Die Zukunft der nächsten 50 Jahre

Zukunft Welche Zukunft können wir uns vorstellen? Wie sieht sie technologisch aus? Was für gesellschaftliche Entwürfe könnten neue Innovationen folgen lassen?
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Wir leben in einer Krisenphase des Kapitalismus, wie man sie bisher nicht kannte. Dieses heisst zugleich auch immer Umwälzungen und neue Paradigmen. Sie können aus grossen Kriegen heraus entstehen oder auch durch Niedergang einer Kultur, die durch eine neue ersetzt wird. In der Geschichte gab es immer wieder solche Phasen, die ein neues Zeitalter einläuteten.

Zivilisationsstand bemessen nach Energieverbrauch

Wir haben einen Zivilisationsstand, der in der Kardashev Skala einzuordnen ist bei 0,7. So hat ihn jedenfalls Carl Sagan berechnet für unsere Zivilisation. Wir haben also noch nicht mal den Stand einer Zivilisation Typ 1 erreicht. Gemessen wird diese Zivilisationsentwicklung am Energieverbrauch und den Möglichkeiten Energie zu gewinnen. Auch wenn wir unseren Energiebedarf zu 100 % durch erneuerbare Energie decken auf unserem Planeten, so ist es kein wirklicher Zugewinn, sondern nur ein Austausch, der Atomenergie und fossile Energien ersetzt. Das wäre gut, aber nicht ausreichend. Wir werden auch nur unwesentlich mehr Energie produzieren und eher darauf setzen Energieverbrauch effizienter zu machen. Für wirklich grosse neue Aufbrüche in ein neues Zeitalter bedeutet es also nicht eine Weiterentwicklung gemessen an der Kardashev Skala, die eine Zivilisationsentwicklung bemisst.

Warum ist Energie so wichtig und wieso bräuchten wir viel mehr als wir jetzt in der Lage sind zu produzieren?


Energie bedeutet Wohlstand für alle. Aber zugleich bedeutet auch Energie mehr Möglichkeiten des Fortschritts. Man denke an Annehmlichkeiten durch heutige elektrische Geräte, angefangen in der Küche bis hin zum Elektroauto. Wir haben aber auch noch ehrgeizigere Ziele wie den Weltraum und brauchen dafür Möglichkeiten, die heute unser Vorstellungsvermögen übertreffen. Schon alleine Antriebssysteme, die uns schneller fortbewegen lassen mit 300 km/s durch Elektroplasma Antriebe brauchen eine Energiequelle, die dauerhaft Energie erzeugen und so viel Energie auf einmal erzeugen, dass eine Kolonisierung anderer Planeten in unserem Sonnensystem erst möglich macht. Es wäre fatal, wenn wir ein halbes Jahr bräuchten, um nur zum Mars zu kommen. Ganz zu schweigen für interstellare Flüge, die wir nur mit einem Generationenschiff bewältigen könnten, das aber dann wiederum so gross sein müssten, dass wir letztlich eine kleine Stadt als Raumschiff bauen müssten. Ein unterfangen, welches wir nur alleine nach ökonomischen Kalkulationen gar nicht in der Lage wären in den nächsten 100 bis 200 Jahren zu finanzieren. Technologisch wäre es machbar und nicht die Schwierigkeit, aber durch unser kapitalistisches System wären wir nicht in der Lage so ein Grossprojekt mit vereinten internationalen Kräften zu schaffen. Die Kalkulationen gehen zurück auf das ISS Projekt, welches hochgerechnet wurde auf die Bedürfnisse eines solchen Generationenschiffes. Die Raumstation ISS ist nur ein Promille Finanzierungsbedarf dessen, was wir für ein Generationenschiff bräuchten. Es wäre daher eher eine bessere Möglichkeit, wenn wir in der Lage wären schon demnächst einen WARP Antrieb zu bauen, der uns in 2 Wochen nach Alpha Centauri bringen könnte. Diese Annahme einen solchen Antrieb bauen zu können liegt nicht mehr im Reich der Spekulationen und SciFi Märchen, sondern wird ernsthaft von der NASA durch ein Team von Dr. Harold "Sonny" White verfolgt. Doch um eine Warpblase oder WARP Faltung vor dem Bug in der Raumzeit aufrecht zu erhalten oder überhaupt zu bilden, braucht man ungeheuer viel Energie, die wir bisher nicht haben. Es würde selbst nicht reichen, wenn wir einen Kernfusionsreaktor bauen könnten. Es wäre dazu eine Energie notwendig, die wir - wie schon in Star Trek richtig beschrieben wurde - mit einem Materie/Antimaterie Reaktor erreichen könnten. Zur Zeit liegen die Berechnungen dazu bei einer Masseenergie von der Masse der Voyager Sonde. Es gab vor 2012 Berechnungen die darauf basierten, dass wir die Masse des Jupiters bräuchten, um eine WARP Blase in der Raumzeit zu erzeugen. Doch durch einen Oszillationstrick konnte die Energie massiv reduziert werden. Allerdings ist diese Energieanforderung immer noch weit entfernt von dem was wir heute produzieren könnten. Man muss sich vorstellen, dass man also die Masse von der Voyager Sonde vollständig als Antimaterie produzieren müsste, um dann die Energie erzeugen zu können bei einer Materie/Antimaterie Reaktion für einen WARP Flug durch die Raumzeit. Wir können heute aber nur vielleicht ein paar Gramm an Antimaterie erzeugen. Wir kennen Antimaterie von PET (Positronen-Emissions-Tomographie). Positronen sind Antimaterie und werden uns ins Blut gespritzt. Wir können dann anhand der Strahlung, die durch die Reaktion der Materie mit Positronen in aktiven Arealen des Gehirns entstehen, sehen. Eine Methode die sich schlimm anhört, aber harmlos ist. Ja wir haben schon Antimaterie in unserer Medizin eingesetzt, aber bräuchten nun für einen WARP Antrieb die Masse von Antimaterie in der Grössenordnung von der Voyager Sonde. Berechnen lässt es sich ganz einfach. Die Energie wird zu 100 % aus der Auflösung der Materie und Antimaterie in Energie errechnet und können hierfür die universelle Formel von Einstein anwenden: E=mc^2

Kapitalismus ist nicht effizient genug

Doch um dieses alles gewährleisten zu können, wäre ein unglaublicher Aufwand notwendig, der nicht finanzierbar ist mit unserem kapitalistischen System. Ein Raumschiff mit WARP Antrieb zu bauen, welches seine Energie aus einem Materie/Antimaterie Reaktor erhält, wäre für den Kapitalismus nicht zu stemmen. Das Produzieren von Antimaterie ansich kostet schon Unsummen und das Raumschiff selbst müsste Kriterien erfüllen, die mit Materialien einhergehen würde, die wir erst noch industriell herzustellen müssten. Heute gibt es in der Materialforschung jede Menge Erfolge, die uns hoffen lassen, dass uns die Eigenschaften von Materialien gelingen und sie industriell umsetzen zu können. Aber auch hier muss man sagen, dass es eher unrentabel ist, denn für uns reicht es in grossindustriellem Massstab noch Teflon (Polytetrafluorethen) zu produzieren, was wir übrigens auch erst gefunden haben durch Spacelab Experimente. Unsere Teflon Pfannen, die wir heute als normale Alltagsgebrauchsgegenstände betrachten, sind ein Produkt der Weltraumforschung.
Alles was wir für ein solches Raumschiff, egal ob Generationenschiff oder WARP Raumschiff, benötigen, würde erst einmal nicht marktwirtschaftlich verwertbar sein, denn wir haben ja schon genug Materialien die ausreichen für unseren Komfort im Alltag. Materialien, die strahlensicher sind wie 3 Meter dicke Aluminiumwände, wie man sie bräuchte, um die Weltraumstrahlung für lange Flüge abzuhalten, wären völlig überdimensioniert für den normalen Konsumgebrauch. Es gäbe aber solche Materialien, die wir nutzen könnten. Nur wäre es ausschliesslich nur für diesen Zweck verwendbar und für jede andere Konsumanwendung auf dem Markt zu teuer und überflüssig.

Technologiefortschritt wird durch Kapitalismus verhindert


Wir haben also nicht so sehr ein Technologieproblem sondern eher ein Kapitalismusproblem, denn dieses setzt auf Verwertbarkeit für den Massenmarkt und wäre ohnehin völlig überfordert Grossprojekte dieser Grössenordnung ansich zu leisten.

Wenn wir also nach der Kardashev Skala einen Zivilisationssprung machen wollen, dann würde es automatisch bedeuten, dass wir dann auch unser Wirtschaftssystem über Bord werfen müssten. Solange wir den Kapitalismus haben, wird es uns nicht gelingen in der nächsten Zukunft einen Zivilisationsfortschritt zu erreichen. Die Herausforderungen der Menschheit liegen vor allem darin ein anderes Wirtschaftssystem oder eben gar keines mehr zu haben, welches dann wie im Star Trek Kommunismus funktioniert. Die Energieprobleme würden sich dann auch lösen, denn technologisch treten wir auf der Stelle durch dieses System. Das sieht man übrigens in allen möglichen Bereichen des Elektrokonsums. Wir könnten schon lange Hololaserfernseher haben, aber Sony musste erst noch sein HDTV auf den Markt bringen um seine Entwicklungskosten für Technologie der 90er Jahre wieder einzuspielen. Damit wurde fortschrittlichere Technologie verhindert sich auf dem Markt zu behaupten, weil Sony das mittelständische Unternehmen Schneider mit seinem Laserkinofernseher platt gemacht hat und diese Entwicklung in den Schubladen verschwunden ist.

Warum dieser "Umweg" über eine Menschheitsvision?

Wir haben mit Vernunft versucht die Menschen zu überzeugen, dass dieses System nicht gut ist für die Menschheit. Das gelingt nicht mehr, wie man auch an der religiösen Entwicklung weltweit feststellen kann. Man klammert sich lieber an religiösen Vorstellungen, um den Kapitalismus zu ertragen, als dass man ihn bekämpft. Es braucht also "Sachzwänge". So konnte der Neoliberalismus ja auch seinen Siegeszug erreichen. Man erzeugte Sachzwänge der Globalisierung, die den Keynsianismus in die Knie zwang und sich so der Neoliberalismus ausbreiten konnte. Man braucht, um einen Kommunismus schmackhaft zu machen, Sachzwänge und Visionen einer besseren Welt für alle. Solange noch irgend jemand glaubt, dass er mehr davon profitiert, wenn das alte kapitalistische System weiter besteht, solange wird es auch kein Umdenken und Veränderungen geben, die Fortschritt für unsere Zivilisation bedeuten.
Kann man also deutlich machen, dass es ein Sachzwang ist das kapitalistische System zu verlassen, um Fortschritt zu erzielen für die ganze Menschheit, dann wird es plausibel. Attraktiv macht man es durch eine Menschheitsvision, was man eben mit einem kapitalistischen System nie erreichen wird.

Zivilisationsfortschritt heisst Technologiefortschritt, was wiederum nur möglich ist ohne Kapitalismus.

22:17 09.12.2015
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Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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