Rotherbaron

Autor, Blogger. Themen: Politik, Gesellschaft, Natur und Umwelt, Literatur, Kultur. Seiten: rotherbaron.com; literaturplanetonline.com
Rotherbaron
RE: „Grünes Wachstum“ wird uns nicht retten | 27.10.2021 | 17:43

Nico Paech ist nur zuzustimmen. Überdies Konsum macht nicht glücklich. Natur, Freundschaft, Kunst ... machen glücklich. Leider ist aus dem "Grünen Wachstum" mittlerweile ein Politiksurrogat und Religionsersatz geworden. Ich habe mir intensiv darüber Gedanken gemacht, wie Klimaschutz gelingen kann ohne auf raumgreifende Industrien zu setzen und warum grünes Wachstum paradox ist: Inneres und äußeres Wachstum. Die Paradoxie des nachhaltigen Wachstums

RE: Vergessene Geschichte, ungewisse Zukunft | 21.08.2021 | 11:22

"Zu hoffen ist, dass die Epoche des angeblichen Exports von Demokratie nach westlichem Zuschnitt durch militärische Eingriffe zu Ende geht." Sehr richtig!- Der Westen ist in Afghanistan an seiner Ignoranz und der Ausblendung der sozialen Probleme der Menschen gescheitert. Und dies nicht zum ersten Mal: https://rotherbaron.com/2021/08/21/todliche-ignoranz/

RE: Jenseits von Geschlecht | 14.03.2021 | 14:38

Ich kann vielem in dem Text zustimmen. Ich bemühe mich durchaus um eine gendergerechte Sprache, aber wie Sie schreiben, haben wir es mit Konstruktionen und einem "Sprachdiktat" zu tun. Es fehlt die lebendige Verbindung zwischen Sprache und gesellschaftlicher Entwicklung. Anfang des Jahres habe ich mir z.T. ähnliche Gedanken zum "gendern" gemacht. Anlass war, dass die öffentlich-rechtlichen Sender beschlossen haben, das Gendersternchen auch in die gesprochene Sprache zu übernehmen. Durch die der transsexuellen Menschen gedenkenden sprachpause macht man nun deutlich, dass alle anderen zu Diskriminierungen führenden Diversitäten keiner weiteren sprachlichen Beachtung wert sind. Hier meine Analyse: Exklusive Inklusivität

RE: Angst vor dem Wasser | 14.03.2021 | 14:30

Mark Rutte verkörpert die neu Form eines gesichts-und haltungslosen Politikers, in den jede und jeder hineinsehen kan, was er /sie möchte. Skandale prallen an ihm ab wie an einer "Teflonpfanne". Für jeden Skandal hat er einen assenden Schuldigen gefunden. Mich hat sein bevorstehender Wahlsieg zu Gedanken über "Politiker- Typen" allgemein inspiriert: Der Politiker als Hohlform

RE: Das Virus des Totalitarismus | 31.08.2020 | 21:50

Der Schlussatz ist eine Verkürzung meiner Argumentation. Es geht nicht darum, das Maskentragen zu befürworten oder abzulehnen, sondern um die Art wie die Maskenpflicht umgesetzt wird. Es findet noch nicht einmal eine wissenschaftlich fundierte Begründung statt, in welchen Situationen welche Masken sinnvoll sind. Es gibt nur eine Anordnung irgendwelche (möglicherweise nutzlosen, unhygienischen oder falsch getragenen) Masken zu tragen. Das ist dann kein sinnvoller Virenschutz, sondern ein sozialer Anpassungsakt, der eine Unterscheidung zwischen guten, braven MaskenträgerInnen und „Maskenverweigeren“ trifft. Diese Stimmung hat schon dazu geführt, dass Menschen mit Behinderungen und Atemwegserkrankungen die aus medizinischen Gründen keine Masken tragen können vom Bustransport ausgeschlossen und von MitbürgerInnen beleidigt und tätlich angegriffen wurden. Für Menschen mit Hörbehinderungen bedeuten die Masken eine große Kommunikationseischränkung, die dazu führt, dass einige verunsichert sind und sich zurückziehen. Die Mehrheitsgesellschaft interessieren derlei Dinge in keinster Weise. Wir sind toll und klug und zeigen dies durch Maskentragen! Wer das nicht einsieht ist doof und rücksichtslos! Mich interessiert nicht die Maskenpflicht an sich, sondern ihre sozialen Folgen und politischen Durchsetzungsformen.

Es entsteht eine selbstgerechte Stimmung der Ausgrenzung und des undifferenzierten Schubladendenkens, die aggressiv und im Kern totalitär ist. Das war mein Punkt. Es wird am Ende nicht das Virus bekämpft, sondern die Menschen. Dies ist freilich in Indien und totalitären Staaten noch einmal eine andere Nummer. Aber Grundstimmungen lassen sich auch hier ausmachen.

RE: Das Virus des Totalitarismus | 31.08.2020 | 16:23

Danke für den ausführlichen Kommentar!- Merkel-Bashing liegt mir fern. Im Prinzip mag ich die Kanzlerin. Es geht eher um ein gesellschfatliches Grundgefühl, das um sich greift .. und um politische Routinen, die antidemokratisch sind. Natürlich sind wir von Trump und Co. weit weg: Aber: Wehret den Anfängen!

RE: Das Virus des Totalitarismus | 31.08.2020 | 16:20

Es geht eigentlich ja nicht um die Frage, ob die Maske "Leben rettet". Dies wird durchaus-vor allem wenn es irgendwelche "Fetzen" sind-auch unter ExpertInnen kontrovers und kritsch diskutiert.Leider gibt es diese Diskussion leider nicht in der Breite. Es geht um die Symbolpolitik, die hinter bestimmten Anordnungen und Bußgeldern steht. Der Staat hat in vielen Fragen versagt: In der Schulsanierung, in der Gesundheitspolitik. Nun wird (mal wieder) die Verantwortung an die Einzelnen verschoben. "Tragt brav eine Maske und alles wird gut!!!!" - Und die Landesfürsten überbieten sich bei den Bußkatalogen für "Maskenmuffel" anstatt ihre Aufgaben sinnvoll wahrzunehmen. Und das Wichtigste ist: Es wird angeordnet und in einer Einbahnstraße "kommuniziert" statt diskutiert und argumentiert. Die Maskenpflicht in überfüllten, schlecht gereinigten Zügen und maroden Schulen ohne Abstandsmöglichkeit sind ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie retten überhaupt nichts. Sie gaukeln eine trügerische Sicherheit und "politische Tätigkeit" vor und verlagern Verantwortung in die Bevölkerung, die man dann bei "Fehlverhalten" strafen kann. Insofern sind aus meiner Sicht, die Bändel eher kurz.

RE: Mehr Biodiversität, weniger Viren | 14.04.2020 | 14:46

Wir müssen nicht mit dem Finger nach Asien oder Afrika zeigen. Bei uns hat sich die Argumentation durchgesetzt, dass Artenschutz einfach nur ein Störfaktor bei der Umsetzung der schönen neuen Welt des grünen Wachstums ist.

Demnach hat die Bundesregierung auf Drängen der Windkraftlobby 2017 ein Gesetz beschlossen, wonach das Töten geschützter Arten in bestimmtem Umfang erlaubt ist. Der Gesetzesentwurf wurde dabei geradezu handstreichartig ins Parlament eingebracht: Die Naturschutzverbände bekamen Ende 2016, kurz vor Weihnachten, gerade einmal 14 Tage Zeit, um dazu Stellung zu nehmen.

Die „zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“, die laut Gesetzestext ein Ab-sehen vom Tierschutz erlauben, werden in der überarbeiteten Fassung ausdrücklich auf „Vorhaben privater Träger“ ausgedehnt, sofern „öffentliche Belange ihre Realisierung erfordern“ (vgl. Bundesna-turschutzgesetz, § 45, Abs. 7). Was damit gemeint ist, erläutert der Nachsatz: „Zu diesen Belangen gehört der Ausbau der Erneuerbaren Energien“. Dies bedeutet nichts anderes, als dass der Tier- und Naturschutz privatwirtschaftlichen Interessen geopfert wird.

Wälder werden mit Trassen durchschnitten und selbst naturnahe Wälder wie der Reinhardswald in Nordhessen in Industriegebiete umgewandelt. Es kommt zu einer Verdichtung oder Vernichtung von Lebensräumen wildlebender Tiere und damit zu einer größeren Nähe zu Wohngebieen. In den verbliebenen Inseln von Wald wird von den Mitgliedern der Heil- und Rechtsberufe dann auch noch der Jagdfreude gefrönt. Deutschland: Kein ruhiger Platz für Wildtiere!

"Klimaschützer" von FFF bis zu den Grünen vertreten die Ansicht, man könne ganze Tierarten ausrotten und großzügig Ökosysteme betonieren, wenn es dem höheren Ziel des Klimaschutzes dient. ArtenschützerInnen werden regelmäßig als Forschrittsbremsen verhöhnt. Den meist urbanen KlimaschützerInnen fehlt allzu oft die lebendige Verbindung zur Natur und das Verständnis für sensible Ökosysteme.

Die Ersetzung des Naturschutz- durch den Klimaschutzgedanken führt dazu, dass wir das Gespür für das komplexe Interaktionsgefüge verlieren, das naturhaftes Leben auszeichnet. Wenn aber das Denken in Kategorien von Ökosystemen oder symbiotischen Beziehungen, wie sie uns der Naturschutz gelehrt hat, in den Hintergrund tritt, verlernen wir auch die nötige Achtsamkeit im Umgang mit der Natur, die durch die Umweltschutzbewegungen des vergangenen Jahrhunderts stärker zur Geltung gebracht worden ist.Im Schatten der „klimafreundlichen“ Transformation der Wirtschaft können dann auch die ausbeuterisch-rücksichtslosen Formen des Umgangs mit der Natur, die gerade erst mühsam eingedämmt worden sind, wieder ungenierter praktiziert werden. Falls nötig, braucht man ja nur zu behaupten, dass dies im Namen des Klimaschutzes unerlässlich sei. Wenn vom „New Green Deal“, einer „Versöhnung von Ökonomie und Ökologie“ oder dem wachstumsfördernden Potenzial der neuen, „klimaschonenden“ Technologien die Rede ist, bereitet das exakt einer solchen Entwicklung den Boden.

Mit der damit einhergehenden massiven Einschränkung von Ökosystemen und Lebensräumen bieten wir nicht nur Zoonosen einen guten Nährboden, wir begünstigen durch unsere Naturzerstörung am Ende auch den Klimawandel. Es bleibt zu hoffen, dass sich die KlimaaktivistInnen mehr und intensiver mit ökologischen Fragen und Naturschutz beschäftigen und sich nicht von einer Industrielobby vereinnahmen lassen. Man kann nur hoffen, dass sie für den Erhalt der Natur und der Artenvielfalt auf die Straße gehen und nicht wie leider allzu häufig für mehr Beton in Naturschutzgebieten und die Zerstörung Rückzugsgebieten bedrohter Tierarten für Windkraftanlagen!

RE: Nicht mehr die Demokratie, die wir kennen | 03.04.2020 | 18:04

Es gibt einen ökologischen Notstand: Die Natur ist akut bedroht. Und was der Natur widerfährt, betrifft auch unser Leben und unsere Lebensgrundlagen. Aber: Meine Befürchtung ist, dass gerade in dieser Debatte kein "Naturnotstand" ausgerufen würde, sondern der "Klimanotstand". Warum? Ganz klar: Dieser lässt sich weitaus besser mit Lobbyinteressen verbinden. Schon jetzt fordern so genannte Klimaschützer (die eher ihre WKA-Aktien schützen wollen als "das Klima"), dass der Natur- und Artenschutz eingeschränkt wird, um das Klima zu retten. Besonders merkwürdig die Argumentation der rheinland-pfälzischen Umweltministerin. Sie sagt: "Wir brauchen Windräder im Wald, denn der Wald ist besonders vom Klimawandel bedroht.". Also das bedeutet: Weil der Wald stirbt und damit auch die Flora und Fauna, die dort lebt, holzen wir den Wald ab, verdichten dort hektarweise den Boden, gießen Tonnen von Stahlbeton hinein und stellen ihn mit Propellern voll, die die sensibelen Waldbewohner wie Eulen, Fledermäuse usw. vergrämen oder gleich schreddern. Und zwar, weil WKA theoretisch die fossilen Stromquellen eventuell ersetzen und damit allenfalls in einem theoretischen Promillebereich einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels beitragen könnten. So argumenteren übrigens die meisten "Klimaschützer": Wir rotten Tiere aus, zerstören die letzten Reste von Natur um eventuell den Klimawandel einzudämmen, um die Natur dann zu schützen, die wir vorher schon platt gemacht haben ...Das ist wie aus einem dieser absurden Dialoge von Karl Valentin!

RE: Die Krise als Chance? | 03.04.2020 | 16:26

:-) Verlaine und Mallarmé nicht zu vergessen. Kleine Fluchten in die Poesie können auch entlasten: https://rotherbaron.com/2020/03/18/aufstand-gegen-das-leben/