Schachnerin
09.07.2014 | 11:52 16

Rettet die Menschheit vor Jim Humble

Wundermittel Mütter quälen ihre Kinder nach Anleitung des amerikanischen Ingenieurs mit Einläufen aus Chlorbleiche.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Schachnerin

Miracle Mineral Supplement“ (MMS) ist kein Medikament, sonder ein giftiges Bleichmittel. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor seiner Anwendung. Natriumchlorit und Zitronensäure werden zusammengeschmischt, dadurch entsteht Chlordioxid. Das Zeug kann man im Internet, unter anderem bei Amazon bestellen, die Bücher auch, wie "Autismus heilen" von Kerri Rivera.

Eltern autistischer Kinder werden in Internet Foren dazu gedrängt, ihre Kinder mit MMS zu behandeln.

Trotz Risikowarnung: Gefährlicher "MMS-Wundermittel"-Wahn geht weiter

MMS Anhänger verlinken diese Artikel in ihren Foren und fluten sie mit Kommentaren.

Um Eingriffen durch die Staatsgewalt zu entgehen hat der ehemalige Scientologe eine eigene Kirche, die Kirche der Freiheit, gegründet.

In Selbsthilfeforen wird Miracle Mineral Solution (MMS), von der FDA als Industriebleiche bezeichnet, Kranken und Sterbenden angepriesen.

Humble behauptet in Afrika 100 000 Malariakranke mit MMS erfolgreich behandelt zu haben. In Mexiko und Haiti macht er Versuche mit Schwerkranken.

Der Guardian berichtet über einen 15jährigen aus Cardiff, der an Morbus Crohn leidet und in einem Selbsthilfeforum recherchiert hat.

...Jim Humble and his followers are free to roam the developing world, visiting the sick, the desperate and the dying, and making them sip water treatment chemicals for days or weeks on end. And that should make us all unspeakably angry.

The man who encourages the sick and dying to drink industrial bleach

Kontraste berichtete über die Ätzende Alternativmedizin - Angebliche Wundermittel gefährden Patienten

Humble glaubt Autismus würde durch Impfungen und Parasiten entstehen, zur Entgiftung rät er Eltern autistischer Kinder ihnen Einläufe mit Chlordioxid zu verabreichen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung der Autorin wieder.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (16)

Schachnerin 09.07.2014 | 14:36

In ein paar Fällen ist das Jugendamt schon eingeschritten, heißt es in der Sendung Kontraste:

Wir erfahren, dass in mehreren Fällen bereits Jugendämter eingeschaltet wurden – wie dieses in Monheim. Hier wurde sofort reagiert.

Annette Berg
Jugendamt Monheim

„Vor kurzem haben wir den Hinweis bekommen, dass Eltern hier in unserem Zuständigkeitsbereich ihren drei Kleinkindern MMS verabreichen. Wir haben ganz klar entschieden, dass dieses Mittel a) gesundheitsgefährdend ist und die Gabe an Kinder eine Kindeswohlgefährdung darstellt und dementsprechend sind wir dann auch vorgegangen. Und das haben wir genauso gewertet wie eine Misshandlung, eine Missbrauchssituation und sind entsprechend auch den Eltern begegnet.“

Für die Kinder wurde ein langfristiges Schutzkonzept aufgestellt, regelmäßige Untersuchungen beim Kinderarzt sind Pflicht. Und die Ergebnisse werden vom Jugendamt überprüft.

Der Behörde war MMS vorher völlig unbekannt, sie fing mit der Recherche bei Null an. Und wie wir feststellen müssen, geht es auch anderen Aufsichtsämtern bei MMS so - es gibt keinerlei Vernetzung untereinander und keine zentrale Zuständigkeit.

Das macht es den MMS-Quacksalbern leicht, ihr skrupelloses Geschäft mit der Hoffnung weiter zu betreiben.

Was man braucht, wäre eine zentrale Stelle, die sich um das gefährliche Treiben kümmert. Das Bundesgesundheits- ministerium allerdings stiehlt sich aus der Verantwortung: Als wir nachfragten, bekamen wir nur die schnöde Antwort: Das sei Sache der Länderbehörden. So ist das also im Föderalismus.

Schachnerin 09.07.2014 | 14:44

Der Pirat Christopher Lauer hatte eine Demonstarion vor dem Hannover Congress Centrum gegen MMS angemeldet. STOPP MMS

Referenten auf dem "Spirit of Health Kongress für alternative Heilmethoden” waren unter anderen Jim Humble und Kerri Rivera, die einen Vortrag mit dem Titel "Autismus erfolgreich behandeln hielt". In einem offenen Brief wurde die Stadt Hannover aufgefordert, den Veranstaltern zu kündigen und Kindesmisshandlung keine Plattform zu bieten.
Personen, die mitten in Deutschland geltendes Recht brechen, sollten Sie kein Forum bieten.



Schachnerin 09.07.2014 | 20:29

Das Bundesgesundheitsministerium scheint noch nichts gemacht zu haben, aber die Regierung von Oberbayern hat MMS als Arzneimittel eingestuft und den Vertrieb verboten. Gegen den Arzt Peter Rohsmann, der einen Versandhandel mit MMS hatte, hat die Staatsanwaltschaft ermittelt. Er wurde für das „vorsätzliche Invehrkehrbringen eines bedenklichen Arzneimittels“ zu 240 Tagessätzen verurteilt. Dagegen will er Revision einlegen. Er schreibt, ein beträchtlicher Teil seiner Einnahmen wäre weggebrochen.

http://stop-mms.de/inst/?p=4

Die tz hat berichtet:

http://www.tz.de/muenchen/stadt/chlorreiniger-wundermedizin-verkauft-razzia-muenchner-arzt-1062018.html#