Die falsche Logik der Rassisten

Logik für Anfänger Aus den Vorkommnissen an Silvester 2015/16 am Bahnhof in Köln werden Maßnahmen gegen Nordafrikaner und Geflohene abgeleitet. Zu recht?
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Das Abheben auf die Gruppenzugehörigkeit von Individuen zu einer Gruppe "Die G" in den Aussagen von Kommentatoren, Politikern oder Hetzern, kann zu leicht verwendet werden als eine böswillige oder zumindest ignorante Reduktion von Individuen auf statistische Gruppengemeinsamkeiten, die den Individuen der Gruppe nicht gerecht wird.

Der Falsche Analogieschluss

Die logische Schlussform, die zur Ableitung von Folgerungen verwendet wird, ist der falsche Analogieschluss:

Person A hat die statistische Eigenschaft g und gehört deswegen zu Gruppe G.
Person A hat zusätzlich die schlechte Eigenschaft e.
!=> (Fehlschluss)
Deshalb haben alle Personen aus der Gruppe G mit statistischer Eigenschaft g auch die schlechte Eigenschaft e.

Wenn ein Politiker oder irgendjemand sonst aus dieser falschen "Schlussfolgerung" die Forderung nach repressiven Maßnahmen gegen Menschen mit statistischer Eigenschaft g ableitet, ist das etweder dumm und/oder böswillig.

Beispiel 1 (Unzulässiger Fehschluss):
Manche Nordafrikaner belästigen Frauen. Da diese Eigenschaft nicht konstituierend ist für Nordafrikaner (ein Gegenbeispiel reicht aus), sind Forderungen nach Repressionen gegen alle Nordafrikaner unzulässig.

Dieser Fehlschluss ist genau dann kein Fehlschluss, wenn die Eigenschaft e tatsächlich etwas mit der Eigenschaft g zu tun hat. Also genau dann, wenn die Eigenschaft e konstituierend für die Gruppenzugehörigkeit zur Gruppe G ist, wenn die Eigenschaft e Teil der Eigenschaft g ist.

Korrektes Schlußfolgern

Die logisch korrekte Schlussformel, die im Beispiel 1 nur vorgetäuscht wird, ist die Deduktion:

Gruppe G besteht aus den Menschen mit Eigenschaft g.
Wenn Eigenschaft e ein Teil von Eigenschaft g ist ...
=> (Korrekte Schlussfolgerung)
... dann haben alle Personen aus Gruppe G auch die Eigenschaft e.

Beispiel 2 (Deduktion):
Das erklärte Ziel von Pegida ist die Schlechterbehandlung von Menschen nichtweißer Hautfarbe (zuerst "die Migranten", dann "die Flüchtlinge", hier: "die Nordafrikaner").
Alle Personen, die Menschen nichtweißer Hautfarbe unterdrücken wollen, sind auch Rassisten.
=> Alle Teilnehmer von Pegida sind Rassisten.

Daraus folgt übrigens auch:
Wer Pegida gegenüber neutral ist, toleriert Rassismus in zumindest manchen Bereichen der Öffentlichkeit.

Rassismus

Zurück zu Beispiel 1. Maßnahmen, die als zulässige Forderungen aus den Vorkommnissen in Köln gelten können, sind Maßnahmen gegen genau die beobachtete schlechte Eigenschaft, gegen die sexuelle Belästigung. Also Maßnahmen, die alle Belästiger, unabhängig von weiteren Gruppenzugehörigkeiten, gleichermaßen treffen. Das ist auch genau, was der intersektionale Feminismus fordert.

Wenn ein Politiker dagegen aus den Vorkommnissen repressive Maßnahmen gegen "die Nordafrikaner" oder "die Flüchtlinge" ableitet, unterstellt er die Anwendbarkeit der Schlussformel aus Beispiel 2. Er unterstellt, dass die Eigenschaft "führen sexuelle Belästigung durch" konstituierend wäre für die Gruppe "die Nordafrikaner" oder für die Gruppe "die Flüchtlinge".
Das ist nicht nur unpräzises Denken oder Populismus. Das ist Rassismus.

Wenn der Politiker sogar ausschließlich Maßnahmen gegen diese Gruppen fordert und dadurch die Mehrheit der sexuellen Übergriffe in Deutschland ignoriert, beweist er sich nicht nur als Rassist sondern darüber hinaus auch noch als Frauenverachter.

15:12 09.01.2016
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