Gegenrede: Mehr Leichtigkeit

EZB und der Protest Fast alle Proteste der gegenwärtigen Bewegungen in diesem Land haben gute Argumente. Auch am 18.3. gegen die EZB. Aber es fehlt etwas anderes: Masse und Leichtigkeit.
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Nachdem auch durch angekündigte Proteste die Eröffnungsfeier der EZB schon mächtig geschrumpft wurde, gibt es eigentlich keine Notwendigkeit mehr, unter der Woche zu demonstrieren. Und nachdem die Pozilei ab Montag Teile und dann am Mittwoch die gesamte Stadt rund um die EZB lahmlegt, braucht es die Aktionen erst recht nicht mehr.

Eine leichtere, humorvollere Protestbewegung würde sich verabreden und am Mittwoch gar nicht kommen. Mit Hilfe der Polzilei wäre das Ziel nämlich erreicht - sozusagen "ausgesorced".

Ich verstehe die Verbissenheit und die Realitätsblindheit nicht. Glauben die selbsternannten "Aktivisten" (was ist das eigentlich?) wirklich und ernsthaft, die kleine Feierlichkeit verhindern zu können? Und warum eigentlich?

Warum muss diese Verbissenheit sein? Es wird eh nicht gelingen.

Ja, die Polzilei macht Bürgerkriegsübungen. Ja, eine schwarz-grüne Stadtregierung macht mit. Peinlich, peinlich in Anbedracht der liberalen Tradition der Stadt.

Das liefe aber alles ins Leere, würden die Protestler kurzfristig umschwenken, den Mittwoch absagen. Ein ganzes Land würde über die Pozilei und die schwarz-grüne Stadtregierung herzlich lachen. Dafür verabredet man sich vielleicht zu einem Rock- oder Musikfestival "Change the EU", mit ganz viel Musik aus ganz vielen Ländern. Dann kämen vielleicht mehr Menschen. Und die EZB ist bis dahin auch noch da. Leider.

Aber einige Selbstgerechte Protestmenschen meinen, allen anderen sagen zu müssen, wie Protest funktioniert.

Und eine kleine Gruppe glaubt offensichtlich daran, wirklich die EZB physisch attackieren zu müssen und zu können. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese wenigen nur die Randale wollen. Auf Kosten vieler anderer Protestierer und ohne Rücksicht auf Verluste.

Das ist aber ziemlich unpolitisch, wie oft Aktionismus. Eine Art Selbstbefriedigung. Wir brauchen keine interventionistische Linke, wir brauchen eine satirische oder humorvolle Linke.

Jetzt weiß ich auch, warum das mittwochs sein muss: Weil am Wochenende ist Fußball-Bundesliga. Da muss ja dort geprügelt werden. Oder? Naja, das Niveau wäre ähnlich.

Natürlich ist der indirekte Anlass, die Politik der EZB und der EU. Und die ist für die Betroffenen alles andere als mit "Leichtigkeit" zu tragen. Aber wir hier in Deutschland, wir müssten eigentlich dafür sorgen, dass der Protest gegen diese Politik, gegen die deutsche Regierung und gegen die vorherrschenden Denkverbote verbreitert werden. Auch mit dem Mittel des subtilen Humors und der Satire.

Der kommende Mittwoch wird dazu nur wenig beitragen können.

20:43 16.03.2015
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Geschrieben von

rioges

Dieses haben unsere Vorfahren aus gutem Grunde so geordnet, und wir stellen es aus gutem Grunde nun wieder ab. G. C. Lichtenberg.
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rioges

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