robiro

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RE: Demokratie is coming home | 02.11.2011 | 22:21

Ich hoffe aus heißem Herzen, dass es zu dem Referendum kommt und dass die Griechen ein riesiges Nein sagen zum neuerlichen "Rettungspaket": In der Folge wird das keineswegs ihren Untergang bedeuten, sondern sie werden sich im Gegenteil wie Phoenix aus der Asche heben.
Sie wären damit die Ersten, die den circulus vitiosus permanenter Erpressungen durchbrechen und sich nicht mehr einschüchtern lassen. Und damit wird der Anfang gemacht sein, endlich jene in den Orkus zu schicken, die ihn tatsächlich verdienen - die Troglodyten der Finanzmafia und ihre politischen Handlanger, die glauben, ihr abscheuliches Spiel bis in alle Ewigkeit weitertreiben zu können.

Wir werden nach und nach alle aussteigen und diesen gigantischen Affentanz, der evolutionsmäßig in die Frühzeit des Menschen gehört, beenden.

RE: Demokratie is coming home | 02.11.2011 | 22:14

Kleine Korrektur:
Wir brauchen kämpfende Philosophen!

RE: Reise ans Ende der Macht | 02.09.2011 | 14:54

@Tom Bombadil

Sehr schön, vielen Dank.
Schade, dass Jakob Augstein darauf nicht geantwortet hat - bis jetzt. Aber vielleicht ist das nur eine Frage der Zeit.

RE: 1968, Gewalt, Rotstift: Wie der Aufstand der Jugend erklärt wird | 31.08.2011 | 22:44

Mister Cameron (dessen Haltung wohl leider für nur allzu viele innerhalb der politischen "Eliten" Europas gelten kann) beklagte nach den Ausschreitungen der englischen Jugend, dass bezüglich Richtig und Falsch Orientierungslosigkeit herrsche, dass es einen drastischen Werteverfall gebe sowie unverantwortlichen Egoismus und einen "allmählichen moralischen Kollaps".

Wie wahr! Nur wird dabei sorgfältig verschwiegen, dass die genannten Tatsachen in seiner eigenen Kaste europaübergreifend längst selbst Tatsachen sind - besonders der moralische Kollaps hat dort vor langem schon stattgefunden. Schon Kohls Aussage in den 80er Jahren von der "geistig-moralischen Wende" bedeutete im Klartext das Bekenntnis der Abkehr von Geist und Moral. Schon lange also, besonders aber seit dem Crash 2008, wird im Verbund mit Hochfinanz und Wirtschaft eine Politik betrieben mit einem Menschenbild, das vor Verachtung für den oft zitierten "gewöhnlichen" Normalbürger, seine Lebensbedürfnisse und wirtschaftlichen Notwendigkeiten - nur so strotzt:
Die arbeitende Bevölkerung ist längst degradiert zu Würstchen, sie soll leben in der permanenten Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Absturz, dankbar noch für den letzten Job und ohne ein anderes Recht als das des Funktionierens (Herr Hundt in seiner Position als Arbeitgeberpräsident z.B. hat sich kürzlich beschwert über ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das einer Whistleblowerin Recht sprach).
Nicht zu vergessen die ermüdend gleichbleibenden Mantras, das bestehende Wirtschaftssystem mit seinen Postulaten, Bedingungen und Zwängen sei "alternativlos". Ja nun, nur in einer Diktatur dürfen Alternativen weder gedacht noch erst recht nicht zugelassen werden, nicht wahr?

Was sollte daran erstrebenswert sein für große Teile einer Jugend, die mit solcher Perspektive zur Überzeugung gelangt, dass da - für sie zumindest - nichts mehr zu gewinnen ist, sondern im Gegenteil schon im Voraus alles verloren - einschließlich der Rente, für die sie auf Grund ihrer Einkünfte ja gar nicht mehr vorsorgen kann. Milliarden und Milliarden wieder und wieder verpulvert, um die Zombies der virtuellen "Märkte" mit realem Geld zu retten - die Rettung der Menschen ist kein Thema, sie können ohne weiteres in den Abgrund fallen.

Die randalierende Jugend ist die Folge(!!) einer randalierenden Politik, einer randalierenden Wirtschaft und randalierender Finanzmärkte, deren Treiben niemand Einhalt gebietet. Es sind die nicht enden wollenden Ausschreitungen der Politakteure, die Ausschreitungen der Wirtschaftsbosse und Großkonzerne mit ihren Massenentlassungsorgien, die Ausschreitungen der Großbanken, der Manager und hoch aggressiven Spekulanten, deren Absicht es ist, aus Gründen der Macht und privaten Selbstbereicherung ganze Länder und Volkswirtschaften mit dem größten Selbstverständnis in die Grütze zu reiten. Nirgendwo wirklich regulierende Maßnahmen (tatsächliche Abschaffung der Leerverkäufe, Tobin-Steuer, Finanztransaktionssteuer usw.usf.) - nur leeres Geschwätz und als Vorbild ein feixender Ackermann mit 25 Prozent Rendite.

Und jetzt möchten die Herrschaften sich beschweren, dass der Schuss nach hinten losgeht?!
Mister Cameron verspricht, hart durchzugreifen. Was möchte er denn als Nächstes tun? Panzer gegen die eigene Bevölkerung? Ja freilich, bei solcher Geisteshaltung wird das als "Problemlösung" so eingeplant sein. Der Leopard zum Beispiel soll sich ja hervorragend eignen auch für den Einsatz gegen "besonders aggressive Demonstranten" (gehört in einem Kommentar auf youtube bei der Vorstellung des Leopard-Panzers bezgl. seines Aktionsradius').

Aber wenn nun endlich sogar der Herr Schirrmacher (vorausgesetzt, sein Sinneswandel ist nicht nur eine rhetorische Bedenklichkeits-Übung und gerade mal en vogue) als eines von vielen medialen Sprachrohren des Neoliberalismus' plötzlich Zweifel äußert, ob denn nicht vielleicht doch über lange Jahre der falsche Weg gegangen worden sein könnte, dann wäre dies zumindest ein schwaches Indiz auch für die Einsicht, dass man sich nicht wundern muss und sich auch nicht zu beklagen braucht über das, was man selbst herangezüchtet hat - eine Jugend, die der Gewalt des herrschenden Systems ihre eigene Gewalt entgegensetzt - sie schlagen zu, weil es ihnen bis in die Haut hinein reicht.

RE: Theodor zu Guter Letzt | 09.03.2011 | 10:03

Die wirkliche Katastrophe beim Thema Guttenberg ist nicht die Tatsache, dass er zurückgetreten ist, sondern das Wehgeschrei um diesen Abgang. Es hätte für mich weder bewiesener noch haltloser Plagiatsvorwürfe bedurft, um diesen Menschen nicht weiter auf der politischen Bühne sehen zu wollen - denn er war ja schon vor den Plagiatsvorwürfen eine unerträgliche Zumutung.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an seinen Auftritt anlässlich der Ehrung gefallener deutscher Soldaten in Afghanistan - selbstverständlich in elegantem Schwarz -, an seine vor edler Selbstergriffenheit tremolierende Rede, deren Pathos mir den blanken Ekel in die Gurgel schickte. Nebenbei sei erwähnt, dass er diese Rede dazu benutzte, kundzutun, dass er einem dreijährigen!! Kind, nämlich seiner eigenen Tochter, eine mindestens überholte, wenn nicht reaktionäre Sicht von Vaterlandsliebe, Stolz und Ehrenhaftigkeit einträufelt. Soll eine derart zynische Haltung Vorbild sein für das Erziehungsmodell deutscher Eltern?

Ich erinnere an seine Talkshow in Afghanistan, anlässlich derer ein gesamtes TV-Equipment dorthin gekarrt wurde. Es geht nicht um die dadurch entstandenen Kosten, sondern um die folgende Frage: Wie kann man, wenn man die Geschmacklosigkeit nicht zum Lebensstil erhoben hat, sich in einem derart gebeutelten Land mit einer vollkommen anderen Kultur in legerer Haltung auf ein Sofa setzen und in seltsamer medialer Kumpanei mit einem Johannes B. Kerner eine Seifenoper veranstalten, die sich "Interview" nennt, in Wahrheit aber nichts anderes ist als die eitle Selbstinszenierung eines Scharlatan. Dass das deutsche Fernsehen und die Medien überhaupt etwas Derartiges bedienen, ist eine Katastrophe, die extra erörtert werden müsste.

Aber ich möchte auch die für mich unsägliche Einfalt der Soldaten ins Feld führen, die die Bonbons einer verteidigungsministerlichen "Anteilnahme" lutschen wie das Manna in der Wüste. Wie weit muss die Gehirnwäsche gediehen sein, wenn auch nur einer von ihnen wirklich glaubt, sein Leben bzw. sein Tod sei für irgend einen Verteidigungsminister - und erst recht nicht für einen vom Schlage eines zu Guttenberg - von Belang?! Freilich ist die Rhetorik stets eine andere, aber man müsste auch wissen, dass die Rhetorik stets konträr steht zu dem, was sie verbirgt: Kein Tod von Soldaten (und auch nicht der von Zivilisten) ist in dem, was sich hier "Kampf" nennt, von irgend einer Bedeutung, das fällt alles in die gemeinschaftliche Grube der "Kollateralschäden". Betroffenheitserklärungen in dem Zusammenhang sind schiere Heuchelei - im Falle des Herrn zu Guttenberg sind sie allerdings sehr gut angezogen. Ein Drama, dass - wie zumindest die Medien behaupten - ein Großteil der Bevölkerung sich von einer leeren Hülle blenden lässt. Die Analyse, warum das so ist, wäre ein anderes Thema. Das allerdings müsste ebenfalls dringend aufgearbeitet werden!