Eine Fabelhafte Revolution

Weltpolitik Sind wir heute nur eine Schafherde?
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Man kann sich fragen, ob es klug war, dass George Orwell 1984 oder Karl Marx Das Kapital geschrieben haben, denn letztlich haben beide aufgezeigt, wie Totalitarismus und Kapitalismus funktionieren und haben dabei genau erklärt und analysiert, was aber auch von der Gegenseite als Anleitung benutzt wird/wurde, wie man es macht.
Der Punkt ist aber letztlich, wenn wir eine Zivilisation haben wollen als Menschheit, dass wir uns über diese Gefahren bewusst sein müssen um sie dann zu bekämpfen. Und das nennt sich Aufklärung für ein bewusstes, humanistisches Verständnis, wie man es vermeidet und verhindert in die Barbarei eines Antihumanismus zu rutschen.


Früher haben Religionen eine Rolle gespielt, indem sie zu Anfang Menschen führten in eine zivilisertere Welt. Das war beim Judentum so, als man das Opfern von Menschen aufgab und nun nur noch seine Vorhaut opfern sollte, statt Menschen. Später entwickelte sich das Christentum, schaffte Rachejustiz ab und befreite Menschen aus ihrem Sklavendasein. Dann folgte der grosse Schritt mit dem Islam, sodass nicht mehr Stammeszugehörigkeit ausschlaggebend war, sondern eine Gemeinschaft mit einer sich konstituierenden Verfassung, der Ummah, bei der Rassen, Ethnien und Stammeszugehörigkeiten überwunden wurden. Heute haben wir seit 300 Jahren die Aufklärung, die uns dazu bemächtigt, auch dank des Buchdrucks, selber zu denken und bewusst zu machen, weil wir selber denken können durch Bildung.
Doch wenn man sich anschaut, was wir daraus machen und letztlich immer noch in einer Autoritätsgläubigkeit gefangen sind, dann fragt man sich schon, was es nutzt und genutzt hat, was Aufklärer wie Marx und Orwell bewirken, wenn die Menschen weiterhin auf die Mächtigen hereinfallen und nicht merken, wie sie Das Kapital von Karl Marx und 1984 von George Orwell als Anleitung benutzt wird.
Sind wir wirklich so primitiv wie Schafe? Denn das haben uns Religionen beigebracht, dass wir eine Schafherde sind und wir einen Hirten brauchen mit einem Schäferhund als Hüterhund, der uns bewacht und zusammen treibt, falls ein Schaf ausbüchsen will.
Sind wir Schafe? Oder ist es nicht einfach nur unsere Angst, die uns gefangen hält, die uns dann wieder nur in Autoritätsgläubigkeit verfallen lässt? Ist das eigentliche Problem dann nicht in Wirklichkeit nur unsere Angst zu überwinden und aufzubrechen für eine Vision, die wir in Wirklichkeit wollen, aber unsere Angst uns daran hindert?

Sind wir eine Schafherde, die jetzt langsam merkt, dass unser Hirte und Hüterhund letztlich ein Wolf und Schakal sind und hoffen nun, dass der Bär von aussen den Wolf und Schakal vertreibt?
Der Bär ist stark und kann sich mit einem Wolf und Schakalen anlegen, doch wieso sollte er das? Er ist Pflanzenfresser. Warum sollte er eine Schafherde vom Wolf und Schakal befreien?
Sollten wir als Schafherde nicht lieber versuchen durch unsere Masse uns selbst zu befreien? Der Bär draussen wird uns nichts tun, denn er ist ja Pflanzenfresser und es interessiert ihn auch nicht. Aber dennoch wollen uns Wolf und Schakale Angst machen, dass der Bär dort auf uns lauert, wenn wir ausbrechen.
Lasst uns darüber bewusst werden, dass wir nur in unserer eigenen Angst gefangen sind. Wir machen uns selbst zu Nutztieren von Wolf und Schakalen. Aus Angst begeben wir uns in die eigene Unmündigkeit und hoffen, dass der Wolf und die Schakale nicht zu barbarisch sind.

Ist das aber Mensch sein?

14:53 14.01.2017
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Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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