Rotherbaron
20.08.2016 | 09:20 50

Lasst die Burka in Ruhe!

Verbietet die Paschas Das Burkaverbot weist in die falsche Richtung, weil es die Diskriminierung ohnehin schon unterdrückter Frauen noch weiter verstärkt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Rotherbaron

Lasst die Burka in Ruhe!

Foto: FADEL SENNA/AFP/Getty Images

(Vor-)Wahlkampf … Wer sich als Politiker der Rettung der nationalen Ehre verschrieben hat, drischt vorsichtshalber schon mal ein bisschen auf den neuen Gottseibeiuns des Westens, den glorreichen Nachfolger des Kommunismus, ein: den politischen Islam. Am liebsten würde man es zwar machen wie Donald Trump und gleich den ganzen Islam oder doch wenigstens den Koran verbieten bzw. einfach ganz Arabien oder noch besser den gesamten Orient aussperren. Da es dafür in Deutschland aber schon zu viele Menschen – sprich: potenzielles Wahlvolk – islamischen Glaubens gibt, verlegt man sich doch lieber auf den Ruf nach Teilverboten.

Ich stelle mir vor, dass es an einem der wenigen heißen Tage dieses Jahres um die Mittagszeit eine Versammlung in der prallen Sonne gegeben hat, bei der die Beteiligten reichlich Bier getrunken haben. Thema der Versammlung: Wie können wir uns wieder als Sicherheitsapostel und Vertreter des nationalen Reinheitsgebots positionieren? Und dabei hat dann wohl irgendwann jemand in die Runde gerufen: "Lasst uns doch einfach die Burka verbieten!"

Die Reaktion: Begeistertes Rülpsen. Die Vorzüge des Vorschlags liegen ja auch auf der Hand: Die Burka ist in der deutschen Öffentlichkeit ohnehin praktisch inexistent, also tritt man auch niemandem auf die Füße, wenn man sie verbietet. Gleichzeitig kann man so aber ein Zeichen setzen, dass man sich von diesen Islamisten nicht alles bieten lässt.

Aber wie das so ist mit Verboten: Der Teufel – der hier natürlich auch seine Finger im Spiel hat – steckt im Detail. Nun will ich gerne konzedieren, dass bei der 35-Grad-im-Schatten-Versammlung die geistige Kraft nicht gereicht hat, um den Verbotsantrag in all seinen Konsequenzen zu durchdenken. Aber warum hat man dann nicht einen der vielen kühleren Sommertage genutzt, um das Szenario noch einmal in Ruhe durchzuspielen?

Die nahe liegende Frage ist doch: Wen trifft man konkret mit einem Burkaverbot? Nahe liegende Antwort: Die verschleierte Frau. Wen aber möchte man eigentlich mit dem Burkaverbot schützen? Richtig: Die verschleierte Frau. Denn sie ist es doch, die unter dem frauenfeindlichen Willkürregiment der islamistischen Männer zu leiden hat.

Ein Burkaverbot würde bedeuten, dass die häuslicher Unterdrückung ausgesetzte Frau sich auch in der öffentlichen Sphäre nicht mehr sicher fühlen könnte. Dies hätte zur Folge, dass sie sich entweder ganz aus der Öffentlichkeit zurückzöge – wodurch man die Integration, die man durch das Burkaverbot angeblich fördern möchte, faktisch noch mehr erschweren würde – oder dass sie versuchen würde, ihre mangelnde Wertschätzung durch die Annahme einer Rolle als Burkamärtyrerin zu kompensieren. In letzterem Fall würde das Burkaverbot die betreffenden Frauen paradoxerweise also gerade dazu ermuntern, sich der Vollverschleierung zu unterwerfen.

Hinzu kommt, dass man ein Verbot auch durchsetzen muss, wenn es Wirkung zeigen soll. Die Erfahrungen, die man in Frankreich mit dem Burkaverbot gemacht hat, zeigen jedoch, dass Geldstrafen hier ins Leere laufen. Wo sie überhaupt ausgesprochen werden, findet sich immer ein reicher Ölscheich, der die Strafgebühr aus der Kaffeekasse zahlt. Als Folge hiervon ertönt aus den einschlägigen Kreisen bereits der Ruf nach härteren Strafen – und damit nach einer Verschärfung eben jener Konfrontation, die doch in den vergangenen Monaten schon so viel Leid und Gewalt heraufbeschworen hat.

Nein, Verbote allein bringen uns hier nicht weiter. Was hilft, ist allein das Gespräch. Dabei muss man sich allerdings auch die richtigen Ansprechpartner suchen. Und das sind eben in patriarchal-fundamentalistischen Strukturen nicht nur die Frauen, sondern auch und vor allem die Männer, die sich in den entsprechenden Familien als absolute Herrscher aufspielen. Sie sind es, die man erreichen muss, sie sind es, denen man die Selbstverständlichkeit eines gleichberechtigten Zusammenlebens der Geschlechter und des Rechts der Frau auf freie Entfaltung der Persönlichkeit erläutern muss.

Unser Problem ist vielleicht, dass wir zu viel über deutsche Leitkultur und zu wenig über Menschenrechte reden. Während wir nämlich schnell ins Stottern geraten, wenn wir definieren sollen, was das nun eigentlich ist, das "Deutsche", lassen sich die Menschenrechte sehr genau buchstabieren. Diese sind es folglich, die das Leitbild aller Integrationsbemühungen ausmachen sollten. Gerade hier wird über offenkundige Probleme jedoch immer wieder der Schleier der Toleranz gebreitet – etwa wenn Zwangsverheiratungen junger Mädchen nicht konsequent genug verfolgt werden oder über die faktische Freiheitsberaubung, der zahlreiche islamische Frauen durch ihre Männer ausgesetzt sind, unter Verweis auf das heilige Institut der Ehe gütigst hinweggesehen wird.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Nicht die Burkaträgerin ist das Problem, sondern der Mann, der die Frau zur Burkaträgerin degradiert. Er ist es, der durch Gesprächs- und Seminarangebote sowie nötigenfalls auch durch eine kreative Gesetzgebung von seinem Patriarchenthron auf den Boden der Menschenrechte zurückgeholt werden muss.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (50)

Magda 20.08.2016 | 09:44

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Nicht die Burkaträgerin ist das Problem, sondern der Mann, der die Frau zur Burkaträgerin degradiert. Er ist es, der durch Gesprächs- und Seminarangebote sowie nötigenfalls auch durch eine kreative Gesetzgebung von seinem Patriarchenthron auf den Boden der Menschenrechte zurückgeholt werden muss.

Guter Gedanke, denn im Grunde handeln die Burka-Verbots-Apologeten wie die Patriarchen. Sie diskriminieren oder bevormunden die Frauen und gerichtet ist das an die Männer.

Nil 20.08.2016 | 09:50

Berechtigte Überlegungen. Trotzdem. Die Burka sollte verboten werden. Wir können die positiven Errungenschaften des Feminismus nicht derart verraten und verkaufen. ICh möchte außerdem einem Menschen ins Gesicht blicken, wenn er an mir vorbeiläuft. Punkt. In Deutschland \ Europa ist es weder notwendig noch angebracht sich derart zu vermummen. Das sollte die Bundesregierung klarmachen und auch durchsetzen.

Lethe 20.08.2016 | 09:55

vor allem die Männer, die sich in den entsprechenden Familien als absolute Herrscher aufspielen

Das ist in seiner Pauschalierung eine Fehlwahrnehmung, die leider so dermaßen tief in den Köpfen externer Beobachter drinsteckt, dass es wahrscheinlich überflüssig ist, darüber zu reden. Selbst bei der Rettung der Welt sind anscheinend die eigenen Vorurteile noch wichtiger als alles andere.

Haben wir nicht mehr gelernt als am deutschen Wesen soll die Welt genesen durch am europäischen Wesen soll die Welt genesen zu ersetzen? Armselig.

tlacuache 20.08.2016 | 10:03

Ebenso guter Gedanke:

Dazu rufen wir das tuerkische Grundgesetz auf:

..."Artikel 41—Die Familie ist die Grundlage der türkischen Gesellschaft und beruht auf der Gleichheit von Mann und Frau. Der Staat trifft die notwendigen Maßnahmen und gründet die notwendigen Einrichtungen, um das Wohl und Heil der Familie sowie insbesondere den Schutz der Mutter und der Kinder und die Lehre und Anwendung der Familienplanung zu gewährleisten"...

Praktisch das unter Artikel 43 gleich die "Gewässerufer stehen unter der Herrschafts-und Verfügungsgewalt des Staates" folgen...

Unwissender 20.08.2016 | 10:17

Diese sind es folglich, die das Leitbild aller Integrationsbemühungen ausmachen sollten.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Integrationsbemühungen stets vom Aufnahmeland gefordert werden, aber den Geflüchteten nicht zugemutet werden sollen. Sich aufeinander zubewegen und sich dann irgendwo in der Mitte treffen - so stelle ich mir Integration jedenfalls nicht vor.

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2016 | 11:03

fakten aus frankreich:

Burka-Verbot läuft ins Leere

Fast sechs Jahre später zeigt sich: In der Praxis läuft das Burka-Verbot weitgehend ins Leere. Auf rund 2000 vollverschleierte Frauen kommen jährlich insgesamt 300 Bußgeldverfahren. Ein Gutteil davon richtet sich gegen Wiederholungstäterinnen. Und vor allem: Ein Trend weg von der Vollverschleierung ist nicht zu beobachten. Beide Zahlen, die der Burka- und Nikab-Trägerinnen wie auch die der gesetzlich Belangten, sind seit Jahren weitgehend konstant.

http://www.fr-online.de/politik/frankreich-burka-verbot-laeuft-ins-leere,1472596,34633956.html

Rotherbaron 20.08.2016 | 11:07

Die Verfestigung der patriarchalen Herrschaftsstrukturen durch das Regiment der Schwiegermütter ist ein wichtiger Aspekt, der auch von arabischen Autorinnen – wie beispielsweise von Assia Djebar – immer wieder herausgestellt worden ist. Allerdings beruht auch diese aktive Beteiligung von Frauen an männlicher Herrschaft im Kern auf einer Unterdrückung durch den Mann. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, hilft wohl am ehesten ein Rückgriff auf psychoanalytische Konstrukte, wie etwa das der Introjektion des Angstobjekts, das den Mechanismus einer Überhöhung des eigenen Ichs durch eine Identifikation mit dem Aggressor beschreibt.

JR's China Blog 20.08.2016 | 12:31

Die Burka ist in der deutschen Öffentlichkeit ohnehin praktisch inexistent, also tritt man auch niemandem auf die Füße, wenn man sie verbietet.

Das brandheiße Bierszenario finde ich etwas unfair, weil Bier ein anständiges Nahrungsmittel ist, und weil es ja außerdem auch ganz anders hergegangen sein kann. Und weil drittens jede Partei - also auch die CDU - über reichlich Sonnenschirme mit Parteilogo verfügt, unter denen man sich vor politischen Sonnenstichen schützen kann.

Aber zum (fast)-niemanden-auf-die-füße-treten. Ein paar Menschen tritt man eben sehr wohl auf die Füße - die "Unnormalsten", auf die man sich am schnellsten einigen kann. Joseph McCarthy lässt grüßen.

Was diejenigen, die der Burka- und Niquajagd begeistert - und meinetwegen auch rülpsend (beim Markwardt →rülpst es auch; dort aus der Maskulinistenhölle, ist das Zufall?) - zustimmen, allerdings gern übersehen:

die nächsten "Unnormalen", denen man mit dem Konsens der Mitte auf die Füße tritt, sind möglicherweise gerade die, die jetzt noch jubeln, selbst: als Hartzer, als Sportschützen, oder wer halt gerade dran ist, um mal ordentlich von der Mitte des Volkes eingenordet zu werden.

Danke für den Artikel. Über den verdammten Fetzen Stoff muss man offenbar immer wieder schreiben - weil er zur Trophäe der besorgten Abendländer geworden ist: "ICH habe ihn ihr abgerissen!"

Rotherbaron 20.08.2016 | 13:16

Bier, ja, mag ich auch. die nächsten "Unnormalen", denen man mit dem Konsens der Mitte auf die Füße tritt, sind möglicherweise gerade die, die jetzt noch jubeln, selbst: als Hartzer, als Sportschützen, oder wer halt gerade dran ist, um mal ordentlich von der Mitte des Volkes eingenordet zu werden.

Dieser Einschätzung kann ich nur zustimmen. Manchmal denke ich wir Deutschen brauchen immer mal wieder Sündenböcke ... Das sollten wir mal reflektieren.

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2016 | 14:22

ein stimmungsbericht "Verschleierter Autoritarismus":

Die gute Nachricht ist aber, dass es sich dabei keineswegs um ein Massen-, sondern allenfalls um ein Randphänomen handelt. Es sieht schlichtweg nicht danach aus, dass an den maßlosen Untergangsvisionen diverser Besorgter etwas dran ist und in absehbarer Zeit Frauen in Tschador und Burka in Kohortenstärke unsere Innenstädte entern könnten.

Die meisten Vollverschleierten, insgesamt waren es vielleicht zehn, habe ich in Europa während der letzten Jahre an zwei Orten gesehen: In einem erheblich muslimisch geprägten Viertel im Norden Londons und in Salzburg. Ja, richtig gelesen, im feinen Salzburg. Und zwar nicht im Problemviertel, sondern downtown, wo's exklusiv und teuer ist. Dort steigen inzwischen viele schwer reiche Familien aus dem nahen und mittleren Osten ab, unter anderem, um sich in einer der zahlreichen diskreten Privatkliniken der Gegend behandeln zu lassen. Und dann geht’s zum shoppen. Unter den Gewändern blitzten teils sauteure Schuhe hervor und an den Händen der Damen funkelte massivgüldenes Geschmeide mit dicken Klunkern. Ich könnte wetten, dass wer da Verbote fordert, sich anhören muss, das sei vielleicht ein ungewohnter Anblick, aber man könne doch bittschön derart zahlungskräftige Kundschaft nicht verprellen und somit Kaufkraft vergraulen, man müsse auch an die Arbeitsplätze denken. Es ist halt alles immer auch ein Klassenphänomen.

Die momentanen Forderungen der Unionsritter nach einem Verbot von Burkas sind ja unter anderem deshalb so lustig, weil es immer wieder herzig ist, wie noch die Stockkonservativsten schlagartig zu glühenden Feministen mutieren, wenn's gerade opportun ist. hier: Verschleierter Autoritarismus)

Rotherbaron 21.08.2016 | 13:46

Man muss das Patriarchat als Gesamtsystem sehen, das alle deformiert: Die Männer wie die Frauen. Es ist - und das sage ich als aufgeklärter Mann - nur durch eine echte und vollkommene Gleichberechtigung von Frauen und einer Höherwertung als weiblich angesehener menschlicher Eigenschaften (wie Fürsorglichkeit, Fairness, Bescheidenheit, Verantwortungsgefühl ...) zu überwinden. Angesichts der Zeitläufte (Kriege, Rassismus, Gewalt ...) ist dies dringend geboten. Und das erfordert Mut: Von Männern und von Frauen!

Unwissender 21.08.2016 | 14:22

und das sage ich als aufgeklärter Mann

Wer sich selbst als aufgeklärt bezeichnet, ist mir schon suspekt.

weiblich angesehener menschlicher Eigenschaften (wie Fürsorglichkeit, Fairness, Bescheidenheit, Verantwortungsgefühl ...)

Sind das tatsächlich die Eigenschaften, die Ihnen bei der Begegnung mit real existierenden Frauen (die eigene zählt nicht!) einfallen?

Und wo bleiben moralische u. intellektuelle Inkompetenz, Verschlagenheit, Unzuverlässigkeit, Launenhaftigkeit, Lasterhaftigkeit - das sind Eigenschaften, die den Frauen von Dichtern und Philosophen selbstverständlich zugeschrieben wurden.

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist an sich wünschenswert - Kriege, Rassimus und Gewalt verhindert sie gewiss nicht.

Rotherbaron 21.08.2016 | 18:25

Und wo bleiben moralische u. intellektuelle Inkompetenz, Verschlagenheit, Unzuverlässigkeit, Launenhaftigkeit, Lasterhaftigkeit - das sind Eigenschaften, die den Frauen von Dichtern und Philosophen selbstverständlich zugeschrieben wurden.

Tja bei dieser Aufzählung fallen mir in Moment wenige mir persönlich bekannte Frauen ein, sondern eher Donald Trump, Erdogan und zahlreiche andere Diktatoren, die die Welt beherrschen. Diese Eigenschaften wurden Frauen zugeschrieben, um sie aus den Universitäten und den Einflusszenztren fern zu halten ...Frauen konnten sich nicht wehren, denn sie wurden nicht veröffentlicht. All diese genannten Eigenschaften wurden frank und frei durch die Geschichte ausgelebt. Gewalt und Kriminalität geht auch hauptsächlich von uns Männern aus. Das ist statistisch so.....

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Ehemaliger Nutzer 22.08.2016 | 16:15

Ich denke, dass wir zu wenig über die deutsche Leitkultur reden und darüber, warum wir Dinge tun, die wir tun. Denn hinter Alltagshandlungen (Normen) stehen stets auch Werte.

Das wird nun leider in diesen Diskussionen immer vergessen. Es ist eben nicht immer egal, wie wir uns in der Öffentlichkeit bewegen.

„Die Kleiderordnung spiegelt so in symbolischer Weise die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen der betreffenden Gruppe wider und muss mit den von ihr vertretenen Verhaltensidealen in Einklang stehen; sie ist zudem ein Mittel, um Inklusion und Exklusion zu dokumentieren: Das Wissen darum, welche Kleidung in bestimmten sozialen Situationen als jeweils angemessen gilt, dokumentiert auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht und sozialen Gruppe und steht daher in enger Verbindung mit dem Habitus.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Kleiderordnung#Ausdr.C3.BCcklich_geforderte_Kleiderordnungen

Und richtig, wir sollten auch mehr über Menschenrechte reden und ob sie das Recht auf Versklavung von Frauen, selbst wenn sie freiwillig oder unter dem Deckmantel der Religion geschehen sollte, decken. Und wer Verstoße zu bekämpfen hat.

„Weil aber Menschenrechte auch von dritter Seite bedroht werden, wird davon ausgegangen, dass außerdem zu jedem Menschenrecht eine staatliche Schutzpflicht gehört, mit der erst ein Menschenrecht vollständig verwirklicht werden kann.“

Allen einzeln genannten Menschenrechten übergeordnet ist das Prinzip der Gleichberechtigung, das durch Maßnahmen der Gleichstellung umgesetzt wird.[4]

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte

Der Autor hat recht, dass hinter der Norm der Burkha eine Leitkultur der Unterdrückung der Frau durch den Mann steht. Aber eine über Jahrhunderte tradierte Kultur „mit Gesprächen“ zu korrigieren, wird wohl nicht funktionieren.

Da werden nur Gesetze helfen und ihre konsequente Überwachung.

„Wen aber möchte man eigentlich mit dem Burkaverbot schützen? „

Ein Verbot würde die nicht verschleierten Frauen in ihrem Weg unterstützen und für diese ein wichtiges symbolischen Zeichen setzen. Und für eine Rechtssicherheit sorgen: Das darfst du nicht erzwingen, lieber Pascha! Es geht weniger um die verschleierten Frauen. Es geht in der Tat um die symbolische Grenzsetzung. Wunder können wir nicht erwarten.

Meine Frage an den Autor:

Wer würde eine Frau mit Burkha einen Arbeitsplatz geben? Und würde diese Frau diesen Arbeitsplatz dann annehmen dürfen?

Sind diese Frauen nicht eh schon „draußen?“

Rotherbaron 22.08.2016 | 16:50

Danke für den ausführlichen Kommentar. Eine Lösung habe ich natürlich auch noch nicht. Aber: Sind diese Frauen nicht eh schon „draußen?“ ist mir zu resignativ. In Moment laufen ja gerade Gerichtsverfahren, weil Schülerinnen mit Niqab nicht zum Besuch des Gymnasiums zugelassen wurden. Der Besuch der Schule wäre eine einmalige Gelegenheit mit Gleichaltrigen über den Sinn und Unsinn einer Vollverschleierung ins Gespräch zu kommen. Ein Ausschluss vom Schulbesuch macht die Isolation in der erzkonservativen Familie perfekt. Zum Arbeitsmarkt: Es kommt auf die Arbeit an. In allen Arbeitsfeldern mit "Kundenverkehr" ist eine solche Vollverschleierung störend. Man könnte solche Frauen in geegneten Feldern einstellen und im Mitarbeitergespräch sie mit dem Problem, das man mit der Verschleierung hat, konfrontieren (vor allem die Familie, die u.U. auf den Arbeitslohn angewiesen ist). Insgesamt ist die Berufstätigkeit von Burkaträgerinnen wahrscheinlich tatsächlich hypothetisch.

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Ehemaliger Nutzer 22.08.2016 | 17:56

”In Moment laufen ja gerade Gerichtsverfahren, weil Schülerinnen mit Niqab nicht zum Besuch des Gymnasiums zugelassen wurden.”

”Eine muslimische Frau darf keinen Gesichtsschleier im Unterricht eines Abendgymnasiums in Osnabrück tragen. Das Verwaltungsgericht hat einen entsprechenden Antrag der Frau auf vorläufigen Rechtsschutz abgelehnt.”

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/verschleierung-osnabrueck-schule-muslima-gericht-niqab

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Ehemaliger Nutzer 22.08.2016 | 18:39

Das Gerichtsurteil ist meiner Meinung nach richtig.

Interessant scheint mit zu sein das die Klägerin nicht bei Gericht erschienen ist.

Ihre Begründung dafür, der Medienrummel, lasse ich nicht gelten. Mir scheint der Grund eher in der Tatsache zu liegen, dass man sich an deutschen Gerichten in das Gesicht schauen lassen muss.

Wir haben es also meiner Meinung mit einer Klage gegen das Hausrecht einer Schule zu tun und mit einer Missachtung der deutschen Gerichtsbarkeit.

Was wäre also, wenn das Gericht die Verschleierung zugelassen hätte: Dann könnte die Schule nichts mehr gegen die Verschleierung tun. Und noch besser: Würde jemand Kritik an der Verschleierung üben, könnte man ihn dann versuchsweise als Rassist verklagen. Wenn das dann durchginge,

dann hätte man die Verschleierung und die damit verbundene Unterdrückung gerichtsfest erlaubt. Und Kritik daran unterdrückt.

UPS !

chrislow 24.08.2016 | 14:38

Na, der Ersteller dieses Beitrags, der vielleicht eines Sonnenarmen Tages voller Sonnensehnsucht an einer Schlagzeile zum Leben erwäckt, weil er dachte, "so gehts ja nich" und sodann nach all seinen Künsten der Rhetorik solcher Art Output generiert, den er dann auch noch für grandios hielt - so grandios, dass er sogleich online gestellt wurde; und sich dann, ob des Vollbringens dieser "tollen" Tat ein Glas "Belohnungsmilch" genehmigte... und genüßlich Bäuerchen gemacht...

Vielleicht ist es dem Beitragsersteller nicht aufgefallen: Ein Burkaverbot wird nicht zum Schutze der Burkaträgerinnen erlassen, sondern zum Schutze der öffentlichen Ordnung. Es ist von besonderer Wichtigkeit, dass von allen Menschen in der Öffentlichkeit die Gesichter zu sehen sind, denn ansonsten die öffentliche Ordnung dadurch gestört sei, weil sich Subjekte nicht öffentlich zeigen und somit durch die Verhüllung des Gesichtes eine Kommunikationsverweigerung und höchst mögliche Abgrenzung stattfindet.

Solches ist der Öffentlichkeit nicht zuzumuten.

Aus der Sicht des Gesetzes und der besagten Begründung ist völlig egal, wie das Burka-tragende Subjekt darüber denkt und was es für abwegige Bedenken am Verbot hat.

Ich empfehle dem Beitragschreiber zukünftig auch mal ein Bier zu trinken. Vielleicht tut ihm Milch gar nicht so gut?

Rotherbaron 25.08.2016 | 16:56

Genau dies ist die Erfahrung in Frankreich nach 5 Jahren Burkaverbot. Es gab keine Einsicht bei den fundamentalistischen Männern, aber seit dem Verbot werden verschleierte Frauen angepöbelt und tätlich angegriffen. Es gibt Mädchen und Frauen, die aus Angst vor ihren Mitmenschen das Haus nicht mehr verlassen. Gipfelpunkt war der aktuelle Fall einer Burkiniträgerin, die am Strand von Nizza von männlichen Polizisten gezwungen wurde, sich auszuziehen unter dem Gejohle der Meute. Besser kann man dem Extremismus keine Argumente liefern. Anstatt die anzugreifen, von denen Tod und Gewalt ausgehen (die islamistischen Männer) werden die Frauen stellvertretend bestraft, diejenigen, die allzuoft diesen Sack gar nicht freiwillig tragen. Ich hoffe, so ist es klarer. Mich wundert, wer bei uns nun so alles zum Feministen wird. Vielleicht ist für manche Männer der Burkini nur so ein Ärgernis, weil man sich plötzlich nicht mehr an dem Anblick von Brüsten und Beinen weiden kann....?????. Da hat mir der Artikel aus dem ND, den Magda vorgeschlagen hat, gut gefallen. Weil man keine Lösung hat, die gewalttätigen, islamistischen Männer weltweit in den Griff zu kriegen, lebt man sich dort aus, wo man es in seiner Hilflosigkeit und Feigheit kann: an den Frauen.

janto ban 27.08.2016 | 11:26

Apologeten. Diskriminieren. Ein typischer Magda.

Wo kämen wir hin, wenn plötzlich einige anfingen zu versuchen, anderen aus der Falle ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit heraushelfen zu wollen. Das wäre gräuslich. Und überhaupt: Je unmündiger die anderen, desto patenter steht man selbst da. Ein Hoch auf die Diskriminierung! Ääähhm, den freien Willen meine ich natütlich. Den freien Willen. Blöder Versprecher. Und die Religionsfreiheit. Je fanatischer gelebt, desto liberaler. Prost Mahlzeit!