Banater Trostlosigkeit

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Esther Kinskys neuer Roman Banatsko ist im ungarischen Banat situiert. Die namenlose Protagonistin, Kinskys alter ego, quartiert sich in einem verlassenen, reparaturbedürftigen Haus in dem Ort Battonya ein, der sich in der Nähe der ungarisch-rumänischen Grenze befindet. Sie kommt mit den Bewohnern ins Gespräch, nimmt ihre Dienste in Anspruch und Bereist das Banat auf ungarischem, rumänischem und serbischem Boden. Ihre Stationen sind Mezöhegyes, Határ, Aradu Nou, Covasinț, Grabaț, Pađej - um nur einige zu nennen. Immer wieder geht es um die Erfahrung von Entfernung, Weite und die Trostlosigkeit der Ebene.

Man merkt sehr schnell, dass es sich nicht um einen klassischen Roman handelt. Es ist vielmehr die Beschreibung einer Region, ihrer Landschaft, ihren Menschen und dem Umgang mit der Lebenssituation. Auch kann es als ein Prozess der Eingewöhnung gelesen werden.

Kinskys Sprache vermittelt den Eindruck von Verlassenheit und Eintönigkeit, aus der die Bewohner in der Kneipe mit der Musik des Akkordeonspielers entfliehen. Durch die Beschreibungen von Entfernungen, den Blick immer an den Horizont geheftet, der so nahe scheint, weil nichts die Weite unterbricht, wird eine Melancholie heraufbeschworen, wie es bislang die Maler der Romantik konnten - man erinnere sich nur an Casper David Friedrichs Mönch am Meer oder Das Eismeer.

Die sprachliche Komposition macht das Buch zu einem Lesegenuss, der bis zum Schluss nicht geschmälert wird. Hier liegt die Leidenschaft "zusammengefaltet in einer ungeputzten Ecke". Die Dinge mahnen ständig an die Möglichkeit ihrer Abwesenheit und die Dämmerung bricht herein, als würde die "schmächtige Helligkeit von irgendwoher aus der Luft gesaugt".

Esther Kinsky, Banatsko, Matthes & Seitz, Berlin 2011, 246 Seiten, 19,90 €

12:40 19.04.2011
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