Rita Jaessl

Journalistin
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RE: Freitag-Salon mit Sahra Wagenknecht: Liegt links die Zukunft? | 14.05.2012 | 17:15

Die Experimentierfreude der Deutschen ist nicht eben ungestüm - und sie dürfte mit der politischen Legalisierung der Piraten bereits ein Hochniveau erreicht haben. Doch letztere
stehen mit ihrem Ruf nach Transparenz und ihrer politischen Ahnungslosigkeit nicht für gravierende Veränderungen unseres Alltags sondern eher als Rüffel-Faktor für die etablierten Parteien. Im Gegensatz zu den Linken oder Sarah Wagenknecht.
Daß Frau Wagenknecht intelligent ist und eine hervorragende Rednerin sei ihr neidlos bescheinigt. Aber wollen wir wirklich eine Renaissance des Kommunismus, den sie als ehemalige Kommunistin fast nostalgisch schönredet? Oder will sie uns
den Unterschied zwischen dem Kommunismus klarmachen, von welchem wir die osteuropäischen Länder befreit haben und jener Quasi-Kommunismus-Demokratie, die ihr vorschwebt.
Fragen wir sie doch mal, wie ihr Deutschland aussähe, wenn die Linken an die Macht kämen. Nein, keine Parolen von der sozialen Gleichheit, der gerechten Verteilung der Einkommen. Welche EU-Zusagen würden sie einhalten, welche nachträglich infragestellen? Mit welcher Partei könnte die Linke sich eine Koalition vorstellen?
Oskar Lafontaines Zukunftsvision ist mir ebensowenig klar. Einst enger Freund von Gerhard Schröder - also akzeptierter Sozialdemokrat - , dann abgetriftet - aber wohin wirklich?
Aber vielleicht läßt sich ja im Saarland der Kompass feststellen.
Bei solch einer verwirrenden Parteiperspektive wundert es nicht, dass selbst risikobereite Wähler abwinken, wenn zu allem Überdruss sich die Linken-Politiker auch noch untereinander zerfleischen. In Zeiten der Krise riskiert man keine Abenteuer. Man will als Bürger sein Erspartes retten und nicht die Gesellschaft über "Links-Außen" umschichten.