RE: Sorry, nächstes Mal | 13.06.2019 | 10:19

Im Netz wird Politik gemacht und wie im professionellen Politikbetrieb auch, wird auf unsaubere Methoden zurückgegriffen, um Gegner zu schwächen. Diese Methoden sind so alt wie die Menschheit. Es gab aber auch schon immer Menschen, denen diese Spielchen irgendwann auf die Nerven gingen und sich bei passender Gelegenheit an die uralte Kulturtechnik des sich Entschuldigens erinnert haben. Sie einzusetzen erforderte schon immer den Mut, die Macht darüber abzugeben, wie man selbst gesehen werden will, denn niemand ist verpflichtet eine Entschuldigung anzunehmen. Das Internet wirkt unterstützend dabei, die Macht der Menschen, die es vernetzt zu vergrößern, weil Vernetzung auch die Möglichkeit der Organisation mit sich bringt. Die Zahl derer, die bereit sind, für den eigenen Vorteil die Option auf eine gute Beziehung zu anderen zu opfern, ist scheinbar gestiegen. Aber nur scheinbar, weil digital sichtbar wird, was analog eher weniger in Erscheinung tritt. Deshalb glaube ich nicht daran, dass "Sich zu entschuldigen ist eine in Vergessenheit geratene Kulturtechnik geworden" ist.Vielleicht deutet die öffentliche Entschuldigung eines Politikers darauf hin, das eine Art Sättigungspunkt für würdelosen zwischenmensch-lichen Umgang in Politikbetrieb und Meinung verbreitende Medien erreicht ist.

RE: Aus Liebe zum Wähler | 03.05.2019 | 11:26

"autoritäre charaktere aller länder, vereinigt euch...läuft ja leider grad schon an, und global betrachtet ist das eine große mehrheit"

Das funktioniert aber nur wenn es einen äußeren Feind gibt, der gemeinsam bekämpft werden soll. Fällt der weg, muß ein anderer her.Mein Eindruck ist, dass das bloße Vorhandensein des menschlichen Bewußteins das Bedürfnis entstehen lässt, um jeden Preis so etwas wie eine eigene Identität zu erzeugen, die suggeriert es gebe etwas Verlässliches in der Welt. Die Bewußtwerdung der eigenen Existenz erzeugt Scham. Die Idee einer Identität soll die damit zusammenhängende Unsicherheit beseitigen und den entstandenen Schmerz auslöschen. Das ist bei allen Menschen gleich. Nur die Schmerztoleranz ist unterschiedlich.Eine psychologische Deutung (zu kurz gekommen, autoritärer Charakter) setzt darauf erst auf. Im Prinzip ist es eine Unverschämtheit, solch eine Diagnose zu stellen. Niemand hat danach gefragt. Es ist bloßstellend, gerade wenn es stimmt. Niemand kann damit erreicht werden, denn die Voraussetzung dafür wäre ein Interesse daran, welche Faktoren es sind, die das eigene Leben bestimmen.Wer äußere Faktoren (die Anderen) für das Elend des eigenen Daseins verantwortlich macht, interessiert sich aber in erster Linie für sich selbst. Deshalb: ja, die autotitären Charakter formieren sich, werden alles in den Abgund reißen, sich dann gegenseitig fressen. Ich denke ändern lässt es sich nicht. Tatenlos zusehen ist aber auch keine Option.

RE: Aus Liebe zum Wähler | 03.05.2019 | 02:40

"Die Rohheit wird anhalten, solange man Menschen erklärt, dass es ihnen im Grunde total toll geht und den Bogen nicht kriegt, zu begreifen, dass dies verglichen mit Mali sicher stimmt, aber das es kein Genöle des verwöhnten Kindes ist, auch an der Spitzen weiter zu gehen oder besser gesagt, dahin zu kommen, wo wir vor 40 Jahren schon mal waren. Es ist schon fast eine eigene Kunstform konsequent an so ziemlich allen Bevölkerungsgruppen vorbei zu regieren und allen vor den Kopf zu stoßen, aber vermutlich ist das alles nur eine Wahrnehmungsstörung und die Gereiztheit gibt es gar nicht."

Zeitgleich mit der Einführung des Euro hat auch die Nutzung des Internet stark zugenommen und damit die Möglichkeit, sich gegen all die Schönfärberei zu wehren. Kurioserweise heißt sich zu wehren aber bei Vielen, sich als Opfer der Verhältnisse darzustellen.Der Gedanke daran, Opfer zu sein ist aber demütigend und so liegt es nicht fern nach Bestrafung der Täter zu rufen. Gerne folgen diesem Aufruf all jene, die vorgeben, ein Heilmittel im Gepäck zu haben.Solange Menschen, die einen Mangel in welcher Form auch immer verspüren, das Internet uneingeschränkt nutzen können, wird die Rohheit in den Netzwerken anhalten. Rohheit funktioniert. Die Unzufriedenen wollen die Macht.Warum sonst ist es in vielen Staaten so groß in Mode, das Internet kontrollieren? Fragt sich nur, in welcher Form das in einer Demokratie möglich ist. Das es so kommt, halte ich für sicher.

RE: Eine Rettung kommt selten allein | 01.05.2019 | 02:35

In den Ferien zu demonstrieren ist nicht besonders Sinnvoll. Für Lohnerhöhungen wird ja auch nicht nach Feierabend demonstriert. Den Schulbesuch zu verweigern heißt dagegen, Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Wenn bisher nur wenig Konsequenzen folgten, dann deshalb, weil die meisten Menschen nachvollziehen können, dass das Anliegen der Schüler von existenzieller Bedeutung ist. Es gibt den Aufruf, hart durchzugreifen und es gibt Politiker, die ersatzweise den moralischen Zeigefinger hervorzeigen und von den demonstrierenden Schülern fordern, verantwortlich handeln, d.h. zur Schule gehen. Wer den Schülern so den Schwarzen Peter zuschiebt, will verhindern, sich für ein hartes Durchzugreifen einzusetzen zu müssen, um nicht potentielle Wähler zu vergraulen. Dann gibt es noch die ganzen anderen Versuche, die Glaubwürdigkeit und Integrität der Demonstranten anzugreifen. (Wie im Artikel dargestellt) Es ist vielfach jegliches Ehrgefühl in der Komunikation mit anderen abhanden gekommen. Erlaubt ist, was funktioniert, um sich durchzusetzen. Einfach nur erbärmlich, wie das Abendland sich hier präsentiert.Dass, wie im Artikel behauptet, angeblich 3,5 % einer sozialen Strömung ausreicht eine ganze Bevölkerung in eine bestimmte Richtung zu lenken, gilt natürlich auch für diese Vertreter der Menschheit, auch wenn man es auf den ersten Blick mit "sozial" nicht in Verbindung bringen kann. Wer solch ein Gegenüber hat, braucht meiner Meinung nach selbst nicht besonders konsequent zu sein. Da reicht es mir schon, wenn Schüler, statt auf die Demo zu gehen einfach den Unterricht ausfallen lassen, um Eis essen zu gehen.

RE: Eine Rettung kommt selten allein | 28.04.2019 | 11:53

@Maximilianspapa

Die Schüler sind keine homogene Masse, die pauschal abgeurteilt werden sollte.Sie projezieren Ihre Art zu denken auf die Schüler, wenn Sie sagen: "Es geht Ihnen anscheinend doch nicht um ihre Zukunft, sondern eher um etwas freitäglichen Spaß." Solche Pauschalisierungen dienen legdiglich dazu, die eigene Meinung als richtig erscheinen zu lassen.

RE: Der 23. Juni 2016 wird entsorgt | 10.04.2019 | 08:08

Wenn GB als "Bittsteller" gegenüber der EU dargestellt wird, "der an Handelskonditionen schlucken muss, was gefällt", dann wird ein Opferstatus inszeniert, ein Sich-verachtet-fühlen. Die angesprochenen Leser werden an selbst erfahrene Demütigungen erinnert, um Solidarität mit einem Schwächeren zu erzeugen. Für mich hat das einen populistischen Anstrich. Nur wer ist hier die Zielgruppe?

RE: Der 23. Juni 2016 wird entsorgt | 04.04.2019 | 13:45

Ja, genau so, wie das Ergebnis des Referendums zustandegekommen ist. Ganz ohne Tricks!

RE: Der 23. Juni 2016 wird entsorgt | 04.04.2019 | 12:46

.... und die, die den Brexit wollen werden nicht etwa von rechten Eliten angeführt?

RE: Der 23. Juni 2016 wird entsorgt | 04.04.2019 | 11:10

"Das hätte bedeutet, den Ausstieg fristgerecht zu vollziehen, aber die folgende Übergangszeit nicht als unbefristetes Kräftemessen anzugehen, bei dem Großbritannien fürchten musste, als Bittsteller behandelt zu werden, der an Handelskonditionen schlucken muss, was gefällt."

Ich wüßte nicht, warum das etwas anderes gewesen wäre. Ich denke die derzeitige Situation ist so, WEIL man sich schlechtere Konditionen bei einem Freihandelsabkommen ausgerechnet hat. Nichts anderes interessiert die Briten, als mit Gewinn bei einem Geschäft wegzukommen. Sie stehen sich selbst im Weg.Zu sagen, die EU sollte gute Angebote machen, dann wird man sich auch in der Irlandfrage einigen, halte ich daher für realitätsfern.Wer hätte denn die Verhanlungen führen sollen? Boris Johnson...Nigel Farrage?Einfach aus Spaß daran zu sehen, wie lange es dauert, eine Freihandelszone zu verhandeln, wünsche ich mir einen harten Brexit.