Kommunist versus Sozialdemokrat

Was ist links? Was ist der Unterschied zwischen einem Kommunisten und Sozialdemokraten?
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Karl Marx hatte die Entwicklung einer sozialdemokratischen Partei vorausgesehen und davor gewarnt.


Marx an Bebel, Liebknecht und Co über höhere Schichten in der Arbeiterpartei:


"Wenn solche Leute aus andern Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, daß sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen etc. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen. In einem so kleinbürgerlichen Land wie Deutschland haben diese Vorstellungen sicher ihre Berechtigung. Aber nur außerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wenn die Herren sich als sozialdemokratische Kleinbürgerpartei konstituieren, so sind sie in ihrem vollen Recht; man könnte dann mit ihnen verhandeln, je nach Umständen Kartell schließen etc. Aber in einer Arbeiterpartei sind sie ein fälschendes Element. Sind Gründe da, sie vorderhand darin zu dulden, so besteht die Verpflichtung, sie nur zu dulden, ihnen keinen Einfluß auf Parteileitung zu gestatten, sich bewußt zu bleiben, daß der Bruch mit ihnen nur eine Frage der Zeit ist. Diese Zeit scheint übrigens gekommen. Wie die Partei die Verfasser dieses Artikels noch länger in ihrer Mitte dulden kann, erscheint uns unbegreiflich. Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit der proletarischen Schneid ist's am End.
Was uns betrifft, so steht uns nach unsrer ganzen Vergangenheit nur ein Weg offen. Wir haben seit fast 40 Jahren den Klassenkampf als nächste treibende Macht der Geschichte und speziell den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat als den großen Hebel der modernen sozialen Umwälzung hervorgehoben; wir können also unmöglich mit Leuten zusammengehn, die diesen Klassenkampf aus der Bewegung streichen wollen. Wir haben bei Gründung der Internationalen ausdrücklich den Schlachtruf formuliert: Die Befreiung der Arbeiterklasse muß das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Wir können also nicht zusammengehn mit Leuten, die es offen aussprechen, daß die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu befreien, und erst von oben herab befreit werden müssen, durch philanthropische Groß- und Kleinbürger."

Karl Marx war Analytiker und man hätte ihn im bilbischen Zeitalter Propheten genannt. Doch es gibt gerade im bürgerlich denkenden Milieu ein Missverständnis und vielleicht auch Unwissenheit, was dieses Zitat anscheinend ad absurdum führt. Anscheinend!


Der Einwand und das allgemeine Missverständnis hatte eine Facebook Kommentatorin beschrieben:

"Unabhängig von dem, was Marx sonst geschaffen hat, verwundert mich jedes Mal (ich komm um diesen Gedanken nicht drum rum), dass jemand, der nicht aus der Arbeiterschicht kam, solche Forderungen immer wieder stellte. Vor allem, weil er wirklich auch nie einen Finger gekrümmt hatte. Gut. Er hat geistige Arbeit getrieben. Klaro. Aber er hatte ständig Förderer und war Gast und... wenn er den Ausschluss von Menschen fordert, die nicht der Arbeiterschicht angehören... wie kann er sich dann da noch aufhalten? Wäre ein Austritt seinerseits nicht die logische Konsequenz? Das hab ich noch nie verstanden. Sein Engagement in Ehren, aber der ist mit nem goldenen Löffel im Maul geboren. Wasser predigen, Wein trinken?"

Doch was wird grundsätzlich missverstanden im Detail?

Karl Marx hat vorangestellt: "Wenn solche Leute aus andern Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, daß sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen etc. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen...."

Du kannst Intellektueller sein, denn auch diese muss es geben wie Marx mit seinem Beispiel als Person beweist, aber dann hast du kleinbürgerliche Denke abzulegen im proletarischen Kampf.

Beispiel Bildung

In der SPD spricht man nur noch von Chancengleichheit. Es gibt also einen Wettbewerb wie Im Lotto und wenn du smart genug bist und Bildung dir aneignen kannst, dann kannst du auch zu denen werden, die du eigentlich bekämpft hast. Das liberale Leistungsprinzip wird gepriesen, damit du später selbst zum Ausbeuter werden kannst und nicht mehr ausgebeutet wirst.
Als Kommunist willst du auch Bildung, aber für alle und das in einer Allgemeinumfassenden Form, die es dir ermöglicht Bewusstsein zu haben über die gesellschaftlichen Vorgänge.

Bildung ansich ist kein Zweck um dann einen Job zu haben indem du dann viel Kohle machst um dann nicht mehr zum Proletariat zu gehören. Aber genau das ist das Credo eines kleinbürgerlichen sozialdemokratischen Denkens.

Ich hoffe der Unterschied zwischen einem Kommunisten und Sozialdemokraten ist hiermit klar geworden.

15:27 19.10.2016
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Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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