Wenn deutsche Schüler Massenmörder werden

Nicht-Terroristen Es begann 1999 an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado: Seitdem üben sich frustrierte deutsche und finnische Schüler im Massenmord- und nicht im Amoklauf!
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Am 26. April 2002 erschoss im Johann-Gutenberg-Gymnasium in Erfurt der 19jährige Robert Steinhäuser 16 Menschen bevor er sich selbst tötete. Am 11. März 2009 erschoss an der Albertville-Realschule in Winnenden der 17jährige Tim Kretschmer 15 Menschen bevor er sich selbst tötete. Am 22. Juli 2016 erschoss am und im Olympia-Einkaufszentrum im Münchner Stadtteil Moosbach der 18jährige David S. neun Menschen bevor er sich selbst tötete. Vom 26. April 2002 bis zum 22. Juli 2016 ermordeten innerhalb von nicht ganz 15 Jahren in Deutschland drei Schüler insgesamt 40 Menschen.

Alle drei Delikte werden „offiziell“ als Amokläufe bezeichnet. Nichts stimmt weniger. Alle drei Taten waren langfristig geplante und wohlüberlegte Massenmorde. Amok, dieses aus der Seemannssprache übernommene Wort aus dem Malaiischen bezeichnet eine Tat, wo jemand blindwütig und ohne Herr über seine sieben Sinne zu sein um sich schlägt, tritt, sticht oder schießt und weder überlegt noch geplant handelt – wenn also die Münchner Polizei von einem „klassischen Amoklauf“ spricht, dann ist das mindestens genauso richtig wie die Tatsache, dass laut Polizei und Medien stundenlang "drei islamische oder rechtsradikale Terroristen mit Langwaffen“ München am 22. Juli in Panik versetzt haben.

Zu den Gemeinsamkeiten: Alle drei waren Schüler. Zwei von ihnen waren trainierte Sportschützen und sie setzten für den geplanten Massenmord geeignete Waffen ein. Sowohl Steinhäuser als auch David S. liebten gewaltverherrlichende Videospiele. Von David S. wurde bekannt, dass er sich intensiv mit der Tat von Winnenden beschäftigte – während Steinhäuser sich am amerikanischen Vorbild orientierte: Am 20. April 1999 erschossen an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado der 18jährige Eric David Harris und der 17jährige Dylan Benet Klebold 13 Menschen bevor sie sich selbst töteten – auch sie liebten gewaltverherrlichende Videospiele.

Die beiden Amerikaner und Kretschmer konzentrierten sich bei ihrem Massenmord auf Schüler – wobei Kretschmer gezielt Schülerinnen erschoss, da er ein Problem mit Mädchen hatte. Steinhäuser in Erfurt dagegen betätigte sich als Lehrer-Mörder, da er Lehrern die Schuld an seinem Scheitern in der Schule gab – die ebenfalls von ihm getötete Sekretärin, die Schüler und ein Polizist waren wohl eher Kollateralschäden. David S. erschoss gezielt junge Leute mit Migrationshintergrund: Albaner, Türken und Griechen.

Was die amerikanischen Massenmörder mit den Massenmördern von Winnenden und Erfurt zudem verbindet: Sie alle erschossen Opfer, die praktisch keine Wahl hatten – sie mussten sich an den Orten wo sie getötet wurden aufhalten. Ganz anders in München: Hier wurde erstmalig ein Köder ausgelegt. Der Täter gab sich offenbar im Netz als junge Türkin aus, die etwas spendieren wollte.

Fühlte sich Steinhäuser von den Lehrern benachteiligt und Kretschmer von den Mädchen verachtet, so war David S. schon zwei Mal Opfer von anderen jungen Leuten mit Migrationshintergrund geworden – einmal das Opfer eines Diebstahls und einmal erlitt er eine Körperverletzung. Alle Schüler wollten sich also für erlittene Schmach an „ihren Peinigern“ rächen – und wählte dabei gezielt Opfer aus der Gruppe aus, von denen sie sich nicht ernst genommen fühlten: Junge Migranten, Mädchen und Lehrer. Sie töteten niemals wahllos sondern immer bewusst und gezielt.

Neu ist in München die Reaktion von Sicherheitskräfen, Medien und Politikern: Niemals wurde bisher eine ganze Stadt lahm gelegt – nicht in Erfurt, Winnenden und schon gar nicht in den USA. Die ARD setzte sich nach Kräften dafür ein, die gesamte Nation in den Terror-Modus zu versetzen. Nicht PEGIDA verkündete quasi den Untergang des Abendlandes durch einen denkbaren Anschlag von ausländischen Terroristen - es war das Staatsfernsehen, welches sich selbst in den Ausnahmezustand versetzte.

Die Polizei von Bayern und München beruft sich bei ihrer maßlosen Überreaktion auf die vorangegangenen Taten in Nizza und Würzburg zur Rechtfertigung – nahe aber liegt etwas ganz anderes: Während zu Jahresanfang 2016 kein Wort über die Vorfälle von Köln verlautete, feierte die Münchner Polizei tagelang vereitelte Terroranschläge. Später musste zugegeben werden, dass die angeblichen Anschlagsplanungen nie existiert haben. Es liegt somit der Verdacht nahe, dass Bundesinnenministerium und bayrisches Innenministerium im Juli das Programm abspulten, das schon im Januar geplant war: Das könnte auch erklären, warum angeblich „drei Terroristen mit Langwaffen“ stundenlang durch München spuken und die Menschen in Angst und Schrecken halten mussten – ein 18jähriger im Waffengebrauch ungeübter Schüler mit einem kleinen Colt war in diesem Szenario nicht vorgesehen.

Jetzt endlich konnte auch der Sicherheitsrat in Berlin einmal einberufen werden – Bayern wird seine Polizei und Sicherheitskräfte massiv verstärken und De Maziere seinen lange gehegten Plan die Bundeswehr endlich auch im Inneren einzusetzen durchführen. Der Polizei- und Sicherheitsstaat hat dann endgültig gewonnen während die Grundprobleme nicht angesprochen werden: Nach amerikanischem Vorbild betätigen sich deutsche Schüler als Massenmörder in einem Ausmaß wie nirgendwo sonst auf der Welt – weder in Afrika noch in Europa oder Asien. Es geht dabei niemals um politische Gründe und es sind auch keine Amokläufe. Es geht schlicht um Rache für erlittene Demütigungen. Der Münchner Schütze war nicht geübt. In dem Milieu, aus dem er stammt, gibt es keine Sportschützen und keine leicht frei zugänglichen Waffen – deshalb konnte er mit seiner Waffe nicht ganz so viel Schaden anrichten wie Steinhäuser oder Kretschmer. Was das Besondere an seiner Tat ausmacht und eine neue Qualität bedeutet: Niemand von den Opfern hätte am Tatort sein müssen – die Getöteten folgten der Einladung einer völlig unbekannten weiblichen Person als die sich der Täter im virtuellen Raum ausgegeben hatte, ohne sich auch nur im geringsten zu vergewissern, wer sie da wirklich wozu eingeladen hatte.

So lange amerikanische wie deutsche Schüler dazu neigen ihre erlittenen oder eingebildeten Demütigungen mit der Waffe in der Hand zu rächen wird kein Polizei- oder Militärstaat der Welt weitere dieser Taten verhindern – im Gegenteil: Je umfassender und ausführlicher die Medien darüber berichten, um so mehr Nachahmungstäter werden sich finden. Kein Land der Welt außerhalb der USA hat bislang mehr Schüler-Massenmörder hervor gebracht als Deutschland – niemals haben erwachsene Täter mit einer Schusswaffe seit Bestehen der Bundesrepublik derartig viele Menschen umgebracht wie es Schüler in den letzten 15 Jahren geschafft haben. Alle Taten haben weder etwas mit Islamismus oder Rechtsradikalismus zu tun – es ging stets um nicht mehr als um Satisfaktion für gekränkte Schüler-Seelen! Wer auf dieser Grundlage den Sicherheitsstaat einführt schafft keine Sicherheit sondern sorgt dafür, dass in Zukunft noch mehr mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird – am meisten profitieren dabei vor allen Dingen die, die die Kanonen herstellen... In deren Interesse liegen aber auch noch mehr „Amokläufe“!

Bei der sozialwissenschaftlichen Analyse von Schüler-Massenmorden, die eine Voraussetzung für politische Handlungsempfehlungen sein sollten, würde sich eine Kooperation von deutschen mit amerikanischen und finnischen Sozialforschungseinrichtungen anbieten: Im finnischen Schulzentrum Jokela erschoss der 18jährige finnische Schüler Pekka-Eric Auvinen am 7. November 2007 acht Menschen. In der westfinnischen Kleinstadt Kauhajoki erschoss der 22jährige Berufsschüller Matti Juhani Saari am 23. September 2008 zehn Menschen bevor er sich selbst tötete. Als der finnische Präsident Sauli Niinistö im Fernsehen 2012 nach einer neuerlichen Mordtat gefragt wurde, warum gerade junge Männer solche Verbrechen begingen, verwies er auf gesellschaftliche Ursachen wie die Wettbewerbsgesellschaft: Man würde sich zu hohe Ziele setzen und nicht lernen mit Misserfolgen umzugehen – gerade bei jungen Männern führe das zur Frustration, die in nach außen gewendete Gewalt mündet. Eine solche Überlegung hat bisher noch kein deutscher Politiker angestellt – geschweige denn eine Bundeskanzlerin.

12:27 24.07.2016
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Geschrieben von

Ric DD

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