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Ich mache mir Sorgen um die Oberschicht. Es ist ein Skandal, wie hier in Deutschland mit der wirtschaftlichen Elite umgegangen wird. Jeder weiß doch, wie hart Unternehmen kämpfen müssen, um unter den schwierigen Bedingungen der Globalisierung weiterhin jedes Jahr ihre satten Profitzuwächse zu sichern. Gleichzeitig müssen sie auch noch Produktion automatisieren und Beschäftigung reduzieren oder in Niedriglohnländer verlegen. Hartz 4 Empfänger und Kik Kunden bekommen es in den Allerwertesten geblasen, all die weil adäquat bezahlte Manager 60 Stunden die Woche arbeiten, nur um sich an ihrem wohlverdienten Feierabend das populistische, von Neid getriebene Gejammer der ignoranten Politiker und Journalisten anhören zu müssen.

Besonders erschreckend ist die Tatsache, mit welcher Beharrlichkeit dieses brisante Thema in der Öffentlichkeit totgeschwiegen wird. Niemand spricht über die Probleme von Vorstandsvorsitzenden, die ihre liebe Not damit haben sicherzustellen, dass der Gewinn jedes Jahr kräftig steigt, während die Konkurrenz aus Fernost nur darauf lauert Produkte zu kopieren und Marktanteile abzujagen. Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie schwierig es ist, das Schicksal von Menschen zu ignorieren, die ihre Jobs verlieren und ins Prekariat abrutschen. Dabei fest das Wohl des Unternehmens und den Aktienkurs im Auge zu behalten, das kostet Kraft, das geht an die Substanz. Auch wenn es die Hammelherde sich vielleicht nicht vorstellen kann, aber so ein CEO ist kein Roboter, er hat auch Gefühle.

Den Vermögenden ergeht es kaum besser. Selbstverständlich suchen sie die besten Gelegenheiten, um ihr häufig hart ererbtes Geld möglichst gewinnbringend anzulegen. Das würden die Jammerspezialisten von der Linken ganz genauso machen, wenn sie nur die Gelegenheit hätten. Das sie nichts von Wirtschaft und den Finanzmärkten verstehen und ihr Geld lieber für ein angenehmes Leben ausgeben, als es zu sparen und clever zu investieren, wenn sie nicht sowieso dem Staat auf der Tasche liegen, dafür können die Vermögenden wahrlich nichts. Das wir überhaupt weiter mit dem Ziel ständigen Wachstums wirtschaften können, haben wir doch den Investoren und der Finanzindustrie zu verdanken.

Die Produktion wird sich in die Länder verlagern, die Unternehmen ein attraktives Umfeld bieten können, so sind nun mal die ökonomischen Gesetzlichkeiten. Und was bleibt denn dann noch für diese verwöhnten Heulsusen, die Bevölkerung der traditionellen Industrienationen? Sie sollten froh sein, dass die meisten Unternehmen weiterhin so patriotisch sind und ihre Firmensitze nicht in wirtschaftsfreundliche Diktaturen verlegen, was nur allzu verständlich wäre. Im Gegenteil, gemeinsam mit diesen stümperhaften Steigbügelhaltern aus der Politik bemühen sich die Vordenker der Wirtschaft darum, der Bevölkerung schöne Konsumerlebnisse und qualitativ hochwertige Produkte für kleines Geld zur Verfügung zu stellen. Überall sprießen Discounter und Kik Filialen aus dem Boden, nur damit die Kevins und Chantals dieser Welt ihr Übergewicht halten und sich immer nach der neuesten Mode kleiden können.

Und wo kommen diese großen kulturellen Errungenschaften her? Das interessiert die Hammelherde doch überhaupt nicht. Welcher Kevin verschwendet auch nur einen Gedanken an die fleißigen Unternehmensgründer, die dafür sorgen, dass es so etwas wie Kik überhaupt gibt? Nehmen, das können sie, mehr aber auch nicht. Ein einfaches „Danke“ ist wohl nicht zu viel verlangt.

Besonders tragisch sind die Einzelschicksale, wie zum Beispiel das des Herrn zu Guttenberg. Es ist traurig mit ansehen zu müssen, wie ein solches Jahrhunderttalent von kleinlichen Zitatenjägern und einer zum Mob verkommenden Öffentlichkeit ruiniert wird. Es ist doch bezeichnend, das Graf zu Guttenberg sich gezwungen gesehen hat, seinen Doktor zu bauen, während er schon voll im Berufsleben stand. Früher hätte es selbstverständlich ausgereicht von Adel und rhetorisch gewandt zu sein. Aber dank der ständigen Diffamierung der Eliten hat der arme Mann sich gezwungen gesehen auch noch zu promovieren. Die Häme, der er sich nun ausgesetzt sieht, ist nicht für ihn beschämend, sondern für seine Gegner.

Ich hoffe, mit diesem Weckruf einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass die undankbare Masse der verarmenden Bevölkerung einmal innehält und sich vergegenwärtigt, was sie an ihrer Oberschicht hat. Natürlich ist so eine geistig moralische Wende ein langer Prozess, aber einer muss ja den Anfang machen.

22:49 15.01.2012
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herrkatzer | Community
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