rolpe

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RE: Wulffs Demokratie | 07.01.2012 | 21:02

Liebe aleata,

ich bin nicht der Meinung, daß Wulffs Problem - d.h. auch das Problem von Wulffs politischem Überleben - die Nähe zu der Wirtschaft ist; wie oben ausgeführt, gehört die leider zur Politik, und bei näherer Untersuchung würde sich wohl niemand in den oberen Rängen als vollkommen sauber herausstellen. Nein, sein Problem ist die eigene Verteidigungsstrategie, und da staune ich immer wieder, wie stümperhaft und ohne Format die ist. Was mach(t)en eigentlich sein Pressesprecher und seine Anwälte? Wahrscheinlich ist der Mann weitgehend beratungsresistent, und benutzt sein Umfeld nur als Boten. (Interessant wäre auch, die Rolle seiner Frau bei dem Ganzen zu kennen, oft benehmen sich verliebte ältere Ehemänner wie ausgemachte Dummköpfe.) Seine Botschaft auf dem Anrufbeantworter der Bild-Zeitung - das ist wie wenn ein Dieb sein Photo einschließlich Visitenkarte in die Tasche des Bestohlenen steckt. Und so geht das Erklärung für Erklärung, Interview einbegriffen. Die Salamitaktik erinnert übrigens an den ehemaligen österreichischen Präsidenten Kurt Waldheim.

Er ist natürlich auch ein Geschöpf Angela Merkels, so wie ehemals Köhler. Präsidenten von der Kanzlerin Gnaden. Die Umstände der gegenwärtigen Affäre sind genauso peinlich wie die Umstände von Wulffs Wahl. Sie verträgt offenbar niemand auch nur ansatzweise neben sich, jemanden wie Richard von Weizsäcker. Selbst Ursula von der Leyen wäre zu selbstständig gewesen, geschweige denn ein Joachim Gauck, der ja politisch nicht soo weit entfernt sein mag.

Nebenher, was mich doch rührt: wie billig so ein Ministerpräsident zu haben ist. Vergünstigter Privat- und dann Bankenkredit, über den er stolpert: es ging um ein paar Tausend Euro.