Radikale Realpolitik

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Der Parteitag der Linkspartei ist vorüber. Und man ist etwas verwundert, denn es geht ja nicht um 8 oder 10 Euro Mindestlohn, wie die Nachrichten suggerieren. Was die Öffentlichkeit nicht thematisiert, sind zwei alte Probleme von historischem Ausmaß, die hinter den Konflikten der Strömungen liegen.

Zum einen muss nun auch die Linkspartei als Teil der Linken Alternativen zur heutigen Gesellschaft formulieren. Angesichts der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts nach wie vor eine gigantische Aufgabe. Das große Bild kann nicht entworfen werden. Vielmehr eröffnen erst die Details den Blick auf utopische Ziele. Aber so schlecht sieht es nicht aus. Innerhalb der pluralen Linken gibt es viele spannende Ansätze und Lösungsvorschläge, man muss sie nur sehen wollen. Übrigens: Der politische Gegenspieler zeigt mit dem Finger auf die Linke und überspielt nur die eigene Perspektivlosigkeit.

Zum anderen bleibt die alte Frage nach dem richtigen Verhältnis von Reform und Revolution. Ein Klassiker. Frigga Haug hat dazu in einem neuen Büchlein der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen brillianten Artikel geschrieben. Haug rekonstruiert das Konzept der radikalen Realpolitik von Rosa Luxemburg und schafft es mit einer bewundernswerten Leichtigkeit, den klassischen Text für die gegenwärtigen Debatten nutzbar zu machen. Weiter skizziert sie in wenigen Worten und sehr plastisch ihre "Vier-in-einem-Perspektive". Damit zeigt sie, wie beispielsweise die Forderung nach Kitas, die ja alle Parteien aufstellen, als linke Politik gestaltet werden kann.

Genaugenommen halte ich den Text für alle, die sich mit der Linken beschäftigen, für eine echte Pflichtlektüre. Und das ganze gibts als Download...

19:44 21.06.2009
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Geschrieben von

RichardHeigl

Historiker
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