"Magic Mountain" oder: der Ritter der Ideale

Filmkritik/filmPOLSKA Polen, Frankreich, Afghanistan. In Anca Damians Animadok "Magic Mountain" spielen sie alle eine Rolle. Sie erzählt die aufregende Geschichte des Adam Jacek Winklers
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"Magic Mountain" oder: der Ritter der Ideale
Im Film beschließt Adam Jacek Winkler, sich der Armee in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjets anzuschließen

Foto: Screenshot, Youtube

Polen, Frankreich, Afghanistan. Eine ungewöhnliche Kombination, diese Länder. Doch sie spielen alle eine große Rolle im Leben von Adam Jacek Winkler. Über sein Leben und seine Abenteuer erzählt der Film „The Magic Mountain“ von der rumänischen Regisseurin Anca Damian. In Zusammenarbeit mit den Produzenten WłodzimierzMatuszewski aus Polen und Guillaume De Seille aus Frankreich, erzählt sie die Geschichte des Künstlers, Bergsteigers, Journalisten und Oppositionellen Adam Jacek Winkler.

So facettenreich wie das Leben Winklers ist auch der Film gestaltet. Verschiedenste Techniken werden eingesetzt, um die unterschiedlichen Lebensstationen des Protagonisten zu veranschaulichen. Heraus kommt eine berührende Animadok. Anca Damian kombiniert in dem für sie typischen Stil die originalen Fotos, Zeichnungen, Texte und Filmsequenzen Winklers mit verschiedensten Animationstechniken wie Collagen, Wasserfarben, Kohlezeichnungen, animierten Fotografien oder Mosaike.

Wir Zuschauer haben Teil an der Geschichte, die der Vater seiner Tochter Ania erzählt. Seine Geschichte - eine Geschichte voller Lebensfreude und Optimismus, aber auch von Zerrissenheit und Fremdheit. Von der Flucht aus Polen Ende der 60er Jahre, um den Fängen der Roten Armee zu entkommen. Ein Pappmännchen im Zug, koloriert in tristen Wasserfarben, in der Gewissheit, die Heimat nie wieder zu sehen. Angekommen in einem Paris, das außer trostlosen Bildern wenig für ihn bereit hält. Doch seine Bemühungen gegen den kommunistischen Terror treiben ihn an. Als die sowjetische Armee 1979 in Afghanistan einmarschiert, solidarisiert er sich mit dem Volk. Auf dem Mont Blanc hisst er eine Fahne, auf der er Solidarität für die Menschen in Afghanistan fordert.

Später beschließt er, sich der Armee in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjets anzuschließen. In bunten Farben und mit dem Einfluss von afghanischen Mustern und Symbolen wird sein schwieriger Weg nach Kabul und schließlich bis in die afghanische Armee illustriert. Doch er findet Akzeptanz und kämpft in den afghanischen Bergen an der Seite von Ahmad Schah Massoud. Fotos, Filmfragmente, Wachszeichnungen, Wasserfarben – sie alle verschmelzen zu einem berührenden Bericht über die anstrengende, entbehrungsreiche und angsterfüllte Zeit im Gebirge. Aber sie zeigen auch eine andere Seite – die Magie der Berge. Hier fand Winkler Anerkennung, war kein Fremder und Außenseiter mehr – er wurde zum Bruder. Trotz der unmenschlichen Umstände wollte er nicht weg, betont der Erzähler, „I just wanted to be with them“. Es gab seinem Leben Sinn, endlich konnte er das sein, was er sich schon so lange wünschte: ein Ritter mit einem Pferd. Im erbitterten Kampf gegen die rote Armee war er bereit sein Leben zu geben. Nur eines wollte Winkler nicht: umsonst sterben! Hier sieht man kurz die Szene aus Andrzej Wajdas „Asche und Diamant“ , in der sich der tragische Held Macjek verblutend an weißen Laken festklammert.

Adam Winkler überlebt – doch die Jahre des Krieges haben ihn gezeichnet. Wir Zuschauer sehen ihn als abgekämpftes schwarzes Männchen; die Tristesse und Einsamkeit ist greifbar. Seine Lebensgeister kehren mit der Erinnerung an das Versprechen, das er seiner Tochter Ania machte, zurück: Ich komme wieder und bringe dir ein Pferd mit! Ein Pferd, leuchtend aus tausenden Sternen läuft über den Himmel und verwandelt sich in Phoenix aus der Asche. Er kehrt zurück.

Ein einfühlsamer und berührender Film über einen der auszog im Kampf gegen die Rote Armee. Wunderschöne und eindrucksvolle Bilder schaffen es ohne viel Worte von den Abenteuern, Freuden und Ängsten eines unglaublich mannigfaltigen Menschen zu erzählen, der seinen Idealen folgte.

Ursprünglich hier erschienen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des 3. deutsch-polnischen Programms für junge Filmkritiker/innen und –journalist/innen der 11. Ausgabe von filmPOLSKA

14:16 23.04.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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