Donau-Radl-Tour-Blog die Fünfte!

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Ursprünglich wollte ich rasch durch Ungarn radeln, doch habe ich mich vorgestern sau blöde verfahren, da kaum eine Beschilderung vorhanden war, ich keine Karte habe und irgendwie gedanklich auf dem Schlauch stand. Und wie ich mich noch über mein Wetterglück freute, da wurde ich richtig nass gemacht, dass der Blitz nicht in mich eingeschlagen ist, war alles. Und ohne Djangoblick überlebt man hier keinen Tag, einen halben habe ich meine Aggrofresse durchgezogen, dann wurde es mir zu anstrengend. Und siehe da, es gibt natürlich auch nette Menschen in Ungarn, die aus ihren Löchern gekrochen kommen, wenn man sie aufgehört hat, für dies und jenes zu verurteilen. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob das Wort Ungarn von ungern kommt, weil kaum jemand die Ungarn gerne hat, weil die Ungarn sich selbst nicht gerne haben. Mit so einen Mist im Kopf habe ich bewiesen, dass ich mich selbst gerade nicht gerne hatte. Doch damit ist jetzt Schluss, ich bin heute Morgen aus einer traumwandlerischen Nacht erwacht, in der ich viel gestritten, geschrien und gemordet habe, sodass ich zunächst ganz erschöpft war, doch mich im Moment wie neu fühle, trotz den von Mücken zestochenen Händen und Füßen und all dem anderem, was mich quählte. Und kaum habe ich mein Zelt abgebaut, das ich nahe der Donaukante unter Bäumen stehen hatte, meine Sachen gepackt und den Gaul bestiegen, da erschien mir ein Engel, der seinen Hund ausführte. Ohne Worte lächelten wir einander zu, dass Raum und Zeit sich nicht krümten, sondern sich gleich ganz auflösten, nur noch aus Liebe bestand. Ich hätte den Engel am liebsten an Ort und Stelle vernascht, geheiratet und somit an mich gebunden und versklavt, doch nichts dergleichen geschah, weil mir der Biss oder sonst was fehlte - zum Glück. Jetzt nehme ich die Freude mit, so wie sie ist. Cappuccino, Blick auf die Donau, den mir mein Laptop versperrt - noch. Und weiter. Bis Budapest sind es nur noch vierzig Kilometer.

09:31 28.06.2016
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Geschrieben von

Robin Becker

Ich bin Sozialpädagoge, Schriftsteller (Romane: "Das Kino bin ich", "Fortbildung bei Gott", "Komfortzone") und vieles mehr.
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