlossenheit fingiert würde? Eine Art Sozialistische Einheitspartei Deutschlands? - Na dann möchte ich mal Ihr Urteil darüber lesen!

Wie sieht es eigentlich mit Ihren Vorbildern, Vordenkern oder anderweitigen "Hauslehrern" aus? Ist da nichts? Gibts da keinerlei ehrenwerte oder in Ehren gehaltene Namen?

Können Sie eine einzigen "marxistischen Hauslehrer" fundiert widerlegen, ohne dabei einen allgemein anerkannten Allgemeinplatz dazu zu formulieren, der bestimmt auch aus der Gedankenwelt eines bekannten Akademikers oder Autors stammt?

Reyes Carrillo 08.02.2016 | 07:04

Oh weh, was gießen Sie denn da für einen Kübel von in rhetorische Fragen verkleideten Unterstellungen über mich aus? Geht’s noch? Da nehmen Sie sich ja wirklich viel vor: Solch einen wohlfeilen, von political correctness triefenden Haufen Plattitüden im Verbund mit einer geradezu proseminaristisch stilisierten Einführung in die Essenzen demokratischer Streitkultur und Toleranz, einer allgemeinen Betrachtung des Links-Diskurses und schließlich gar noch philosophischen Reflexionen über das Wesen des Wissens hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. Und das alles als anklagende Antwort auf den von Ihnen zitierten Satz? Wahnsinn! Das ist definitiv zu viel der Ehre!

Aber ach, es ist dies einmal mehr ein Glanzbeispiel des typischen, selbstgefälligen Geschreibsels für die Galerie, innerhalb dessen dem anvisierten Protagonisten nur die Rolle des Stichwortgebers für die eigene, schlaue Botschaft zukommt. Denn Ihr kleiner Aufsatz, lieber Mattis,hat natürlich mit einer halbwegs adäquaten Entgegnung auf meine und die von vielen anderen gemachten Erfahrung im gemeinen, linken Blog-Wesen nichts zu tun. Dass Sie ganz offensichtlich keine Blog-Erfahrung haben, können Sie dabei mir nicht anlasten. Meine singuläre (!) Kritik an einer gewissen Spezies sich als unfehlbarer einschätzender Politlehrer dogmatisch-marxistischer Genese mal so mir nichts dir nichts mit Ihren vorwurfsvollen Grundsatzfragen zu vermengen und mich damit figurativ quasi ins hochnothpeinliche Verhör zu nehmen, ist schlicht unredlich und, Hand aufs Herz, einfach nur albern.

Mattis 08.02.2016 | 18:08

"Meine singuläre (!) Kritik an einer gewissen Spezies sich als unfehlbarer einschätzender Politlehrer dogmatisch-marxistischer Genese mal so mir nichts dir nichts mit Ihren vorwurfsvollen Grundsatzfragen zu vermengen und mich damit figurativ quasi ins hochnothpeinliche Verhör zu nehmen, ist schlicht unredlich und, Hand aufs Herz, einfach nur albern."

Wieso singuläre Kritik? Sie haben geschrieben:

"Wirklich jeder – irgendwie linke – Blog hat seinen marxistischen Hauslehrer, der sich berufen fühlt, anderen doofen Linken Nachhilfeunterricht zu erteilen."

Wirklich jeder - irgendwie linke ... komisch, ich sehe darin eine sehr weit ausgreifende, pauschale Aburteilung, also keine "Singularität". Wer sie dennoch entdeckt, darf mich gerne aufklären.

Reyes Carrillo 09.02.2016 | 02:39

Da will ich doch gern zur Aufklärung beitragen – obschon, es ist einfach ärgerlich. Was soll diese Dummstellerei?

Wirklich jeder – irgendwie linke – Blog hat seinen marxistischen Hauslehrer, der sich berufen fühlt, anderen doofen Linken Nachhilfeunterricht zu erteilen.

Genau so ist es! Nochmals: Ich kann nichts dafür, wenn Sie keine Erfahrungen in anderen Blogs und damit keine Ahnung haben. Und wirklich: Wollen Sie mich allen Ernstes vera…en? Singulär sind doch nicht die Blogs, sondern singulär ist meine Zielgruppe dogmatisch-marxistischer Hauslehrer. Was daran ist bitteschön pauschal? Gar nix. Was soll also dieses ganze dumme Geschwätz?

Aber genug mit Ihren Absurditäten, jetzt wird’s langsam Zeit, dass Sie sich bei mir für Ihre unsäglichen Unterstellungen entschuldigen anstatt weiter Haare zu spalten! Die cojones dafür werden Sie wohl hoffentlich haben – nassforsch daherplappern geht ja schließlich auch. Das war's dann auch von meiner Seite; für diesen Unsinn ist mir meine Zeit zu schade.

Mattis 09.02.2016 | 17:23

Was soll die helle Aufregung.

"Was daran ist bitteschön pauschal?"

Hier meine Antwort auf Ihre Frage: "jeder - irgendwie linke Blog" ist eine pauschale Aussage über alle irgendwie linke Blogs hinweg.

"Ich kann nichts dafür, wenn Sie keine Erfahrungen in anderen Blogs und damit keine Ahnung haben."

Ich bin in mehreren "irgendwie" linken Blogs unterwegs, bei denen ich mich mit den von Ihnen als "Hauslehrer" titulierten Publizisten inhaltlich auseinandersetze und meistens abweichender Ansicht bin, und werde dort trotzdem nicht als "doof" beurteilt.

Aber obwohl Sie das nicht wissen - was nicht weiter schlimm wäre -, behaupten Sie einfach, ich hätte in anderen Blogs keine Erfahrungen. Also etliche der "marxistischen Hauslehrer" sind im Diskussionsstil durchaus angenehmer als Ihre moralisierende Art, selbst bei inhaltlich großen Differenzen. Vielleicht hatten Sie sich ja ausgerechnet die wüstesten Blogs ausgesucht, wer weiß. Lassen Sie es nicht an den anderen aus.

Bei mir muss sich übrigens niemand entschuldigen, das wollen nur Oberlehrer.