Wir können alles, außer Hochschulpolitik?

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Falsche Ausrichtung der Studiengänge in Deutschland. Stichprobe zeigt: BWLer in Deutschland lernen Kosten zu sparen und Ausgaben zu senken – nicht aber, auf die Kunden zu achten. / Falsche Ausrichtung der Studiengänge mitverantwortlich für reines Shareholder-Value-Denken in der Wirtschaft. / Ökonomische Grund-prinzipien werden im Studium übersehen.
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Hamburg. Deutschland hat einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Akademikern. Vor allem die private Wirtschaft, aber auch staatliche Institutionen, benötigen immer mehr Top-Personal, um auf die vielfältigen Aufgaben der Zukunft vorbereitet zu sein. Das Internet und die konsequente Online-Orientierung vor allem der jüngeren Generation stellen die Unternehmen vor vollkommen neue Herausforderungen; zentral für den Unternehmenserfolg wird nach Meinung einiger Experten immer mehr eine radikale Kundenorientierung. Gerade hier versagt jedoch die Ausbildung vieler Top-Akademiker. Der Mathematiker und Geschäftsführer der WICE GmbH, Jürgen Schüssler, meint dazu: „Vor allem ich als Unternehmer, mit einer konsequenten Ausrichtung meines Unternehmens wie auch meiner Produkte am Bedarf der kundenorientierten Wirtschaft, bemerke diesen Missstand täglich.“
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Nach einer Stichprobe mit vier Universitäten und drei Fachhochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet fiel Schüssler auf: „Kundenorientierung kommt im aktuellen BWL-Studium höchstens als Randerscheinung vor.“ An der Universität Hamburg im Bachelor-Studiengang BWL kann von 21 Pflichtmodulen gerade mal eines explizit der Kunden und Einnahmeseite zugeschrieben werden, während sich ganze fünf Module nur damit beschäftigen, wie ein Unternehmen Kosten senken und Ausgaben sparen kann. An der RWTH Aachen beschäftigen sich siebenmal mehr Professoren im Fachbe-reich BWL mit Rechnungswesen und Kostenrechnung als mit Fragen der Kundengewin-nung und dem Marketing. „In Augsburg verkümmert kundenorientiertes Denken im Studium mit nur einer mickrigen Professur für diesen zentralen Bereich, von elf Professuren insgesamt.“ Dieser Zustand zeigt sich auch an allen vier weiteren deutschen Hochschulen, bei denen in Schüsslers Stichprobe sowohl Lehrplan als auch Personal ausgewertet wurde.
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„Die aktuellen BWL-Absolventen – das zeigen nicht nur diese Zahlen – werden konsequent auf Kostensenkung, Sparprogramme und Rationalisierung getrimmt“, erklärt Jürgen Schüssler seine Thesen. „Die Hochschulen geben sich hier als Lakaien für eine fehlgeleitete Kostensenkungs-Ideologie und sind so mitverantwortlich für das falsche Handeln vieler Unternehmen, die Tag für Tag nur an die Kostenreduzierung denken – nicht aber an die Erhöhung ihrer Einnahmen. Denn: Die Grundlage allen wirtschaftlichen Handels ist die ökonomische Bedingung und grundlegende Optimierungsaufgabe der Ökonomie, e > a, die Einnahmen müssen größer als die Ausgaben sein. Unternehmen brauchen höhere Einnahmen, um zu wachsen.“ Nach Ansicht Schüsslers kann nur eine konsequente Orientierung an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden als langfristige Erfolgsstrategie taugen. Alle Versuche, mit radikalen Sparprogrammen kurzfristig den Shareholder Value in die Höhe zu treiben, erwiesen sich auf lange Sicht als Verirrungen. „Diese einfache Wahrheit sollte sich langsam auch bis in die Hörsäle herumsprechen, damit dem deutschen Arbeitsmarkt bald wieder moderne und auf die Zukunft ausgerichtete Akademiker zur Verfügung stehen.“
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Jürgen Schüssler schreibt derzeit an einem Buch, in dem er die bestehenden Probleme im Wirtschaftsdenken thematisiert und Lösungen präsentiert. Mit seiner WICE-Methode hat er ein Instrument geschaffen, das den Kunden in den Mittelpunkt stellt und die wichtigste Grundlage für Wachstum bildet. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter jschuessler.de/.

15:54 10.03.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Roland Regolien

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Roland Regolien

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