Frauenfußball und Realsozialismus

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Ich hatte nie das Glück, in einer sozialistischen Gesellschaft zu leben. Daher kann ich mir auch nur vorstellen, wie die fröhlich-optimistische Propaganda langsam zerbröckelnder Regimes auf die Menschen in einer solchen Gesellschaft gewirkt haben mag. Die Vorstellung, die ich mir davon mache, kommt aber dem recht nahe, was in den vergangenen Tagen und Wochen mal mehr, mal weniger subtil zur Propagierung der Frauenfußball-WM auf mich einprasselte.

Ich will an dieser Stelle gar nicht den Frauenfußball schlechtreden. Ich will nicht die Leistungen engagierter Trainer, Funktionäre und Spielerinnen anzweifeln. Und ich kann mir auch vorstellen, dass manch einer sich die WM-Spiele gerne ansieht. Nur: für die allermeisten Menschen in diesem Land ist die Frauenfußball-WM kein Ereignis, das auch nur annähernd an das Pendant bei den männlichen Kollegen heranreicht. Und sie wird auch durch noch so viel Vermarktung nicht zu einem solchen Ereignis werden.

Ich kann auch einen Indikator für die wirkliche Bedeutung der WM benennen: Ich besitze keinen Fernseher. Hätte ich einen, würde ich vielleicht in den kommenden Tagen durch Zufall oder aus Langeweile bei einem Frauenfußballspiel hängenbleiben. So aber sehe ich sehr bewußt Fußball: wenn mich ein Spiel interessiert, schaue ich es mir bei Freunden oder in der Kneipe an. Bislang hat mich aber noch niemand aus meinem Freundeskreis angesprochen, ob ich Lust hätte, gemeinsam ein WM-Spiel zu gucken. Im vergangenen Sommer war das anders: da wurden sonstige Termine um den Fußball herum gelegt.

Sicher, der Werbe-Zirkus rund um die WM bei den Männern hat noch ganz andere Dimensionen als das, was wir derzeit erleben. Doch es ist das Missverhältnis zwischen wirklichem Interesse und PR, das mir wie wohl vielen unangenehm aufstößt. Und so dem Frauenfußball vielleicht am Ende einen Bärendienst erweist.

19:28 25.06.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Robert Kalimullin

Robert Kalimullin ist Autor des Reiseführers „CityTrip Krakau“. Zurzeit arbeitet er gefördert von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit an einer Publikation über die polnisch-ukrainische Fußballgeschichte.
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