RE: „Natürlich müssen wir das ernst nehmen“ | 13.09.2021 | 13:00

Ganz im Ernst, was soll das? Es ging ja nicht nur um Einladungen zum Umtrunk, sondern auch um einen richtigen Tatvorwurf. Ich selbst habe schon sexuelle Belästigung in der Linken erlebt, genau wie sehr viele meiner Freundinnen. Und dass Frauen auch hier nicht geglaubt wird, wo doch so viel von Gerechtigkeit und Gleichheit und sonstwas geredet wird, ist sowas von bezeichnend. Was ist das bitte für ne Sprache? "Verdachtsdiktatur". Dir ist schon klar, dass von 100 Verdächtigen sexueller Gewalt genau EINER verurteilt wird? Also meinst du, dass 99 der Frauen lügen? Sind das unabhängige Gerichte? Es ist einfach super schwer Beweise für sexuellen Missbrauch festzustellen, das bedeutet aber nicht, dass es nicht geschehen ist.

RE: „Natürlich müssen wir das ernst nehmen“ | 13.09.2021 | 12:48

Lieber Sebastian, gut, dass du dich mit diesem Fall auseinandersetzt. Was mir bei deinem Artikel aber deutlich negativ auffällt, ist, dass du hier einen Fall der sexuellen Belästigung mit der Kampagne an sich in einen Zusammenhang bringst. Dein Fokus liegt eher darauf, wie sich das nun negativ auf den Wahlausgang auswirken könnte: "Der Konflikt" (bisschen verniedlicht, wenn man das aus der Perspektive der Frau liest oder?) käme zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wann bitte ist es denn für das Opfer sexueller Belästigung ein GÜNSTIGER Zeitpunkt? Folgende Passage finde ich auch sehr schwierig: "Was ist ein akzeptabler Flirt? Wo verlaufen in einer politischen Organisation die Grenzen der professionellen Zusammenarbeit, wo fängt das Private an? Wo ist die Grenze zwischen einem charmant-ungefährlichen älteren Herren und einem grenzüberschreitend-unangenehmen Mann? Die Kriterien sind nur schwer objektiv zu bemessen, aber klar ist: Was einst noch akzeptabel erschien oder vielleicht auch zähneknirschend akzeptiert wurde, ist es heute nicht mehr." Mit Verlaub, das klingt sehr stark nach einem Kleinreden. Es ist eigentlich gar nicht so schwierig, wenn man ein Mindestmaß an Feingefühl und Gespür für Situationen hat, abzuschätzen, welches Verhalten für eine andere Person gerade vielleicht übergriffig sein könnte. Ich habe am eigenen Leib sexuelle Belästigung in linken Kreisen erlebt und ich kenne SEHR viele Frauen, denen es genauso geht. An den Kommentaren sieht man auch, wie weit verbreitet offensichtlich "victim blaming" in der Linken verbreitet ist. Das schreit ja förmlich nach "hätte sie sich ja nicht so freundlich verhalten dürfen". Leute! Ganz im Ernst. Wenn ein Fall sexueller Belästigung innerhalb der FDP oder in sonst einem euch verhassten Verein/Partei usw. passiert, dann geht ihr direkt auf die Barrikaden, aber passiert es hier, dann kann das alles nicht stimmen? Aber Springer und allen Gegner:innen von Deutsche Wohnen enteignen werft ihr jetzt vor, dass die diesen Fall instrumentalisieren? Lieber Sebastian, guter, neutraler, informierender Journalismus geht wirklich anders. Liebe Grüße