Instagram

Soziale Medien App der Ambivalenz
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Vor eine Weile hatte ich eine Wette mit meinem Freund Giuseppe. Er hat mich überredet Instagram herunterzuladen. Man muss über mich wissen: Ich bin eigentlich nicht sehr affin, was soziale Medien angeht. Exodus war früher oft die Devise. So wenig Kommunikation über soziale Medien wie möglich. Mich störte die Art und Weise, wie soziale Medien unsere Kommunikation verändert haben. Wahrscheinlich stört sie mich immer noch. Manchmal sehne ich mich nach den Zeiten vor dem iPhone mit dem guten alten Nokia zurück. Alles so schnell heute. Wer hat denn noch ein Treffen, an dem nicht irgendwann das Smartphone gezückt wird? Inwieweit bestimmen soziale Medien unseren Alltag?

Meine Freunde, sagten schon vor Jahren: „Richard, was?! Du hast kein Facebook, kein Instagram! Wie kannst du nur so leben?”

Eingebetteter Medieninhalt

Ich hatte nie Interesse Teil dieser Community zu sein. Zu viel Verkauf von Daten. Facebook, nein danke. Zu oberflächlich. Ein Karussell, ein Karussell als soziales Medium. Alles dreht sich im Kreis. Leute posten Fotos von sich, wollen likes, follower - ein kleines bisschen Selbstbestätigung. Manche mehr, manche weniger. Manche mit mehr, manche mit weniger Bedacht.

In meiner Wette mit Giuseppe sollte ich, in dem gut einen Monat, in dem ich nun Instagram verwende pro Tag, mindestens ein Bild und eine Story posten. Immerhin hatte ich ein wenig Zeit. Immer ein bisschen mehr Ruhe im Dezember. Mit viel Bedacht, hab’ ich die Posts nicht ausgewählt. Ein paar tagesaktuelle Bilder, ein paar alte Erinnerungen. Das, womit ich mich gerade beschäftigte oder was mir in den Sinn kam. Zwischen dem privaten Account und dem öffentlichen habe ich des öfteren gewechselt.

Eingebetteter Medieninhalt

Will ich, dass jede*r meine doch recht privaten Fotos und Storys sehen kann? Ich habe selbst gemerkt, wie mir das Posten auf einmal gefiel. Brauch‘ ich diese Selbstbestätigung? Kommunikation mit meinen Freunden, okay, aber mit so vielen anderen?

Andererseits hatten einige Freunde und Bekannte doch ganz schöne Einblicke in mein derzeitiges Leben. Und ich andersherum ebenfalls. Mit meinen “engen Freunden” hab ich einige Momente aus meinem Alltag geteilt. Da wir alle so verteilt sind in Europa, war es schon schön diese Momente zu teilen. Gerade in Corona-Zeiten, wo man sich doch so schlecht besuchen kann. Diese Möglichkeiten hatten wir zu den Zeiten mit meinem Nokia ohne Kamera natürlich nicht.

Ich konnte ein paar alte „Freunde“ - bei Facebook sind doch alle Freunde - wiederfinden, deren Nummern ich nicht mehr hatte. Ich weiß nicht, wie ich sie sonst bekommen hätte.

Doch was ist der Mehrwert? Das Gefühl (trotz Corona) nicht allein zu sein. Wie viel Zeit verbringe ich auf Instagram? Könnte ich sie nicht “sinnvoller” nutzen?

Selbstreflexion findet auf dieser oberflächlichen Plattform doch eher weniger statt. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass dort Bewegungen, wie #exitfacebook viel Anklang fänden. Obwohl doch alle diese Plattformen zu Facebook gehören. Was ist uns das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung schon wert? Ich würde die App aber auch nicht komplett verdammen. Für mich ist sie nur purer Ausdruck von Ambivalenz.

Am Ende ist es wie bei allen sozialen Medien. Es kommt viel darauf an, wie wir selbst Instagram nutzen, nutzen wollen.

11:47 03.01.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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