Reiseprojekt-Blog die Zweite!

Jugendarbeit Radtour
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Nach vierzig Kilometern am Main-Donau-Kanal entlang, auf dem uns Schiffe entgegen kamen, die breiter waren als der Fluss selbst, sind wir am Rothsee abgebogen, wo der Junge dann auch gar nicht mehr weg wollte, so gut hat es ihm dort gefallen und das Radeln missfallen. Nachdem wir unsere Zelte am Ufer des Sees aufgebaut hatten, die Mücken über uns herfielen, wurde mir per Telefon mitgeteilt, dass der Junge nicht in sechs Wochen in die Rehaklinik soll, wo er neun Monate lang einen Drogenentzug usw. machen soll und auch will, sondern schon in knapp zwei Wochen. Diese Nachricht führte dazu, dass der Junge es mit der Angst bekam und sofort nach Hause wollte, um noch Zeit mit seinen Eltern zu haben, weil in der Klinik ist es ihm die ersten sechs Wochen untersagt, mit Leuten ausserhalb der Klinik Kontakt aufzunehmen. Doch seine Eltern wollten ihn aus nachvollziebaren Gründen nicht zuhause haben, was den Jungen natürlich traurig gemacht hat. Meine Schmerzen im Hüftgelenk verwandelten sich währendessen in einen Ganzkörperhexenschuss. Nach langen Gesprächen am See und vielen Tränen war der Junge wieder guter Dinge. Und meine Schmerzen und Verspannungen waren am nächsten Morgen wie weggeblasen. Wir versuchten das Beste aus der Reise zu machen, blieben an dem See, redeten, lachten und weinten viel miteinander, sodass wir uns immer besser kennenlernten. Am dritten Tag nahm er all seinen Mut zusammen und rief ein Mädchen an, in das er schon länger verliebt ist und schüttete ihr sein Herz aus. Seitdem schwebt er in einer rosaroten Herzwolke neben mir her, was teilweise schon anstregend ist - aber ich freue mich auch sehr für ihn. Die beiden Telefonieren viel miteinander, und die Eltern des Jungen haben dem zugestimmt, dass er seine neue Freundin an zwei Tagen vor Beginn der Maßnahme treffen kann. Er ist überglücklich und freut sich mittlerweile sogar auf die Reha. Und ich bin es auch, auch wenn mich heute eine Biene ins Bein gestochen hat, das kurz wie Hölle weh tat und ziemlich angeschwollen ist. Jetzt gehen wir eine Angel kaufen.

10:58 29.07.2016
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Geschrieben von

Robin Becker

Ich bin Sozialpädagoge, Schriftsteller (Romane: "Das Kino bin ich", "Fortbildung bei Gott", "Komfortzone") und vieles mehr.
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