R.M.
17.03.2013 | 15:30 5

Wann kommen die Urwälder im Ruhrgebiet?

Rückbau: Die anhaltenden Hemmnisse im Strukturwandel des Ruhrgebiets haben zu entvölkerten Stadtteilen geführt.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied R.M.

Wann kommen die Urwälder im Ruhrgebiet?

Uwe Kaufmann1 / flickr (cc)

Jüngere Bürger flohen aus einer Region, die es nicht schafft, ihnen Arbeitsplätze anzubieten, und die Alten sterben allmählich weg.

Zwar bilden die hiesige Universitäten junge Menschen aus. Und die Universitätslandschaft ist so dicht wie kaum andernorts in Europa, dennoch ist die Region alles andere als ein Magnet für Unternehmen. Lediglich sehr spezielle Gegebenheiten wie der Duisburger Binnenhafen konnten profitieren.

Die nach dem Niedergang der Montanindustrie noch verbliebene HighTech-Erzeugung und -Verarbeitung von Stahl steht inzwischen vor dem Untergang. Sie war im wirtschaftspolitischen Konzept der Konzerne (Ruhr 2030) noch eine tragende Säule gewesen. Es waren seit der industiellen Revolution stets die Konzerne gewesen, die die Wirtschaftspolitik der Region bestimmt hatten. Eine andere regionale Kraft gibt es bis heute nicht, schon gar keine politische. Der Regionalverband würde sich derzeit bereits darüber freuen, die Präsentation eines mittelständischen Unternehmens präsentieren zu können.

Man hat die Zeit vertan. Mit Groß- und Leuchturmsprojekten, die die Schulden ins Unermessliche steigen ließen. Eine, vielleicht DIE Perspektive, die heute noch bleibt, ist der Rückbau des Ruhrgebiets. Aus den Erzählungen der Römer über das alte Germanien ist zu erfahren, wie es hier mal ausgesehen hatte: dichte Urwälder, Nebel, Sümpfe, beständige Gefahr! Vielleicht ließe sich daraus ein touristisches Konzept entwickeln. Urwälder gibt es in Deutschland so gut wie keine mehr. Und ein Kontrast von Stadt und Urwald, Bequemlichkeit und Abenteuer, wäre ein reizvolles Angebot. Hinzu kämen die Angebote, auf die sich der bisherige Strukturwandel durch die Mittel des Landes konzentriert hat: ehemalige Industriegelände und -gebäude, die eine Eventkultur haben entstehen lassen.

Ein angemessener Rückbau ließe sich sogar als ökologische Maßnahme anpreisen. Brachflächen verfügen über eine weitaus größere Artenvielfalt als Park- und Gartenanlagen. Und geschähe dies koordiniert, könnte im Ruhrgebiet der größte Urwald Deutschlands entstehen. Dies wäre politisch vielleicht einfacher zu bewerkstelligen, als an einer wirtschaftspolitischen Diskrepanz von Größenwahn und Handlungsunfähigkeit zu scheitern.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (5)

R.M. 18.03.2013 | 09:30

Zwei Duisburger Stadtteile habe ich im Text angeführt: Bruckhausen und Ruhrort. Der Rückbau gehört jedoch längst zum Strategiekonzept an der Ruhr:

http://www.ruhrgebiet-regionalkunde.de/zukunftsperspektiven/demografischer_wandel/Integrierte_Stadtentwicklung.php?p=1,3

(inkl. einiger Beispiele) Dass auch die fehlende Zukunftsperspektive für junge Menschen ein Parameter des Wandels ist, wird dort freilich verschwiegen.

R.M. 18.03.2013 | 15:55

Es besteht von meiner Seite aus gar nicht ein dringlicher 'Wunsch', Urwälder sprießen zu lassen. Doch Duisburger Stadtteile wie Bruckhausen und Ruhrort eigenen sich für 'Zersiedlungsstrategien' gar nicht, anders als z.B. der Duisburger Süden, Grenze zu Düsseldorf, wenngleich dort die Lärmbelastung (Autobahnen / Bahntrassen / Flugzeuge) ziemlich hoch ist. Ich würde mir dreimal überlegen, dort ein Reihen-(Eigen)-heim zu erwerben. Dagegen wäre Ruhrort (Althafen) geradezu idyllisch. Wie überall im Revier fehlen Konzepte, ohne das dies jemand merkt. Der herrschende Pragmatismus ist so rudimentär, wie er nur sein kann. Es fehlt an Politik, auch in den Städten. Gerade deswegen könnte die Urwaldsperspektive die einzige relatistische sein. Ich weiß noch wie verlassenen Schrebergarten-Siedlungen aussehen, aus den Tagen meiner Kindheit (,bevor dort die A42 gebaut wurde). Duisburg ist auf dem Weg, ein städtisches Desaster zu hinterlassen, das nur noch für Urwald taugt. Anfreuden könnte ich mich mit dem Urwald schon. Ich hätte aber die Befürchtung, dass dann von der Stadt nichts mehr übrig bleibt ;-) Also warum nicht wenigstens den Urwald strategisch angehen :-)