Der freie Wille oder Walking Dead?

Philosophie Sind wir in unserem Willen manipulierbar oder sogar gesteuert?
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Ein provokanter Titel, der suggeriert, dass wir nur die Entscheidung haben zwischen der Wahl ein freier Mensch zu sein oder ein Zombie. Doch ich will es hier etwas genauer beleuchten, was dahinter steckt.

Viele haben die Serie "The Walking Dead" gesehen, oder kennen viele andere Zombie Filme. "World War Z" oder "Resident Evil" sind apokalyptische Filme, die ein Schreckensszenario herauf beschwören, was wir leicht abtun als Quatsch. Zombie Filme galten sehr lange als Trash Filme, die Blödsinn mit schlechten Schauspielern vermengte, wobei es immer nur eine Geschichte gab: Der einzige Schwarze und die dumme Blondine einer Gruppe wurden als erstes von den Zombies angefressen und verwandelten sich dann auch in Zombies. Der Quarterback Held der High School Gruppe mit seiner Freundin überleben zum Schluss und müssen fürchten im nächsten Teil eines noch schwachsinnigeren Films von Zombies gefressen zu werden. Zombies haben aber eine tief sitzende Angst im Menschen als Symbol und Archetypus gebildet. Wenn wir von Zombies gebissen werden, dann werden wir auch Zombies und können nur noch eins: Fressen und Hirnlos umherwandern auf der Suche nach neuem Menschenfleisch. Das Ende des zivilisierten Menschen ist die Verkörperung des Zombies. Mit Resident Eil wurde dabei noch eine schlimmere Angst heraufbeschworen, die sich manifestiert in einem Konzern, der einen T-Virus herstellt und Menschen so in Zombies verwandelt. Die Umbrella Corporation ist das eigentliche Übel des ganzen.
Mit "Walking Dead" wurde eine Serie produziert, die sich genau mit diesen Ängsten auseinander setzt und versucht aufzuzeigen, wie Menschen in einer so dystopischen Welt doch noch halbwegs menschlich und zivilisiert bleiben können. Der Mensch selbst ist nicht verdammt dazu genauso ein Zombie zu werden, sondern hat die Wahl, auch wenn er schon infiziert wurde. Wie er infiziert wird lässt diese Serie offen und spekuliert dabei auch nicht. In Filmen wie "Resident Evil" ist es ganz eindeutig ein Virus. In Walking Dead wird die ganze Welt inclusive Trinkwasser als verseucht angenommen und wenn jemand eines natürlichen Todes stirbt, dann wird er Minuten später selbst ein Zombie. Man muss das Gehirn des Zombies zerstören, damit ein Zombie wirklich tot ist. Die Virus Hypothese ist nicht explizit in Walking Dead ausgeführt, aber irgend so etwas muss es sein.

Was steckt hinter dieser Virus Hypothese?

Der Mensch ist eine sehr neugierige und kreative Spezies, welche es immer schafft sich Wissenschaft der Natur zu Nutze zu machen. In Resident Evil wird es sehr schön dargestellt, dass der Mensch immer dazu neigt andere Menschen zu kontrollieren und sie für die eigene Macht nützlich zu machen. Eine Seite des Menschen, die wir als ethische Individuen ablehnen und auch nicht als unsere Eigenschaft gelten lassen wollen. Doch wie sieht es in der Natur aus?

Es gibt seit mindestens 48 Mio Jahren eine Pilzart, die genau dieses macht, was wir in den Zombie Filmen gezeigt bekommen. Ophiocordyceps unilateralis ist eine parasitische Pilz-Art, die auf Ameisen wächst und deren Verhalten manipuliert.

Aus Wiki:
Die Pilzsporen keimen auf dem Exoskelett von Ameisen. Befallen werden vor allem Camponotus leonardi, aber auch andere Vertreter der Rossameisen und Arten von Polyrhachis. Allerdings handelt es sich wahrscheinlich um mehrere Arten. Die Hyphen dringen in den Körper des Insekts ein und beeinflussen dessen Verhalten. Das Insekt bewegt sich nach einer Infektionsperiode von drei bis sechs Tagen an einen Platz, der für den Pilz optimale Lebensbedingungen bietet und stirbt dort. Der Pilz manipuliert die Ameise so, dass sie sich auf Oberflächen wie Blattunterseiten oder Rinden festbeißt. Dieses Verhalten wird als erweiterter Phänotyp des Pilzes gedeutet, da das Festbeißen eine Ortsfixierung für den Pilz bedeutet und optimierte Umweltbedingungen für die Fruchtkörperentwicklung schafft. Oft werden hohe Dichten an toten Ameisen in tropischen Wäldern beobachtet, sodass diese Funde als Friedhöfe bezeichnet werden. Der Pilz bildet nun die Fruchtkörper und neue Sporen. Die für eine Windverbreitung zu schweren Sporen fallen zu Boden, bilden dort Sekundärsporen, infizieren vorbeilaufende Ameisen und schließen so den Zyklus. Die Ameisen bauen als mutmaßliche Ausweichstrategie ihre Nester meist weit oben in den Baumkronen und kommen nur selten auf den Boden, wo die Infektionsgefahr am größten ist, da der Pilz hohe Luftfeuchte benötigt. Der Pilz kommt weltweit in tropischen und subtropischen Wäldern vor. In der Grube Messel wurden 48 Millionen Jahre alte Fossilfunde von Ameisen gefunden, die sich in Blätter verbissen haben, was das Alter dieser Verhaltensmanipulation unterstreicht.
Eine Pilzart macht Ameisen zu Zombies um so das eigene Überleben zu garantieren und sich zu vermehren. Ameisen werden also gezielt in ihrem Verhalten manipuliert.
Hierzu die neusten Veröffentlichungen:


MB Pontoppidan, W Himaman, NL Hywel-Jones, JJ Boomsma, DP Hughes: Graveyards on the Move: The Spatio-Temporal Distribution of Dead Ophiocordyceps-Infected Ants. PLoS ONE. 2009; 4(3): e4835

Evans HC, Elliot SL, Hughes DP, 2011 Hidden Diversity Behind the Zombie-Ant Fungus Ophiocordyceps unilateralis: Four New Species Described from Carpenter Ants in Minas Gerais, Brazil. PLoS ONE 6(3): e17024. doi:10.1371/journal.pone.0017024.

Auf Deutsch:
Pilze programmieren Ameisen um – schon seit Jahrmillionen, in: Informationsdienst Wissenschaft vom 18. August 2010

Dieses Verhalten gibt es aber auch in der Tierwelt selbst.
Man fand schon sehr früh heraus, wie Juwelwespen ihre Opfer manipulieren und wollte sich dieses für die biologische Schädlingsbekämpfung von Schaben 1941 auf Hawaii nützlich machen. Leider scheiterte es an den territorialen Gewohnheiten der Juwelwespe und konnte daher nicht als biologische Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden.
Das interessante an den Juwelwespen ist, dass sie mit einem Giftstachel, den nur die Weibchen haben, eine Schabe willenlos machen und so die viel zu grosse Schabe einfach führen in ihr Nest um dann in der Schabe ihre Larven ausbrüten zu lassen. Die Juwelwespe injiziert in die Schabe ein Neurotoxin, was die Schabe dazu veranlasst willenlos der Wespe zu folgen, um später als lebendes Brutfleisch für die Larven zu dienen.
Hierzu die neuste Veröffentlichung:


Gal Haspel, Lior Ann Rosenberg and Frederic Libersat: Direct Injection of Venom by a Predatory Wasp into Cockroach Brain. Journal of Neurobiology, 56, 4, S. 287–292, 2003 doi:10.1002/neu.10238

Natürlich wird nun jeder glauben, dass es nur Ameisen und Schaben sind, die so manipuliert werden können, dass sie hirnlos und willenlos wie Zombies sind.

Doch wie sieht es beim Menschen aus?

Der Mensch hat ein komplexes Gehirn. Dieses ist evolutionär begründet und wird vor allem durch das Grosshirn charakterisiert. Was uns zu dem macht, was wir sind, wird lokalisiert im Grosshirn und unterscheidet uns von Insekten und vielen anderen Tieren. Doch wir sind trotzdem immer noch abhängig von unserem Stammhirn, was verantwortlich ist für alle rudimentären Funktionen, die der Mensch ausführt wie jedes Tier. Der Mensch hat auch Schutzmechanismen, die es nicht so einfach ermöglichen unser Gehirn zu manipulieren. Die sogenannte Blut-Hirn Schranke schützt uns vor allen möglichen Einwirkungen. Doch wir wissen auch, dass man gezielt mit Psychopharmaka einwirken kann auf unser Bewusstsein. Neuroleptika z.B. lassen manchen Patienten auch wie einen Zombie erscheinen. Es ist ein direkter Eingriff in unser "Seelenleben" und erzeugt eine völlig andere Persönlichkeit. Psychopharmaka sind sehr effektiv im manipulieren, aber wollen wir uns doch mal genauer anschauen, was Zombies ausmacht und wie gezielt eine Juwelwespe oder auch ein Pilzparasit vorgehen konnte um eine gewünschte Manipulation zu erzeugen. Ist dieses denkbar beim Menschen? Wäre das Zombie Szenario in den Filmen vorstellbar rein wissenschaftlichm theoretisch und praktisch?

Grundsätzlich denkbar ist es sicherlich, aber wie wahrscheinlich wäre es, dass ein Konzern wie die Umbrella Corporation einen Virus dieser Art erzeugen könnte? Was müsste man dafür berücksichtigen?

Hier beginnt der spekulative Teil, der zwar fundiert, aber nicht Realität ist! Ich bitte daher jetzt nicht zu erschrecken. (Ich spekuliere gerne, um zu erschrecken lol)

Gehen wir systematisch vor:
Welche Eigenschaften haben Zombies, die Ameisen und die Schabe?

1. Ihr Grosshirn wird ausgeschaltet und haben nur noch rudimentäre Funktionen. Sie können fressen und gehen.
2. Ihr Wille ist ausgeschaltet und sie folgen nur wie Roboter, die programmiert wurden sich dorthin zu bewegen, wo etwas passiert und sie drauf reagieren oder sollen verbleiben, dort wo sie sich festgebissen haben, um einen Instinkt zu stillen, dem Hunger. Dieser Instinkt soll sehr dominant sein und unsere Zombies aggressiv machen.
3. Jegliche Schmerzen sind ausgeschaltet und es ist auch völlig egal, ob sie von innen aufgefressen werden oder ihnen ein Arm abgehackt wird. Sie leben einfach weiter solange es geht und merken es nicht, dass sie eigentlich schon tot sind.

Dieses sind sehr weitgehende Eingriffe, die man sehr einfach lösen kann. (Jetzt will ich erschrecken lol ) Es ist ein einfacherer Eingriff als wenn man komplexeres Manipulieren erzeugen möchte. Ein ganz bestimmtes Verhalten, was für Menschen typisch ist zu manipulieren, ist schwieriger, weil es sich dann um eine Verhaltensänderung handelt, die immer noch ein Grosshirn benötigt.

Aber jetzt beschäftigen wir uns erst einmal mit richtigen Zombies

Der Vorteil, den wir mit unseren Mechanismen haben unser Gehirn zu verteidigen kann gleichzeitig auch unser Nachteil sein. Wir haben eine Blut Hirnschranke, die uns alle grösseren Moleküle vom Leibe hält, daher brauchen wir auch keine Immunabwehr in unserem Grosshirn. Die Blut-Hirn Schranke muss man sich vorstellen wie eine Firewall, die uns schützt vor Eindringlingen, die unser System verändern. Aber alles was hinter der Firewall liegt ist ungeschützt. Es wäre also ein Einfaches einen Virus in unser Gehirn zu injizieren und wir würden keine Immunreaktion entwickeln, wenn es sonst normalerweise von unserem Immunsystem erkannt würde. Doch wir wollen einen Virus haben, den man selbst im Wasser zu sich nehmen kann, was wir täglich trinken. Es soll also von aussen über Aufnahme von Wasser möglich sein, dass ein Virus sich ins Gehirn nistet und so das Grosshirn ausschaltet, den Instinkt des Hungers auslöst und Aggressivität auslöst, was nur diesem einen Zweck folgt. In der Psychopharmaka Forschung kennt man das Problem zu genüge und kann daher auch nicht jedes Molekül so einfach durch die Firewall schleusen. Lipophilisierung ist eine bewährte Methode, um Moleküle einzuschleusen. Dabei wird eine Substanz fettlöslich und fettgebunden derivatisiert. Es ist möglich bei Molekülen bis zu einer bestimmten Grösse. Es wird untauglich für unseren Fall, denn es wird sich in Wasser wiederum nicht auflösen und ein Virus als ganzes hätte auch keine Chance durch zu kommen. Nur unter bestimmten Umständen wäre es möglich, was man auch heute schon versucht über Makrophagen, die man künstlich herstellt um bestimmte Polypeptide einzuschleusen. Es wird also schon an der Idee gebastelt künstlich solche einen Virus als einfachste Makrophage herzustellen. Diesen Vorgang nennt man Vektorisierung. Man ist heute schon sehr weit in der Forschung und gerade dieses Problem der Überwindung der Blut Hirn Schranke, um gezielt das Gehirn zu manipulieren, steht an erster Stelle der Forschung. Natürlich nur für therapeutische Zwecke - versteht sich … ;-)

Dazu sind mehrere Wege vereinfacht vorstellbar und werden schon erprobt.

1. Wir schalten die Blut Hirn Schranke aus

Eine Methode die an Brute-Force Hacks erinnern, aber den Nachteil hat, dass es bemerkt wird und eine Selbstzerstörung auslösen kann wie Toxoplasmose. Wir brauchen aber weiterhin einige Regionen des Grosshirns, die funktionieren, auch wenn sie von der Koordinierung her ausgeschaltet wurden. Hierzu gab es schon sehr früh Versuche wie das MK Ultra Projekt der CIA, was es tatsächlich gab und keine Verschwörungstheorie ist. Schon 1956 wurde das öffnen der Blut Hirn Schranke durch Ultraschall nachgewiesen. Auch heute hält man an diesem Verfahren fest und setzt das Gehirn einer gezielten Ultraschall Bestrahlung aus, dessen genaue Frequenz wir mittlerweile bestimmen können und unter 1 MHz liegt. Dabei setzt man heute geschickter als damals mit LSD Versuchen MicroVesikel ein um gezielter eindringen zu können und dabei verhindert, dass Blutplasma eindringt oder die entscheidenden Zellen der Blut Hirn Schranke zerstört werden, was noch in den 1960er Jahren das grösste Problem war. Ok jetzt habe ich wieder erschreckt lol

2. Wir überlisten die Blut Hirn Schranke

Wir gaukeln vor etwas anderes zu sein als wir in Wirklichkeit sind. Das ist sehr komplex und noch nicht so ausgeklügelt ausgearbeitet, sodass man in naher Zukunft mit Erfolgen rechnen kann, aber sehr elegant ist. Hierzu muss man wissen, wie die Zellen der Firewall genau funktionieren und welche Mechanismen es gibt um Modulatoren einzusetzen, die Prozesse und Mechanismen auslosen und verhindern. Hierzu sei nur angemerkt, dass es sich um wirklich Kern Biochemie handelt, was man heute erst wirklich untersuchen kann und daher auch jetzt erst diese Möglichkeit in Betracht ziehen kann. Dabei geht es im wesentlichen um zwei Mechanismen. Das eine ist die sogenannte "Tight-Junction-Modulation" und das andere die sogenannte "Efflux-Inhibierung". Man kann also mit einem Modulator zuerst die Grösse der Fenster weiten. Dann hat man aber das Problem, selbst wenn man schon durch das vergrösserte Fenster kam, dass ein Mechanismus erkennt, dass man dort nix zu suchen hat und will uns wieder mit einem Glykoprotein rauswerfen. Dieser Mechanismus des Rauswurfs wird dann unterdrückt mit einem Toxin, was erst gar kein P Glykoprotein bildet oder es nicht andocken lässt. Es ist schon die Hohe Kunst der Biochemie, was hier betrieben wird. Aber noch ist es nicht so weit es therapeutisch einzusetzen aber für unseren T Virus durchaus schon eine Option. Wobei man hier auch immer berücksichtigen muss, dass bei zu grosser Weitung des Fensters auch wieder plasmotische Proteine mit durchschlüpfen können. Und das wollen wir ja nicht.

3. Wir kommen indirekt an der Blut Hirn Schranke vorbei herein

Wir kommen nicht direkt über die Blut Hirn Schranke ins Grosshirn, sondern suchen uns einen Weg, der es ermöglicht das Grosshirn zu infizieren über eine angegliederte Hirnregion, die uns zugänglich ist über zirkumventrikulare Organe. Oder wir benutzen Nervenstränge, die direkt ins Grosshirn führen und so die Firewall ausschalten. Ein Nervenstrang wäre dazu besonders geeignet, wie den Riechnerv, der leicht sogar DNA direkt ins Grosshirn transportieren kann ohne dabei in Konflikt zu kommen mit der Firewall. Man stelle sich einen Trojaner vor, der die Tür öffnet und infiziert. Es wäre auch beim Hack zu vergleichen, wie offene Druckerports zu nutzen um direkt ins System zu kommen, was bis Windows NT 3.5 die gängigste und einfachste Art war um sich ins System zu hacken. Der Riechnerv wäre dann sozusagen der Druckerport beim Windows NT Computer, unserem Grosshirn. Man kann so "ribosomale" DNA einschleusen, die sich später einnistet und z.B. Nervenzellen umprogrammiert und etwas anderes produziert, als die Nervenzelle eigentlich produzieren soll. Dieses Verfahren ist altbewährt und kann man mit Oxytozin wunderbar praktizieren. Man nimmt es wie Nasenspray und danach sind alle Menschen deine Freunde und wollen dir nur gutes. Egal ob sie grimmig schauen oder dich anlächeln. Du wirst ihnen vertrauen und glaubst, dass sie nur gute Absichten haben. Das ist eine sehr einfache Manipulation. Dabei werden aber nicht die Nervenzellen umprogrammiert.

Eine elegante Methode wäre es z.B. die Nervenzellen Glutaminsäure/Glutamat oder Glutaminsäureester produzieren zu lassen, statt Dopamin oder Serotonin. Hierzu wäre es nur notwendig aus Corynebacterium glutamicum die entsprechende DNA zu extrahieren und sie in eine Art Virus/Vektorphage einzubetten oder auch direkt aufnehmen zu lassen. Dieses Bakterium wurde biotechnologisch hergestellt um Glutamat industriell durch Fermentation herzustellen. (Ich höre schon wieder das Erschrecken in der Leserschaft lol )Keine Angst! Glutamat kommt nicht durch die Blut Hirn Schranke und ist daher nicht für uns gefährlich, wenn wir es als Geschmacksverstärker zum Essen benutzen. Es wird in der Regel in der Leber abgebaut zu zwei Zuckerarten. Aber wenn Glutamat ins Gehirn kommt, dann ist es gefährlich. Wir können damit im Hippocampus, was für die Weiterleitung von Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis verantwortlich ist, die Zellen degenerieren und so das Langzeitgedächtnis ausschalten. Wir haben mit Glutamat auch die Möglichkeit in unserem Frontallappen unser "Gewissen" auszuschalten, was dann verantwortlich ist für aggressives Verhalten und wir für unseren Zombie Virus haben wollen. Glutaminsäure ist ein natürlicher Neurotransmitter, den wir selbst produzieren in manchen Nervenzellen. Aber wenn wir unser Gehirn umprogrammieren, so dass andere Zellen eben nicht das produzieren und tun sollen, was sie sollten, sondern wir mit unserem Glutamat nun die ganze Struktur ändern, die es verhindert, dass der Mensch Mensch bleibt, dann haben wir unseren Zombie. Mit umprogrammierten Glutaminsäure Nerven lassen sich auch die Schmerzprobleme lösen und der Mensch wird nicht mehr etwas empfinden, wenn sein Arm abgehackt wird oder er angefressen wird. Der perfekte Zombie wie in Walking Dead.

Da die erste Methode viel zu unelegant ist und auch keine Herausforderung, lassen wir diese mal beiseite. Sie ist für unseren T-Virus, in Wasser löslich, auch nicht möglich. Wenn wir dazu auch noch Ultraschall brauchen, dann wird es nicht so funktionieren, wie in unseren Zombie Filmen. Die zweite Methode ist schon eleganter, aber dafür haben wir noch zu wenig Wissen. Die dritte Methode entspricht unserem Stand des Wissens, was wir nutzen könnten. Im Hackerjargon wäre das sozusagen solides 90er Jahre Hackerwissen. Es gibt dazu keine Veröffentlichungen, aber rein theoretisch wäre es möglich mit dem heutigen Wissen. Wenn man es darauf anlegen wollte, dann würden sich sicherlich Wissenschaftler dafür finden. Aber wir haben ja keine Umbrella Corporation ;-) die so etwas Böses erfinden will. ;-)

Es sei hier nochmals ausdrücklich gesagt, dass dieses alles nur reine Spekulation ist entsprungen aus dem Hirn eines Biochemie Enthusiasten, der zu viel Zeit hatte sich Gedanken darüber zu machen. Aber erschreckend ist es doch oder? ;-)

Ok, jetzt haben wir unseren T-Virus für unsere Zombies. Doch wir haben jetzt massiv unser Gehirn umprogrammiert und können auch keinen Menschen mehr erkennen. Dass hier kein freier Wille mehr zu erkennen ist, sollte klar sein. Letztlich wissen wir das auch bei Alzheimer Patienten. Beim Alzheimer Patienten allerdings geht es nicht um gezielte Umprogrammierung, sondern um die Degeneration von Nervenzellen, die nicht mehr funktionieren.

Doch wie könnte eine wesentlich perfidere Manipulation aussehen, die uns vorgaukelt, dass wir einen freien Willen haben, aber in Wirklichkeit doch nur gesteuert sind?

Auch hier könnte man über Drogen, die über das Trinkwasser in den Körper gelangen, nachdenken. Es gab dazu schon Vorschläge, die nahelegten um Massenpanik bei Katastrophen zu verhindern, Prozac ins Trinkwasser zu leiten. Auch wurde schon darüber nachgedacht Prozac einzusetzen, um die Abgehängten der Gesellschaft im Kapitalismus glücklich zu machen. In Stadtteilen, wo die Armut besonders gross ist, dort würde man Prozac ins Trinkwasser einleiten und die Menschen würden nicht daran denken einen Aufstand zu begehen. Es ist ein Psychopharmakon, welches vor allem heute eine Modedroge ist für Studenten, die Prüfungsangst haben. Es ist aber auch gleichzeitig ein Medikament, welches weitreichend das ganze Stimmungsbild ändert. Das ist noch ein vergleichsweise harmloses Medikament. Nur sollte man sich einmal vorstellen, wie es unseren Willen beeinflussen würde. Der natürliche Reflex bei einer Katastrophe zu flüchten oder auch die freie Willensentscheidung dieses zu tun, würde damit ausgehebelt. Unsere Entscheidungen wären somit manipuliert und wir würden den ganzen Sachverhalt der Katastrophe völlig anders beurteilen, als wenn wir nicht über das Trinkwasser dieses Psychopharmakon aufgenommen hätten. Unsere Wirklichkeit würde sich gefühlt ändern und unser Wille wäre damit manipuliert. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass man nicht in den USA aber in Grossbritannien sogar schon tatsächlich Prozac im Trinkwasser nachgewiesen hat. Das hätte man 2004 nicht merken dürfen, denn dann hätte es bestimmt dieses Jahr keinen Brexit gegeben. ;-)

https://www.heise.de/tp/features/Briten-total-entspannt-3435869.html

Aber wie ist es dann wirklich um den freien Willen bestellt?

Wenn die unterschiedliche Wahrnehmung der Wirklichkeit uns in unseren Entscheidungen beeinflusst, so kann man auch pauschal sagen, dass jemand, der in einer anderen Wirklichkeit lebt (In reichen Villenvierteln) entsprechend auch andere Entscheidungen aufgrund dieses Gefühls in dieser Wirklichkeit zu leben fällt. Lebt jemand in den Plattenbauten Berlins, wird dieser auch eine andere Wirklichkeit haben und zu anderen Entscheidungen kommen. Ein alter Hut könnte man meinen, aber der Wille spielt bei Entscheidungen eine grosse Rolle. Unser Wille ist abhängig von der Gefühlswelt in der wir uns befinden. Und diese Gefühlswelt ist abhängig von unserem Umfeld.

Affekt Logik von Luc Ciompi

Es gibt dazu sehr schöne jahrzehntelange Untersuchungen vom Psychiater Luc Ciompi, der Untersuchungen an Schizophrenen anstellte, wie das Umfeld das Verhalten und das Lebensgefühl eines Schizophrenen beeinflussen. Er entwarf da heraus seine Affekt Logik. Er war damit in der Lage Schizophrene völlig von Medikamenten zu befreien, so dass sie auch ohne Neuroleptika normal leben konnten. Man sollte annehmen, dass dieses bei Schizophrenen gar nicht möglich ist. Schliesslich sind sie ja "endogen" krank und müssen Halluzinationen und Paranoia bekommen, wenn sie die Medikamente absetzen. Unsere Norddeutsche "Tölle Psychiatrie Schule", die sowas wie die streng orthodoxe Schulmedizin Psychiatrie darstellt, kann darauf keine Erklärung geben. Doch das Beispiel zeigt, welche exogenen Faktoren auf uns einwirken und wir von ihnen abhängen. Genauso wie Kranke beeinflusst werden, können auch Gesunde beeinflusst werden und dabei krank werden.

Ich möchte hiermit den Artikel beenden und gebe diese Einsichten zum nachdenken.

Entscheidet selbst, ob ihr an den freien Willen glaubt. Die Antwort fällt schwer.


Ich für mich, glaube nicht an den freien Willen. Ich glaube nicht mal graduell an den freien Willen. Aber wir sind deswegen nicht Zombies. Wir sind Menschen. Nur gibt es keinen freien Willen.

19:18 20.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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