Rheinbogen

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RE: Köhlers Nachfolge: Das kurze Rennen bis zum 30. Juni | 31.05.2010 | 20:46

Hat Köhler die Wahrheit ausgesprochen? Ja, natürlich hat er das, freiwillig oder doch eher unfreiwillig, vielleicht aufgrund eines Freudschen Versprechers. Jedenfalls steht er nicht zu dieser Wahrheit. Die Wahrheit würde alles verändern. Krieg für die unterdrückten Frauen? Das glaubt eh keiner. Krieg für die Sicherheit Deutschlands? Glauben manche, vielleicht viele, auch wenn es doch viel logischer erscheint, dass der Afghanistan-"Einsatz" eher die Unsicherheit erhöht, was meiner Meinung nach von einigen Politikern durchaus nicht unerwünscht ist. Krieg um die Vorherrschaft über die Ressourcen oder für die geostrategische Positionierung oder die Interessen der Großindustrie? Das macht deutlich mehr Sinn, führt aber das ganze moralische Gedöns ad absurdum. Wollen die Menschen das?

Die alten Römer wussten vermutlich, dass ihre Soldaten nicht für eine bessere Welt kämpften, sondern für ein reicheres Rom. Die Amerikaner als moderne Weltmacht ahnen es vielleicht, aber ausgesprochen wird es jedenfalls nicht. Das Volk glaubt an den gerechten Krieg, an die gute Sache, daran, dass die eigenen Jungs und Mädels die Guten, die des jeweiligen Feindes die Bösen sind. Ein Obama würde sich niemals hinstellen und zugeben, dass Amerika für seine eigenen Interessen kämpft und nichts anderes, und dass diese Interessen von einem ganz kleinen Zirkel - und nicht etwa dem Volk als Souverän - definiert werden.

Deutschland ist seit ca. 20 Jahren dabei, ebenfalls wieder diesen Weg zu gehen, der nach dem Ende des 2. Weltkriegs lange Zeit undenkbar schien (obwohl man als Lakai der USA indirekt bereits beteiligt war). Eine Debatte genau um dieses Thema, nicht über das Amt des Bundespräsidenten, wäre jetzt wichtig und angesagt.

RE: Mr. Obama hat sich geirrt | 03.05.2010 | 23:04

Mich kann Obama auch nicht enttäuschen, er hätte mich allenfalls positiv überraschen können, da ich nichts von ihm erwartete. Insofern macht er - "No we can't" - auch nichts von dem, was man von einem Heilsbringer (als den ihn erschreckenderweise viele zu sehen scheinen) zwar erwarten könnte, aber eben nicht von einem amerikanischen Präsidenten. Weder beendet er die grausamen Kriege (gar nicht zu reden von einem Eingeständnis, dass diese ungerechtfertigt sind und mit Tricks und Lügen herbeigeführt wurden), noch kann er für Frieden in Nahost sorgen, noch verordnet er seinen Landsleuten mehr Sparsamkeit im Umgang mit Resourcen wie Öl (sie haben ganz schön viel eigenes, was ihnen aber nicht genügt, weshalb auch Obama weiter Kriege führt und immer riskanter vor seinen eigenen Küsten bohren lässt, weil er den American Irrweg weiter zu beschreiten gedenkt) oder geht voran bei einer wirklichen Reform des Wirtschaftssystems. Er setzt die Außenpolitik der US-Regierungen seit Menschengedenken fort und macht eine in Nuancen unterschiedliche Innenpolitik im Vergleich zum Vorgänger, zumindest aus unserer Sicht, aus der die amerikanische Gesundheitspolitik eigentlich und aller Medienpräsenz zum Trotz die Relevanz eines umgefallenen Reissacks in China hat. Weshalb Bush in Europa so unbeliebt war, kann ich gut verstehen, weshalb aber Obama derart beliebt ist, bleibt für mich ein Rätsel. Wenn ich mir überlege, mit was für einem Wahlkampf er gewonnen hat und wie ihn am liebsten sogar viele Deutsche gleich mitgewählt hätten, schwant mir sehr Ungutes im Hinblick auf einen Blender deutscher Machart, der früher oder später auf den Plan treten und das Volk für irgendeinen Irrsinn begeistern wird. Da muss man sich nur mal an den Stammtischen umhören, was dort schon jetzt z.B. über Griechenland abgesondert wird, da wird einem ganz schlecht.

RE: Man muss die Energie nicht in Twitter stecken | 30.04.2010 | 15:50

Zum Glück lässt sich der deutsche Wähler nicht durch diesen Firlefanz mobilisieren - wenigsten ein Unsinn, den wir noch nicht von den Amerikanern übernommen haben. Die Politiker sollen einen Wettstreit um die bessere Politik austragen und dafür sorgen, dass es ihren Bürgern besser geht. Das ist ihre Aufgabe und nicht, wer besser "twittert" oder mehr Wahlkampfspenden per Internet eintreibt. Auch ein Obama ist kein Heilsbringer, auch der kocht nur mit Wasser und "soziale Medien" (so ein unsinniger Begriff!) können vielleicht für höhere Spenden sorgen, aber nicht für das tägliche Brot, saubere Luft oder das Ende der Kriege. Im Übrigen ist es eine Mär, dass uns die USA technisch voraus sind. Sie sind uns, abgesehen vielleicht vom Internet, in vielem sogar eher hinterher. Das aber nur am Rande.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Twitter, Facebook Co sind Modeerscheinungen. Solche kommen und gehen bekanntlich, und in diesen Fällen würde ich ihr Gehen nicht im Geringsten bedauern.

RE: Ganz ruhige Lage | 18.04.2010 | 22:44

Ich würde nicht mal ein geschenktes nehmen.....

RE: Bespitzelt die CIA Wikileaks? - "Der Freitag" recherchiert | 26.03.2010 | 11:46

Ich bin über diese Vorgänge leider überhaupt nicht erstaunt, im Gegenteil, ich gehe davon aus, dass sie nur die Spitze eines riesigen Eisbergs sind. In Anspielung auf ein in den Massenmedien aktuell sehr präsentes Thema sei mir die Bemerkung erlaubt: China ist überall! (Noch zugespitzter: "Demokratie" und "Freiheit" sind auch im Westen sehr relative Begriffe)

RE: Der arschcoole Entscharfmacher | 21.03.2010 | 14:10

Ein "Anti-Kriegsfilm", bei dem man "ein klein wenig Lust kriegt, auch mal in den Krieg zu ziehen" - ich glaube, ich werde mir den Film schenken. Hört sich an wie "der Krieg ist schlimm, aber die Amis trotzdem cool". So was braucht kein Mensch, davon gibt's schon Hunderte von Filmen. Auf den Film, der zeigt, warum dieser Krieg überhaupt stattfindet (ich gehe davon aus, dass viele Amerikaner immer noch glauben, der Irak habe etwas mit 9/11 zu tun und es gebe dort Massenvernichtungswaffen) oder was die amerikanische Uranmunition bei irakischen Babys anrichtet, werden wir eh vergeblich warten, und wenn Hollywood ihn jemals machte, würde er garantiert nicht nur niemanden interessieren, sondern außerdem auch keine Oscars gewinnen.

"Mad Men" - was ist das? Eine Serie über Bush, Rumsfeld und Cheney?

RE: Mein Problem mit Minaretten | 15.12.2009 | 09:09

Das ist nur leider kein Beweis, weil schon nach 10 Sekunden von "noch Zukunftsmusik" die rede ist und von "wenn es nach dem Willen der islamischen Gemeinde geht". Deren Sprecher sagt dann auch nur, man wolle, dass die Rufe auf dem Gelände der Moschee gehört werden könnten. Ich kann dazu auch nur nochmal betonen, dass mir das alltägliche Kirchenglockengeläute in aller Regel kräftig auf die Nerven geht, ohne dass irgendjemand diese meine Beschwerde auch nur anhören würde.

Inhaltlich ist der Muezzinruf ja ganz offenbar eher harmlos - ersetzt man Mohammed durch Jesus, passt er auch für Christen. Ein Witz ist, dass die Leute auf der Straße immer wieder Sätze sagen wie: "Das belästigt mich, das bedroht mich etc., aber ich habe natürlich nichts gegen Muslime". Ich behaupte mal, das ist in den meisten Fällen gelogen. Mehr Ehrlichkeit bitte! Dann kann auch die Debatte auf die notwendige Weise geführt werden.

RE: Mein Problem mit Minaretten | 15.12.2009 | 08:54

@ Donnerstag: Ich war ein paar Tage verreist, daher erst jetzt eine kurze Antwort:

"Ich finde, wer behauptet, es gäbe keine Integrationsprobleme, der soll auch so konsequent sein und seine eigenen Kinder nicht auf die Waldorfschule schicken, sondern auf die Rütlischule."

Mal abgesehen davon, dass jeder seine Kinder dort hinschicken darf, wo er will, wenn er denn kann, stimmt es leider, dass ein solches Verhalten die Probleme zementiert. Allerdings kenne ich persönlich niemanden, der behauptet, es gebe gar keine Probleme. Weder in der Politik, noch auf der Straße. Nur: Was bewirken da Minarettverbote? Das ist doch die eigentliche Frage. Die Integrationsprobleme müssen gelöst werden, aber doch nicht so. Die ganze Debatte lenkt vom eigentlichen Thema ab. Was hat das mit "Denkverboten" zu tun? Es geht nicht ums Denken, Denken ist immer erstmal gut. Aber nach dem Denken kommt das Handeln, und das ist in der Schweiz schonmal schiefgelaufen. Viewlleicht aus nachvollziehbaren Gründen, aber das ändert nichts am meiner Meinung nach fatalen Ergebnis.

RE: Mein Problem mit Minaretten | 11.12.2009 | 13:26

@ Hakan089: Ich habe nichts von "schrillem Nationalismus" geschrieben, schon gar nicht in Bezug auf den Donnerstag. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen.

RE: Mein Problem mit Minaretten | 11.12.2009 | 08:50

@ Hakan089: "Zu dem "Frauen sind alle Nutten": Darüber gibt es keinen Diskussionsbedarf, dafür gibt es natürlich keine Toleranz."

Ich habe einen 9-jährigen Sohn. Wenn Sie hören könnten, was der aus der Schule für Sprüche mitbringt.... Das hat überhaupt nichts mit Türken, Migranten oder Islam zu tun. Die Sprüche hat er von Leon oder Max oder wem auch immer, und es ist nicht immer einfach, zwischen vorpubertierendem und inakzeptablem Verhalten zu unterscheiden. Beispiele wie die von Donnerstag sind für diese Debatte ungeeignet. Auch bei deutschen (vermeintlich oder tatsächlich christlich erzogenen) Kindern gibt es genügend Erziehungs- und Bildungsdefizite, und wenn wir uns darum mehr kümmerten, würden wir auch die Migrantenkinder mitziehen. Aber Minarettverbote sind halt einfacher und spektakulärer und lenken so schön von den eigentlichen Problemen ab.