RE: Perspektiven der Philosophie | 28.09.2015 | 13:01

Ich habe mich mit Absicht auf die Wahl- und Freiheitstheorie von Sartre bezogen, nicht aber auf größere Werkabschnitte. Mit dieser Theorie ließen sich Freiheitsgrade bilden, und sie wäre sogar mit der Neurobiologie vereinbar, die beobachtet hatte, dass Entscheidungen bereits getroffen sind, wenn geglaubt wird, man träfe sie. Sartre bezog sich nicht auf psychische Ereignisse, sondern auf äußere Fakten. Das war nach meinem Ermessen ein wichtiger Fortschritt.
Ob wir im sprachanalytischen Forum zu einer Gesellschaftsstheorie gelangen werden, ist eher unwahrscheinlich, zumindest ungewiss. Die besondere Schwierigkeit bietet die verflochtene Lage von Wirtschaft, Politik und Soziales. Sich wie Luhmann Systemen zu bedienen, die im Grunde bloß Begriffen folgen, nicht aber der Empirie und geschichtlichen Entwicklung, ist z.B. ziemlich naiv. Wir haben im sprachanalytischen Forum bislang nicht einmal eine dezidierte Ahnung, wie man auf Gesellschaft zugehen könnte, nicht nur auf die Verflechtungen. Wir sind sogar davon überzeugt, dass es so etwas wie Gesellschaft allgemein gar nicht gibt, sondern nur spezifisch. Das erhöht die Schwierigkeit noch einmal. In traditionellen Begriffen formuliert, reichte in Deutschland z.B. der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus bis zum Kapp-Putsch 1920, in dem die Ostdeutschen Junker unterlagen. Hisstorisch hätte man theoretische Arbeiten nicht auf sogenannte Epochen auszurichten, sondern auf Prozesse (Elias). Mehr kann ich momentan nicht sagen. Es gibt vielfältige Probleme.

RE: Perspektiven der Philosophie | 28.09.2015 | 06:29

Ich beabsichtigte nicht, alle nicht-analytischen Philosophien in ein Boot zu setzen. Im Text folgte ich lediglich einer Richtung, die sich weiterhin auf den Idealisten Hegel bezog. Es ist durchaus spannend, auch aus analytischer Sicht, zu beobachten, was in den anderen Richtungen geschieht. Sartres Theorie der Wahl und Freiheit sei z.B. angeführt.
Einräumen muss ich, dass sich die analytische Philosophie mit Gesellschaft kaum beschäftigt hat. Quine hatte seine Arbeit z.B. explizit auf Grundlagen der Wissenschaften eingegrenzt. Diese Enthaltsamkeit lässt sich Einzelpersonen jedoch nicht vorwerfen. Wenn man keine Ahnung von etwas hat, ist es besser, die Füße still zu halten. Dem Fach gegenüber lässt sich aber duchaus ein Vorwurf machen. Zu berücksichtigen wäre in einer Beschäftigung mit Gesellschaft aber, dass gerade aus sprachlicher und empirischer Sicht der Aufwand sehr, sehr groß wäre, um nicht einfach blind altherkömmlichen Vokabeln zu folgen. Gerade in diesem Kontext sind meiner Ansicht nach neue theoretische Entwicklungen gefragt, nicht bloß eine Aufwärmung marxistischer Ansichten.

RE: Perspektiven der Philosophie | 27.09.2015 | 16:31

Danke für die Rückmeldung. Berücksichtigt man die Medien, ist klar, dass eine "Debatte" nur in diesem Rahmen gestaltet werden kann. Doch ich bin erstaunt, wie wenig sie auf analytische Philosophie eingehen, sowohl bei Frank als auch in meinem Text wurde nicht der Positivismus thematisiert. Und im Hinblick auf den Positivismus formulieren sie lediglich Vorurteile, die bereits die ältere sogenannte "Kritische Theorie" idelogisch vorgetragen hatte. Ich setzte übrigens nicht Adorno und Heidegger in ein Boot, sondern Adorno und Horkheimer. Vielleicht lesen sie den Text noch einmal.
Otto Neurath, ein Mitglied des Wiener Kreises von Beginn an, war übrigens Sozialist. Um einmal knapp anzudeuten, wie so etwas möglich sein kann: empirische und logische Möglichkeiten einzubeziehen, gehörten dazu. Und sie bieten auch heute noch viele Freiräume, falls jemandem etwas einfällt. Dagegen wären emphatisch Begriffe, eine Art Gravitationszentren, bloß heiße Luft. Was sich in den gebotenen Freiräumen nicht unterbringen ließe, von der "Kritischen Theorie" aber eingefordert wurde, wäre ein Absolutes.
Nehmen Sie doch mal die ideologische Brille ab.

RE: Von der Poesie gelernt | 16.08.2015 | 18:51

Die Annahme ist sehr gewagt: "Wort und Referent waren einst aufeinander bezogen wie die erste Goldmünze, deren aufgedruckter Wert exakt dem Wert des Materials entsprach." Die Umgangssprache war stets sehr metaphernreich, ob im Hinblick auf Worte 'Freund' oder 'Bank'.

RE: Eine sonderbare Debatte | 27.07.2015 | 11:02

Sich in die Karten blicken zu lassen, ist ein Bild, das nicht ganz passt: Leser als auch Kritiker können ja in den Text schauen, lesen. Doch Erläuterungen zu geben, ist in einem z.B. narrativen Kontext nicht ganz leicht, ohne den jeweiligen Kontext zu sprengen. Vielfach werden dafür separate Publikationen, Essays genutzt.

RE: Eine sonderbare Debatte | 15.07.2015 | 20:33

Musikalität wäre etwas anderes, würde man Musik sachlich einbeziehen. Klang kann Sprache allerdings wirklich haben, dank der konkreten phonetischen Gestalt von Texten. Würden man Sprache einbeziehen, könnte auch der Klang eine Rolle spielen ...

RE: Von Pandabären , Gasometern und Tetraedern | 15.07.2015 | 20:25

Aich von mir alles Gute in der neuen Umgebung :-)

RE: Der Wow-Faktor | 04.07.2015 | 06:00

Danke für den Besuch; besten Gruß zurück!

RE: Tanz im Verteiler | 25.06.2015 | 11:46

Danke für den Hinweis. Die Folkwang ist wirklich einer der wenigen Lichtblicke im Revier :-)