Willkommen - aber wer?

Flüchtlingskrise Deutschland kämpft mit enormen Problemen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. In der Bevölkerung wächst der Unmut über Schlamperei bei der Asylvergabe.
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Wir schaffen das – ohne Widerrede. Niemand hat ihn vergessen - jenen legendären Satz mit welchem uns Angela Merkal am 31.August 2015 nahezu euphorisch beschwor: An der Grenze zu Ungarn warteten Hundertausende Flüchtlinge auf eine Chance, dem Elend, Krieg und Vertreibung in ihren Heimatländern zu entfliehen. Das Ziel war Deutschland - das Gelobte Land. „Willkommenskultur“ wurde zum Credo – und zur „no reply“-message an das Volk. Nicht jeder ließ sich damals vom Appell an Gewissen und die Werte des Christlichen Abendlandes überzeugen. Manch einer hatte vermutlich gehofft, über seine Bedenken gegen die Express-Zuwanderung zumindest diskutieren zu dürfen. Nur wenige haben es tatsächlich gewagt. Wer wollte sich schon von jenen nimmermüden Moral-Kommentatoren, die uns täglich vom Bildschirm aus mit ihren verächtlichen Blicken zu durchbohren schienen als Fremdenhasser, Nationalist oder Humanitäts-Verweigerer beschimpfen lassen. Daß ich mit meinen Sorgen nicht allein war wurde mir in den nächsten Wochen und Monaten bewußt – oder ich hatte die falschen Freunde? Immer wieder hörte ich den Satz „…man darf ja nichts sagen“. Lass dich nicht auf Diskussionen ein, schien die Devise zu lauten, …in welchen deine Argumente chancenlos sind. Ausnahmen gab es vereinzelt. Er habe lange überlegt ob er rede, gestand damals Klaus Bouillon, Saarlands derzeitiger Innenminister. Aus seiner Perspektive überwog im Deutschland des Jahres 2015 die Angst – die Angst der Politiker die Tatsachen offenzulegen. Mittlerweile hat sich die Zurückhaltung gelegt. Angela Merkels Flüchtlingspolitik findet weit weniger Kopfnicker als während der Jahre 2015/2016. In Talkshows kommen jetzt auch Kritiker ungestraft zu Wort. Stefan Aust, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur, ist längst nicht mehr isoliert wenn er das Kriegenmanagement der Regierung schonungslos als „grobe Fehlentscheidung“ disqualifiziert. Tatsächlich, so Aust, sei sei die lockere Asylpolitik als Aufruf zur Völkerwanderung mißbraucht worden. Zweifel, ob das kompromißlose Festhaltens am Mantra „wir schaffen das“ nicht längst ein Merkel`scher Akt der Sturheit ist um eigene Fehleinschätzung zu vertuschen gibt es nicht nur in Deutschland. Einst als Motor eines Vereinten Europas gepriesen muß sich die deutsche Regierungschefin mittlerweile vorwerfen lassen, durch ihr hartnäckiges Insistieren auf einer Quotenverteilung von Migranten selbst das Auseinandertriften der Gemeinschaft verschuldet zu haben. Vor allem die Visegrad-Staaten (Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn) lehnen die Zwangszuweisung von Flüchtlingen in ihr Land kategorisch ab. Tschechien Präsident Milos Zeman verglich dieses Vorgehen unter Federführung Angela Merkels sogar mit dem einstigen Souveränitätsverlust seines Landes als kommunistischer Satellit der Sowjetunion. Gewiß, die Vorwürfe mangelnder Loyalität an die Adresse dieser Staaten sind nicht unberechtigt. Dennoch bleibt die Frage ob Angela Merkel als erfahrene Politikerin ihre Forderungen nicht dem Ziel eines geeinten Europa hätte anpassen können. Eine Brücke der Toleranz gegenüber Andersdenkenden, welche vornehmlich aus innenpolitischem Kalkül Flüchtlinge ablehnen, hätte zumindest verhindert dass aus den ehemals enthuastischen EU-Anwärtern langfristig frustrierte EU-Querulanten werden welche in Deutschland nur noch den Zuchtmeister der EU sehen. Diplomatisch umschrieben von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz: Einige Staaten in der EU erweckten den Eindruck, anderen moralisch überlegen zu sein. Das Konzept der Zwangs-Quoten irritierte im übrigen auch den einstigen Seelenverwandten Merkels, Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Er verglich es mit einem Rohrbruch, bei welchem der Installateur nicht das Wasser stoppt sondern dieses in den einzelnen Wohnräumen verteilt. Wie konfus die Situation mittlerweile ist zeigt ein neues statement von Donald Trump. Der US-Präsident zollte den Flüchtlingsgegnern lauthals Beifall. Die Zuwanderung sei eine Schande, befand der „mächtigste Mann der Welt“, …

Bleibt die Frage: Werden es die Flüchtlinge schaffen sich in eine fremde Kultur zu integrieren, Traditionen zu opfern und Deutschland als neue (Wahl-)Heimat zu akzeptieren?
14:44 23.07.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rita Jaessl

Journalistin
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